Rot am See: Am Tag nach den tödlichen Schüssen in Rot am See auf 6 Menschen liegen Blumen und Kerzen vor dem Tatort.  (Foto: dpa Bildfunk, Tom Weller)

26-Jähriger erschießt sechs Verwandte

Nach Schüssen in Rot am See: Verdächtiger in Untersuchungshaft

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Einen Tag nach den tödlichen Schüssen in Rot am See hat der zuständige Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen einen 26-Jährigen erhoben. Es geht um sechsfachen Mord und zweifachen versuchten Mord.

Dem 26-jährigen Mann wird vorgeworfen, am Freitag in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) seine Eltern, seine Stiefgeschwister sowie seinen Onkel und seine Tante erschossen zu haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Samstag mitteilten. Ein 68-jähriger Mann sei durch Schüsse lebensgefährlich verletzt worden. An seinem kritischen Zustand habe sich nichts verändert, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Eine 64-jährige Frau, möglicherweise die Frau des Schwerverletzten, wird wegen leichterer Schussverletzungen im Krankenhaus versorgt. Zudem seien zwei Jugendliche am Freitag von dem mutmaßlichen Schützen bedroht worden. Sie konnten aber zu Nachbarn flüchten. Das Motiv für die Tat ist laut Polizei weiterhin unklar.

Sohn und Vater haben zusammen gelebt

Zusammen mit dem Vater hatte der mutmaßliche Täter in dem Haus gewohnt, das am Freitagnachmittag zum Tatort wurde. Die Familie war zu einem Treffen zusammengekommen, warum, dass weiß die Polizei ebenfalls noch nicht. Nachdem der 26-Jährige auf die Menschen geschossen hatte, habe er selbst bei der Polizei angerufen und sich gestellt, er ließ sich widerstandslos festnehmen. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist er Sportschütze und hatte eine Waffenbesitzkarte.

Schüsse sollen vor und im Haus gefallen sein

Bis zum Freitagabend waren die Ermittler am Tatort: einem Sandsteinhaus wenige Meter vom Bahnhof entfernt. Menschen haben dort zum Gedenken Kerzen angezündet.

"Sowas kennt man eigentlich nicht. Man denkt, man wohnt auf dem Land, sowas passiert in Großstädten wie München, Stuttgart oder Berlin. Aber hier in Rot am See, das ist natürlich eine andere Sache."

Unscheinbar seien der mutmaßliche Täter und sein Vater gewesen, sie seien nicht weiter aufgefallen, das erzählt der Bürgermeister von Rot am See, Siegfried Gröner (parteilos):

"Ich kenne die Familie nicht näher, persönlich. Ich kenne sie natürlich als Bürger unserer Gemeinde. Es gibt nichts Negatives, was man da sagen könnte. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Ich weiß überhaupt nicht, was dahintersteckt."

Innenminister Strobl spricht Mitgefühl aus

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Bei möglichen Forderungen nach einem schärferen Waffenrecht rief er allerdings zur Besonnenheit auf. Es sei vom Bundesgesetzgeber erst vor kurzem geändert und verschärft worden. Man müsse sich ganz genau anschauen, ob und wie man möglicherweise noch nacharbeiten muss.

Initiative fordert Verbot tödlicher Sportwaffen

Roman Grafe, Sprecher der nach dem Amoklauf von Winnenden gegründetem Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen!", sieht das anders. Er kritisierte am Freitag das "lasche deutsche Waffengesetz", das auch die Tat in Rot am See begünstigt habe. Als Sportschütze komme jedermann "problemlos an tödliche Schusswaffen". Die Initiative fordert "ein Verbot tödlicher Sportwaffen, egal welchen Kalibers".

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