Landgericht Heilbronn Haupteingang (Foto: SWR)

Neuverhandlung wegen möglicher Verfahrensfehler Raubüberfall: Angeklagter schweigt vor Heilbronner Gericht

Das Heilbronner Landgericht muss einen Prozess um einen brutalen Raubüberfall neu verhandeln. Es geht um einen mutmaßlichen Einbrecher, der zusammen mit Komplizen Hausbewohner brutal ausgeraubt haben soll.

Der 30 Jahre alte Angeklagte sitzt reglos auf dem Stuhl im Saal des Heilbronner Landgerichts und schweigt – so wie er es schon im ersten Verfahren im vergangenen Jahr getan hatte. An seiner Seite ist aber eine neue Verteidigerin: Olga Sommer aus Trier hat bundesweit mit ähnlichen Fällen zu tun und hatte nach dem Urteilsspruch Revision eingelegt.

Dauer

Eventuell milderes Urteil für Geständnis

Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Angeklagten und seiner ersten Anwältin sei gestört gewesen, sagt Sommer, einiges sei schief und chaotisch gelaufen.

Eine Haftstrafe von 13 Jahren sollte der Angeklagte laut Urteil vom August vergangenen Jahres verbüßen. Diese stehen vorerst nicht mehr im Raum, so der Richter. Er stellt dem Angeklagten ein milderes Urteil in Aussicht, lege er ein Geständnis ab. Der Angeklagte aber bleibt am Morgen des ersten Prozesstags bei seinem Schweigen: Weder macht er Angaben zu seinem Lebenslauf, noch zu den Vorwürfen.

Revisionsprozess wegen Verfahrensfehler: Der Angeklagte soll ein Rentnerpaar in Heilbronn-Neckargartach brutal überfallen und ausgeraubt haben (Foto: SWR)
Revisionsprozess wegen Verfahrensfehler: Der Angeklagte soll ein Rentnerehepaar in Heilbronn-Neckargartach brutal überfallen und ausgeraubt haben

Hätten DNA-Spuren anders dargestellt werden müssen?

Der Bundesgerichtshof (BGH) gab einer Revision des Mannes statt. Demnach hatte es mögliche Verfahrensfehler gegeben. Damals hatte sich das Heilbronner Landgericht auf DNA-Spuren des Angeklagten gestützt. Diese wurden zusammen mit Spuren anderer Personen am Tatort gefunden. Die Ergebnisse flossen in die Urteilsbegründung mit ein. Inzwischen aber änderte sich die Rechtsprechung: Das Gericht hätte die DNA-Spuren im Urteil anders darstellen müssen. Nach SWR-Informationen wurde das Gericht allerdings erst nach dem Prozess über diese Änderung informiert.

Dauer

Einbruch in Neckargartach

Deshalb verhandelt seit Dienstag eine andere Kammer des Heilbronner Landgerichts den Fall erneut. Ein Urteil wird im Februar erwartet. Der Angeklagte sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Zusammen mit zwei Komplizen soll er in ein Haus in Heilbronn-Neckargartach eingebrochen sein. Laut Urteil fesselte und misshandelte er die vier Bewohner solange, bis er Zugang zum Tresor bekam. Die Beute: Schmuck und Bargeld im Wert von 37.000 Euro.

Rentnerehepaar schwer traumatisiert

Bei den Bewohnern handelt es sich um ein Rentnerehepaar, eine 90-jährige Mitbewohnerin sowie deren Pflegerin. Sie waren im Schlaf überrascht worden und wurden durch den brutalen Überfall schwer traumatisiert. Die vier Menschen sind in psychologischer Behandlung. Die ältere Frau konnte nach der Tat nicht mehr im Haus bleiben und zog in ein Pflegeheim.

STAND