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Totschlagsprozess von Künzelsau Toter Siebenjähriger: Angeklagte bricht wohl ihr Schweigen

Vor dem Heilbronner Landgericht ist der Prozess gegen eine 70-jährige Kindersitterin fortgesetzt worden - nun könnte sich eine Wende andeuten. Die Frau hatte ein Vier-Augen-Gespräch mit einem psychiatrischen Gutachter.

Im bisherigen Prozessverlauf schwieg die angeklagte Kindersitterin aus Künzelsau (Hohenlohekreis) zu den Vorwürfen. Am Montag nun hat sie offenbar zum ersten Mal ihr Schweigen gebrochen.

Unterhaltung mit Sohn

Nach zwei Wochen Verhandlungspause bis Montag ging die Schwurgerichtskammer zuvor einen nicht alltäglichen Weg, um die 70-Jährige doch noch zu einer Aussage zu bewegen: Das Gericht ermöglichte dem Sohn der Frau über den Jahreswechsel ein über dreistündiges Gespräch - ohne jede Überwachung -, um möglicherweise auf sie einzuwirken. 

Prozessauftakt am Landgericht Heilbronn: Die 70-jährige Kindersitterin soll einen Siebenjährigen getötet haben, so die Anklage.  (Foto: SWR, Anno Palumbo)
Prozessauftakt am Landgericht Heilbronn: Die 70-jährige Kindersitterin soll einen Siebenjährigen getötet haben, so die Anklage (Archivbild) Anno Palumbo

Gespräch ohne Überwachung in Untersuchungshaft

Das Besondere daran: Solch ein Gespräch ohne Überwachung ist in Untersuchungshaft, in der die 70-Jährige derzeit sitzt, vollkommen ungewöhnlich.

Am Montag führte die Angeklagte noch ein weiteres Gespräch mit dem psychiatrischen Gutachter. Das allerdings wurde protokolliert und wird vor Gericht verwendet. Darauf hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung zuvor geeinigt. So blieb der Angeklagten die Belastung durch eine Aussage im Gerichtssaal vor allen Prozessbeteiligten und vor Publikum erspart.

Schauplatz des Gesprächs unmittelbar nach der Verhandlung am Montag war ein gesicherter Raum im Heilbronner Landgericht. Über den Inhalt wurde nichts bekannt. Darüber wird der psychiatrische Gutachter am nächsten Verhandlungstag in einer Woche berichten. Von dem Gespräch und einer möglichen Aussage der 70-Jährigen hängt nun ab, wie das Verfahren weitergeht.

Mögliches Motiv: Verlassensängste

Die Pflege-Oma soll in Künzelsau einen Siebenjährigen erwürgt haben. Der Junge war Ende April 2018 tot im Haus der Angeklagten in Künzelsau gefunden worden. Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft mögliche Verlustängste. Die 70-Jährige habe wohl befürchtet, dass der Junge mit fortschreitendem Schulalter nicht mehr zu ihr kommen würde, hieß es. Für den Prozess sind noch mehrere Verhandlungstage bis Ende Januar vorgesehen.

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