Der in Kirchberg lebende Afghane Amir Khoja Sediqi kämpft um seine von den Taliban bedrohten Familie (Foto: SWR)

Kirchberger Flüchtlingshelfer wollen Angehörige aus Kabul retten

Kirchberg: Flüchtling aus Afghanistan bangt wegen Taliban um Familie in Kabul

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In Kirchberg setzen sich Flüchtlingshelfer für Amir Khoja Sediqis Familie in Afghanistan ein. Wieso droht ihnen in Kabul der Tod?

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Seit 2013 lebt Amir Khoja Sediqi in Kirchberg an der Jagst (Landkreis Schwäbisch Hall). Er ist aus Afghanistan geflohen, weil er nach eigenen Angaben schon damals Todesdrohungen erhalten hat. Denn er und seine Familie haben für die Internationale Friedenstruppe ISAF gearbeitet, als sogenannte Ortskräfte. Seine Familie ist immer noch dort. Sediqi sagt, jetzt, da die Taliban Kabul erobert haben, müssten sie um ihr Leben fürchten.

Nur mit Nachweis der Bundesregierung kann die Familie ausreisen

Sediqis Bruder, seine Schwester und sein Schwager hätten es mit ihren Familien bis zum Flughafen geschafft. Doch um ausreisen zu können, bräuchten sie Dokumente, um die Arbeit für die ISAF nachweisen zu können, berichtet der Afghane.

"Die Soldaten am Flughafen haben meiner Schwester gesagt, du hast 24 Stunden Zeit. Wenn du mit einer deutschen Behörde Kontakt aufnimmst, und sie gibt das Okay, dann darfst du reinkommen. Sonst schicken sie sie wieder aus dem Flughafen raus."

Das könnte, so fürchtet Amir Khoja Sediqi, ihr Todesurteil sein. Denn mittlerweile gebe es eine Todesdrohung der Taliban gegen die Familie. Eine so genannte Fatwa.

Die Familie des in Kirchberg lebenden Afghanen Amir Khoja Sediqi sitzt noch in Kabul fest (Foto: SWR)
Die Familie des in Kirchberg lebenden Afghanen Amir Khoja Sediqi sitzt noch in Kabul fest

Flüchtlingshelfer: Taliban durchkämmen bereits die Häuser

Dieter Sudermann vom Freundeskreis Asyl in Kirchberg fordert die Deutschen Behörden auf, die Identität der Familie zu bestätigen. Es gebe zwar eine Internetseite, auf der sich Menschen, die ausreisen möchten, registrieren können, das alles dauere aber sehr lange. Zeit, die die Familie nicht habe.

"Die Taliban haben angefangen, die Häuser zu durchkämmen in Kabul. Und nach gesuchten Personen - Leuten mit Fatwa – zu suchen. Und diese Leute sind in sehr, sehr großer Gefahr."

Die Online-Registrierung hat inzwischen Familie Sudermann übernommen, beziehungsweise, sie versucht es. Das Problem: Die Angehörigen Sediqis in Afghanistan haben zwar die Unterlagen, können sich aber nicht selbst registrieren. Jetzt schicken sie alle Dokumente via WhatsApp nach Kirchberg. Die Zeit drängt, denn das Ultimatum läuft bald ab.

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