Aktionstag Zivilcourage der Polizei am Hauptbahnhof Heilbronn (Foto: SWR)

Polizei will mit Aktion in Heilbronn sensibilisieren

Bedeutung von Zivilcourage in der Bevölkerung wächst

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Preise für Zivilcourage gibt es einige im Land. Warum man einschreiten sollte und wie man es richtig macht, darauf weist die Polizei Heilbronn mit einem Aktionstag hin.

In ganz Baden-Württemberg nehmen Übergriffe, Beleidigungen und beispielsweise auch Taschendiebstähle zu. Greift niemand ein, stehen die Opfer alleine da. Aber nicht nur solche Delikte fordern Zivilcourage, auch wenn es um Rechtsextremismus geht, sollte die Bevölkerung laut werden, betonte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Juli bei einer Gedenkfeier zum 78. Jahrestag des versuchten Attentats auf Hitler. Wie wichtig Zivilcourage ist und wie diese aussehen kann, wollen die Bundespolizei und das Polizeipräsidium Heilbronn den Bürgerinnen und Bürgern am Heilbronner Hauptbahnhof näherbringen. Mit einer jährlichen Aktion versuchen die Behörden, die Menschen in Heilbronn dafür zu sensibilisiere. Manchmal auch sprichwörtlich mit dem Vorschlaghammer.

Menschen oft starr vor Schreck

Denn es werden auch lebensechte Gewalt- oder Diebstahlsituationen von Bundespolizistinnen und -polizisten vor Ort gespielt, die selbst Einsatztrainer sind. Nicht immer greift jemand ein. Die Polizei klärt das Schauspiel im Nachhinein auf und spricht mit den Menschen, bestätigt diejenigen, die geholfen haben und gibt Tipps, was im Ernstfall zu tun ist.

"Viele schauen auch nur zu. Einfach weil sie von der Situation erstarrt sind oder nicht wissen, was das Richtige gewesen wäre, was sie tun können."

Ganz wichtig: Sich selbst nie in Gefahr zu bringen, betont Lisa-Maria Klesse, die Abteilungsleiterin Prävention im Polizeipräsidium Heilbronn. Darüber hinaus gibt es einen Info-Stand im Hauptbahnhofsgebäude, Polizistinnen und Polizisten, die in Straßenbahnen Aufklärungsgespräche führen und den Zivilcourage-Bus.

Aktionstag für Zivilcourage in Heilbronn (Foto: SWR, Simon Bendel)
Mit geschauspielerten Diebstählen beispielsweise, will die Polizei die Bevölkerung mit dem Thema Zivilcourage konfrontieren. Simon Bendel

Schülerinnen und Schüler mit Theater sensibilisieren

In dem Bus werden Schulklassen theaterpädagogisch an das Thema Zivilcourage herangeführt. Zum Beispiel auch zwei Klassen der Helene-Lange-Realschule in Heilbronn. Schulleiterin Sabine Knapp ist überzeugt vom Zivilcouragetag und dessen Erfolg. Seit einigen Jahren kommt sie mit ihren fünften bis zehnten Klassen hier her.

"Das Tolle ist, dass die Schülerinnen und Schüler in einer Realsituation erleben können, wie man Zivilcourage leben kann."

Die Schülerinnen und Schüler seien jedes Jahr aufs Neue begeistert, so Knapp. Besonders wichtig schätzt sie auch den Fakt ein, dass die Schülerinnen und Schüler die Polizei in ihrer präventiven Arbeit erleben können.

Mit der Kampagne "Tu was - Zivilcourage zeigen" wirbt die Polizei auf einem Bus für Zivilcourage, der durch Heibronn fährt (Foto: SWR)
Zivilcourage-Bus in Heilbronn - hier klärt die Polizei zum Thema auf (Archivbild).

Jede Hilfe ist besser als Nichtstun

Um Zivilcourage zu leben, gibt es sechs Regeln oder Schritte, die die Polizei empfiehlt und am Aktionstag weitergibt. Man sollte aktiv werden, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, andere zur Mithilfe auffordern, genau beobachten und sich Täter-Merkmale einprägen. Heutzutage können auch Handybilder oder -videos hilfreich sein.

Außerdem sollte man sich um das oder die Opfer kümmern und sich als Zeuge zur Verfügung stellen. Nicht alle dieser Schritte müssen gemacht werden, erklärt Klesse. Es sei für die Polizei und das oder die Opfer schon hilfreich, wenn man einen der Punkte im Kopf habe und reagieren könne.

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