Trauerflor vor dem Schwäbisch Haller Rathaus. Am Donnerstag ist die Trauerfeier von SPD-Urgestein Erhard Eppler in seiner Wahlheimat (Foto: SWR)

Trauerfeier für verstorbenen SPD-Politiker in Schwäbisch Hall Weggefährten verabschieden sich von Erhard Eppler

In der Schwäbisch Haller Stadtkirche St. Michael war am Donnerstagnachmittag die Trauerfeier für den verstorbenen SPD-Politiker Erhard Eppler. Viele Wegbegleiter haben sich von ihm verabschiedet.

Abschied von SPD-Urgestein Trauerfeier von Erhard Eppler in Schwäbisch Hall

Trauerfeier für Erhard Eppler: Sarg in der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall (Foto: SWR)
Trauerfeier für Erhard Eppler: Sarg in der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall Bild in Detailansicht öffnen
Parteiprominenz auf der Trauerfeier von Erhard Eppler (v.l.n.r.): Malu Dreyer (2.v.l., SPD), Gerhard Schröder (SPD) mit Ehefrau Soyeon Kim, Sigmar Gabriel (SPD) und Muhterem Aras (Grüne) Bild in Detailansicht öffnen
Vorne, v.l.n.r.: Malu Dreyer, kommissarische Bundesvorsitzende der SPD und Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Altkanzler Gerhard Schröder mit Ehefrau Bild in Detailansicht öffnen
Andreas Stoch, Landesvorsitzender der SPD in Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Das Liedheft zur Trauerfeier für Erhard Eppler in Schwäbisch Hall Bild in Detailansicht öffnen
Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) schreibt sich ins Kondolenzbuch Bild in Detailansicht öffnen
Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder mit seiner Ehefrau auf dem Weg in die Kirche Bild in Detailansicht öffnen
V.l.n.r.: Malu Dreyer, Gerhard Schröder mit Gattin, Sigmar Gabriel bei der Trauerfeier von Erhard Eppler Bild in Detailansicht öffnen
In der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall fand die Trauerfeier für Erhard Eppler statt Bild in Detailansicht öffnen
Trauerflor vor dem Schwäbisch Haller Rathaus Bild in Detailansicht öffnen

Prominente Wegbegleiter verabschieden sich von Eppler

Unter den mehreren hundert Trauergästen waren unter anderem Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und die beiden Oberbürgermeister aus Schwäbisch Hall und Heilbronn Hermann-Josef Pelgrim und Harry Mergel (beide SPD). Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach bei der Gedenkfeier im Neubausaal.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Die Familienmitglieder von Erhard Eppler gestalteten den musikalischen Teil der Zeremonie. Am Ende konnten die Trauergäste am Sarg Abschied von ihm nehmen.

V.l.n.r.: Malu Dreyer (2.v.l., SPD), Gerhard Schröder (SPD) mit Ehefrau Soyeon Kim, Sigmar Gabriel (SPD) und Muhterem Aras (Grüne) auf der Trauerfeier von Erhard Eppler  (Foto: SWR)
Parteiprominenz auf der Trauerfeier von Erhard Eppler (v.l.n.r.): Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (2.v.l., SPD), Gerhard Schröder (SPD) mit Ehefrau Soyeon Kim, Sigmar Gabriel (SPD) und Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne)

Ein "unverwechselbares politisches Lebenswerk"

Die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer würdigte insbesondere Epplers Einsatz für die Friedensbewegung in Deutschland. Seiner Aufrichtigkeit und seinen Worten habe sich niemand entziehen können, Eppler habe ein unverwechselbares politisches Lebenswerk hinterlassen, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin.

"Über Jahrzehnte gestaltete er die deutsche und internationale Politik mit, zeigte Missstände und Lösungswege auf. Er übernahm Verantwortung. Wir erinnern uns an Erhard Eppler als großen Sozialdemokraten. [...] Seine Ideen und Errungenschaften werden wir nie vergessen. Sie fortzuleben und fortzudenken, verstehe ich als unseren gemeinsamen Auftrag."

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz

Der frühere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder beschrieb den Verstorbenen als Visionär, der für ihn während seiner Kanzlerschaft vor allem beim Nein zum Irak-Krieg ein wichtiger Ratgeber gewesen sei.

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Eppler einer der "namhaftesten Akteure der Kirchentagsbewegung"

Eppler war neben seiner politischen Karriere auch zweimal Präsident des Evangelischen Kirchentags. Dessen Generalsekretärin Julia Helmke würdigte den Verstorbenen als einen der namhaftesten Akteure der Kirchentagsbewegung. Unter den Trauergästen in Schwäbisch Hall waren neben SPD-Prominenz aus Bund und Land der CDU-Staatssekretär Norbert Bartle als Vertreter der Bundesregierung und die baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne).

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Eppler hinterließ Eindruck bei den Menschen

Viele Menschen beeinflusste Eppler mit seiner Art, seinem Engagement und seinem Denken. Einige davon nahmen am Donnerstag bei der Trauerfeier in Schwäbisch Hall Abschied.

Abschied von SPD-Urgestein Erhard Eppler - der umstrittene Provokateur

Erhard Eppler und Gutsav Heinemann im Gespräch beim deutschen Entwicklungsforum 1970 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Egon Steiner)
Der 1926 in Ulm geborene Erhard Eppler (rechts) - hier im Gespräch mit Bundespräsident Gustav Heinemann - erreichte den Höhepunkt seiner politischen Karriere im Jahr 1968: Unter dem damaligen Kanzler Kurt Kiesinger (CDU) wurde er zum Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ernannt. picture alliance/Egon Steiner Bild in Detailansicht öffnen
Das Amt hatte Eppler auch unter seinem Förderer Willy Brandt (SPD, links) während dessen Kanzlerschaft inne. Eppler wandte sich während seiner Amtszeit mehrfach gegen eine zu enge Verbindung von Außenpolitik und Entwicklungshilfe. Schnell erarbeitete sich der ehemalige Gymnasiallehrer einen Ruf als Idealist. (c) dpa/Report/Michael Dick Bild in Detailansicht öffnen
Seine Haltung brachte Eppler den Beinamen "Pietkong" ein - eine Erfindung seines Parteikollegen Herbert Wehner. Das wenig schmeichelhafte Wort sollte auf die kommunistischen Vietkong und den protestantischen Pietismus anspielen. Im 1974 gebildeten Kabinett unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sollte Eppler (hintere Reihe, 3. v. l.) nicht lange bleiben. picture alliance/dpa/Peter Popp Bild in Detailansicht öffnen
Schmidt war gerade sieben Wochen Bundeskanzler, da trat Eppler zurück. Schmidt und Eppler vertraten häufig unterschiedliche Positionen, auch bei Epplers Etat, was schließlich zu dessen Rücktritt führte. Sein Nachfolger wurde Egon Bahr (rechts). Bezogen auf Eppler soll Schmidt gesagt haben: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." Eppler ging - er wurde Landes- und Fraktionsvorsitzender der baden-württembergischen SPD. dpa/Bildarchiv/Peter Popp Bild in Detailansicht öffnen
Nach der Wahlniederlage der baden-württembergischen SPD 1976 wurde die Kritik an Eppler lauter: zu ideologisch, zu intellektuell, ihm wurde eine Entfremdung von der Arbeiterschaft vorgeworfen. In den frühen 1980er Jahren trat er als Fraktions- und Landesvorsitzender zurück. Eppler engagierte sich verstärkt in der Ökologie- und Friedensbewegung, wie hier bei einer Friedensdemonstration 1981 in Bonn. picture alliance/dpa/Klaus Rose Bild in Detailansicht öffnen
Auf der rund 300.000 Teilnehmer zählenden Demonstration gehörte Eppler zu den Hauptrednern. Er verstand sich als "Scharnier" zwischen der Friedensbewegung und der SPD und wurde zu einem "Gegenspieler" von Kanzler Schmidt. Der befürwortete eine atomare Nachrüstung und Mittelstreckenraketen, Eppler war dagegen - ihm lag vielmehr der Umweltschutz am Herzen, im Gegensatz zu Schmidt. Als die SPD 1986 den Atomausstieg beschloss, war Eppler maßgeblich beteiligt. dpa/Bildarchiv/Martin Athenstädt Bild in Detailansicht öffnen
Unter dem Zeichen der Abrüstung stand auch der 20. Deutsche Evangelische Kirchentag 1983. Eppler (3. v. l.) gehörte als überzeugter Christ auch mehrere Jahre zum Vorstand und war von 1981 bis 1983 und 1989 bis 1991 sogar Präsident des Kirchentags. So soll er auch gute Kontakte zu Christen in Ostdeutschland geknüpft haben, was ihm einen frühen Einblick ins Innenleben der DDR gewährte. (c) dpa - Bildarchiv_Dieter Klar Bild in Detailansicht öffnen
Trotz seines Engagements in der Kirche und der Friedensbewegung blieb Eppler in der SPD aktiv. So war er von 1973 bis 1992 Vorsitzender der Grundwertekommission der Partei. Seine Arbeit mündete im "Berliner Programm", das er zusammen mit Oskar Lafontaine (rechts) und der ehemaligen SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier in Bonn 1989 vorstellte. Es sollte als Parteiprogramm der SPD noch bis 2007 den politischen Weg der Partei maßgeblich beeinflussen. dpa/Report/Martin Athenstädt Bild in Detailansicht öffnen
Ebenfalls 1989 hielt er eine Rede vor dem Bonner Parlament, in der er die innenpolitischen Entwicklungen der folgenden Monate quasi vorwegnahm. Erstmals erhielt Eppler auch Zuspruch von CDU- und CSU-Politikern, wie Kanzler Helmut Kohl (CDU). Dass Eppler den Niedergang der DDR vorausahnte, führten Insider später auf seine Kontakte zu Christen in Ostdeutschland zurück. Zwei Jahre später verabschiedete er sich von der großen politischen Bühne. dpa/Report/Tim Brakemeier Bild in Detailansicht öffnen
Dennoch mischte sich Eppler immer mal wieder in die Politik ein, unterstützte Gerhard Schröder (SPD) bei der "Agenda 2010" und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Privat ließ er sich mit seiner Frau Irene, mit der er vier Kinder hatte, in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall nieder. Dort wurde er 2015 zum Ehrenbürger ernannt. picture alliance/Daniel Naupold/dpa Bild in Detailansicht öffnen
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