Stadt und Unternehmen teilen eine lange Vergangenheit 181 Jahre - die Knorr-Geschichte in Heilbronn

Das Unternehmen Knorr ist seit Generationen fester Bestandteil von Heilbronn. Mitten in der Stadt am Neckar ist das Unternehmen gewachsen und erlebte dabei auch ihre bewegte Geschichte mit.

Eine Stadt Heilbronn ohne das Unternehmen Knorr ist für viele Menschen kaum vorstellbar. Was bis vor kurzem nur schlimme Befürchtung war, liegt jetzt allerdings auf dem Tisch: Das Knorr-Werk in Heilbronn könnte schließen und damit die gut 180-jährige Unternehmensgeschichte vor Ort beenden. Der Mutterkonzern Unilever macht Druck, das Werk in Heilbronn sei international nicht konkurrenzfähig.

Dauer

Wenn man ein Unternehmen mit einer Stadt verbindet wie die Kirche oder das Rathaus, dann wird schnell deutlich, hier ist etwas zusammengewachsen, sagt Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD). So ist es mit Knorr in Heilbronn, inzwischen seit über 180 Jahren.

"Knorr gehört zu Heilbronn wie die Kilianskirche oder das Rathaus, gefühlt zumindest."

Harry Mergel (SPD), Heilbronner Oberbürgermeister

Knorr startet im 19. Jahrhundert

Karl Heinrich Knorr gründete das Unternehmen 1838 in Heilbronn. Es war damals ein innovatives Werk – fertige Gerichte die einfach und schnell zubereitet werden konnten. Im ersten Weltkrieg konnte so die Armee an der Front einfacher versorgt werden. Aber auch in den Küchen der Privathäuser fand Knorr schnell Verwendung.

Krieg trifft auch Knorr

Im zweiten Weltkrieg wurde nicht nur Heilbronn stark getroffen, auch das Knorr-Werk wurde zerstört, berichtet Claus-Günther Knorr. Der Ur-Ur-Enkel des Firmengründers beschäftigt sich mit seiner Familienhistorie. Nach dem Krieg brauchte das Unternehmen Geld, mit dem Verkauf von Firmenanteilen konnte es weiter gehen. Aber die Familie verlor die Mehrheit und schied in den Folgejahren komplett aus dem Unternehmen aus, so Knorr.

Am Tor 4 von Unilever in Heilbronn Gebäude, Laderampen und Lkws (Foto: SWR)

Knorr hat wechselnde Eigentümer

Knorr wächst auch unter dem neuen Eigentümer, dem Unternehmen Maizena. 1962 wird in Heilbronn das Institut für Forschung- und Entwicklung geschaffen. Neue Produkte, auch für Großküchen, sollten entstehen. Im Jahr 2000 wird der Mutterkonzern von Knorr, der inzwischen "Bestfoods" heißt, mit dem Lebensmittelriesen Unilever zusammengelegt.

Die schlechten Jahre

Unter dem neuen Dach mit Unilever kamen den Folgejahren von Knorr in Heilbronn immer wieder negative Nachrichten. Der Standort wurde verkleinert, Stellen wurden abgebaut, die Stückzahlen waren zu gering. Im vergangenen Jahr wurde die Verlegung des Forschungs- und Entwicklungsinstituts nach über 50 Jahren bekannt gegeben – ein herber Schlag für das Heilbronner Werk.

Das Knorr-Werk in Heilbronn leidet unter dem starken Erfolgsdruck bei Unilever, der viel zu groß sei, findet auch der Unilever Konzernbetriebsratsvorsitzende Hermann Soggeberg.

"Es ist hier in jeder Faser zu spüren, dass die Menschen nicht nur einen Job haben, sondern mit Leib und Seele Knorrianer sind."

Hermann Soggeberg, Unilever Konzernbetriebsratsvorsitzende

Zukunft ungewiss

In den nächsten Wochen soll nun entschieden werden, ob die lange Tradition von Knorr in Heilbronn noch eine Zukunft hat. "Radikale Veränderungen" wurden von der Konzernseite gefordert für einen Erhalt. Zu drastische Einsparungen bei den Mitarbeitern können laut Betriebsrat aber nicht die Lösung sein. Eines jedenfalls steht fest, viele Heilbronner wollen das Knorr bleibt, als großer Arbeitgeber und weil das Unternehmen ein Teil von Heilbronn ist.

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