Der Übertragungswagen vom SWR Studio Heilbronn vor dem Heilbronner Landgericht - im Prozess um eine Messerattacke auf dem Marktplatz ist ein Urteil gefallen (Foto: SWR, Jürgen Härpfer)

Urteil am Landgericht Heilbronn gefallen Fünf Jahre Haft für Messerattacke

Das Landgericht Heilbronn hat einen 70-jährigen Mann wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er war auf dem Marktplatz mit einem großen Messer auf mehrere Männer losgegangen.

Mit dem Urteil blieb die Kammer zwei Jahre unter dem Strafrahmen, den Staatsanwalt und Nebenklage gefordert hatten.

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Das Landgericht sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Mann im Februar im Heilbronner Stadtzentrum auf drei ausländisch aussehende Männer eingestochen und sie teilweise schwer verletzt hatte.

Die Urteilsbegründung

Das Gericht hat stärker gewertet, dass der 70 Jahre alte Rentner in einem Gutachten als vermindert schuldfähig eingestuft wurde. Er hatte jede Menge Alkohol getrunken und musste wegen diverser Krankheiten Medikamente nehmen.

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Das allein sei kein Grund für eine niedrigere Strafe, so das Gericht. Aber der Mann sei zuckerkrank, was bis zur Tat noch nicht behandelt worden war. Und diese Krankheit habe eine Wechselwirkung mit Alkohol gehabt, die er nicht habe wissen können. Darüber hinaus wurde bei ihm eine beginnende Demenz festgestellt. Das alles wirkte sich strafmildernd aus.

Spiegelbild der Gesellschaft

Unterm Strich, so das Gericht am Mittwoch in Heilbronn, war diese Tat ein Spiegelbild der Gesellschaft, wie sie heute ist. Aber so hieß es auch: Sie stehe nicht für Heilbronn. Auch wenn Heilbronn die Stadt mit dem dritthöchsten Migrationsanteil in Deutschland sei.

Mordabsichten bestritten

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte in den Plädoyers am Dienstag noch sieben Jahre Haft gefordert - sie sah die Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung gegeben. Dem schloss sich die Nebenklage an.

Die Verteidigung des 70-jährigen Angeklagten hingegen hatte auf verminderte Schuldfähigkeit plädiert und Mordabsichten bestritten. Sie forderte eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. 

Verminderte Schuldfähigkeit bei Messerattacke

Ein psychiatrischer Gutachter hatte den Rentner im Laufe des Prozesses als vermindert schuldfähig eingestuft. Demnach sei es glaubhaft, dass sich der Angeklagte nicht an seine Taten erinnern kann, weil er zu viel getrunken hatte und seine Zuckerkrankheit nicht erkannt und behandelt worden war.

Taten zu Prozessauftakt eingeräumt

Der Mann, so der Gutachter, sei in einer Art Dämmerzustand gewesen, als er im Februar an der Heilbronner Kilianskirche seine drei Opfer mit einem Messer schwer verletzt hatte. Bereits zu Prozessauftakt hatte der Mann die Taten eingeräumt und sich bei den Opfern entschuldigt. Außerdem hat er jedem Opfer eine Entschädigung von 2.000 Euro gezahlt. Eine rechtsgerichtete Gesinnung, wie zunächst als Motiv vermutet wurde, verneinte der Angeklagte vor Gericht. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung können noch in Revision gehen, also das Verfahren überprüfen lassen.

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