Nach Verurteilung im Heilbronner Missbrauchsprozess Ex-Kindergartenleiter mit Teilerfolg vor Arbeitsgericht

Ein früherer Heilbronner Kindergartenleiter hat sich vor dem Arbeitsgericht gegen seine fristlose Kündigung durch die evangelische Kirchengemeinde gewehrt. Der Mann war wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden.

Der Angeklagte zu Prozessauftakt (Foto: SWR)
Der Angeklagte zu Prozessauftakt im Missbrauchsprozess - nun wehrte er sich vor dem Arbeitsgericht gegen seine fristlose Kündigung (Archivbild)

Zu Prozessbeginn am Mittwoch wurde der Erzieher in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Beide Parteien lehnten einen Vergleich ab.

Fristlose Kündigung nach Verurteilung

Dann bekam der ehemalige Kindergartenleiter vor Gericht teilweise Recht: Der 31- jährige Erzieher hatte zu Jahresbeginn einen Aufhebungsvertrag mit Lohnfortzahlung bis August ausgehandelt. Damals lief ein Strafverfahren wegen Kinderpornografie gegen ihn. In der Folge trennten er und seine Arbeitgeberin, die Evangelische Gesamtkirchengemeinde in Heilbronn, sich einvernehmlich. Als im März Vorwürfe von Kindesmissbrauch und Vergewaltigung folgten, kündigte ihm die Gesamtkirchengemeinde fristlos und weigerte sich, weiterzuzahlen.

Nach dem Urteil des Gerichts am Mittwoch wurde diese Kündigung aus formalen Gründen aber erst Mitte April wirksam. Bis dahin also bleibt der Anspruch des Mannes auf Lohnfortzahlung erhalten. Auf den Rest des Geldes bis August muss er verzichten. Der Mann hatte zuvor angekündigt, das Geld seinem Missbrauchsopfer als Entschädigung zu zahlen. 

Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs

Der ehemalige Kindergartenleiter wurde Ende September vom Landgericht Heilbronn zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Er hatte gestanden, über Jahre hinweg einen Jungen missbraucht zu haben. Der Mann bekam ausdrücklich kein Berufsverbot, da es keine Anhaltspunkte dafür gab, dass er Kinder aus seinem Kindergarten belästigt hat, hieß es damals vor Gericht.

Der Missbrauchsprozess erfuhr große Aufmerksamkeit. Bundesweit wurde in den Medien berichtet. Vor allem Eltern von Kindergartenkindern waren lange Zeit misstrauisch gegenüber der Evangelischen Kirchengemeinde und den Ermittlern.

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