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Der Entführer des Sohnes von Milliardär Reinhold Würth aus Künzelsau hat sich als Arzt ausgegeben, um in Kontakt mit den Eltern des Opfers zu kommen. Das sagte die Mutter am Montag aus.

zwei frauen, linkes eine kleinere dunkelhaarige, rechts eine blonde, sehen in die kamera (Foto: picture-alliance / dpa, Jörn Perske)
Carmen Würth (links), Mutter des Entführungsopfers Markus Würth, steht zusammen mit ihrer Anwältin Manuela Lützenkirchen vor einem Verhandlungssaal am Landgericht Gießen. Jörn Perske

Die 81 Jahre alte Mutter des Entführungsopfers, Carmen Würth, sagte am Montag vor dem Landgericht Gießen als Zeugin aus. Demnach habe der Mann einen Notfall ihres Sohnes vorgetäuscht und sei so an ihre Handynummer gekommen. Zu der Zeit sei sie mit ihrem Ehemann, dem Unternehmer Reinhold Würth, auf Geschäftsreise in Griechenland gewesen, die sie daraufhin sofort abgebrochen hätten, berichtete die Künzelsauerin Carmen Würth. Der Entführer habe in einem der Telefonate auch mit dem Tod ihres Sohnes Markus gedroht.

Gesundheitszustand des Sohnes sehr gut

Carmen Würth berichtete im Prozess auch über den Gesundheitszustand ihres Sohnes. Ihm gehe es sehr gut, er sei inzwischen in einer neuen, viel kleineren Einrichtung. Dort fühle er sich sehr wohl, sagte sie.

Sohn kann sich gut an Personen erinnern

Auf die Frage nach dem Erinnerungsvermögen ihres Sohnes sagte Carmen Würth, ihr Sohn habe ein sehr gutes Gedächtnis. Er könne sich auch nach Jahren noch gut an Personen erinnern, die er zuvor nur einmal gesehen habe. Er könne das zwar nicht verbal, aber mit seiner Zeichensprache deutlich machen, so die Künzelsauerin.

Juristische Verwertbarkeit ist fraglich

Diese Aussage wurde auch von anderen Zeugen, die Markus Würth gut kennen, bestätigt. Ob der behinderte Mann damit als Zeuge infrage kommt und ob seine Aussage juristisch tatsächlich verwertbar wäre, ist jedoch fraglich.

Drei Millionen Euro gefordert

Angeklagt ist ein 48-jähriger Serbe. Er soll im Juni 2015 mit noch unbekannten Mittätern den behinderten Sohn des Unternehmerehepaars aus Künzelsau entführt und drei Millionen Euro Lösegeld gefordert haben.

Das damals 50-jährige Opfer lebte zum Zeitpunkt der Entführung in einer integrativen Wohngruppe für behinderte und nicht-behinderte Menschen im osthessischen Schlitz.

Angeklagter sagte bisher nichts zur Tat

Zu den Tatvorwürfen sagte der Angeklagte bisher nichts. Der 48-Jährige machte am zweiten Verhandlungstag jedoch Angaben zu seiner Person. Dabei schilderte der Handwerker seine finanzielle Situation. Darüber hinaus beschrieb der zweifache Familienvater seine Neigung zum Glücksspiel und seine Computer-Kenntnisse.

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