eine verglaste front eines großen gebäudes, davor ein schild mit der aufschrift unilever und knorr (Foto: SWR)

Nach möglicher drohender Schließung von Unilever-Standort Betriebsrat will um Heilbronner Knorr-Werk kämpfen

Der Betriebsrat von Knorr will in den kommenden Tagen über Maßnahmen im Kampf gegen die mögliche Schließung des Werks in Heilbronn beraten. Am Montag waren die Mitarbeiter über eine potenzielle Aufgabe des Standorts informiert worden.

Für Heilbronn hat der Knorr-Standort Tradition. Auch deshalb hat der Heilbronner Oberbürgermeister den Mitarbeitern des Knorr-Werks seine Unterstützung angeboten. Harry Mergel sagte dem SWR Studio Heilbronn: "Knorr gehört zu Heilbronn wie die Kilianskirche oder das Rathaus, gefühlt zumindest. Und natürlich trifft uns diese Nachricht auch emotional."

OB will Sicht der Stadt vortragen

Er sei in engem Kontakt mit dem Betriebsrat, aber auch mit der Unternehmensleitung, so Mergel. Er gehe davon aus, dass in dieser Woche noch eine Betriebsversammlung stattfinde. "Da würde ich, wenn es gewünscht ist, auch die Sicht der Stadt Heilbronn vortragen", sagte der OB.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Ist Heilbronner Knorr-Werk zu retten?

Die Knorr-Mitarbeiter in Heilbronn mussten in der Vergangenheit viel hinnehmen: Immer wieder wurde der Standort verkleinert. Am Montag dann die Hiobsbotschaft in der Belegschaftsversammlung: Dem Werk droht laut Betriebsrat die Schließung. Der Unileverkonzern informierte die Mitarbeiter über eine mögliche Aufgabe des Traditionsstandortes. Fast 600 Menschen wären davon betroffen.

Heilbronn sei der Traditions- und Gründungsstandort von Knorr, so der Betriebsrat. Kampflos wolle man das Werk in Heilbronn nicht aufgeben, sagte der Heilbronner Betriebsratsvorsitzende Thilo Fischer.

"Es war unglaublich. Ich habe so etwas selten erlebt, dass eine Belegschaft wirklich emotional ergriffen ist, spontan aufsteht und minutenlang skandiert: 'Wir sind Knorr!' Es ist mit jeder Faser zu spüren, dass die Menschen hier nicht nur einen Job haben, sondern mit Leib und Seele Knorrianer sind."

Hermann Soggeberg, Unilever Konzernbetriebsrat
Am Tor 4 von Unilever in Heilbronn Gebäude, Laderampen und Lkws (Foto: SWR)
Knorr-Werk in Heilbronn. Ob es bestehen bleibt, ist unklar.

Entscheidung fällt kommenden Jahres

Ob das Werk noch zu retten ist, ist unklar. Eine endgültige Entscheidung über den Standort soll Anfang kommenden Jahres fallen, so ein Unternehmenssprecher. Mit "radikalen Veränderungen" könne noch etwas bewegt werden. Was genau das bedeutet, blieb offen.

Bereits im Vorfeld der Versammlung war durchgesickert: Die Stimmung in dem Werk ist angespannt, die Mitarbeiter sowie der Betriebsrat machen sich Sorgen um die Zukunft. In diesem Jahr wurde bereits das Forschungs- und Entwicklungszentrum vom Traditionsstandort Heilbronn in die Niederlande verlegt. Betroffen waren davon etwa 220 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurde außerdem angekündigt, die Großverbrauchersparte mit rund 80 Mitarbeitern nach Hamburg zu verlagern. Zudem sollten weitere 80 Stellen in der Suppenproduktion in Heilbronn gestrichen werden.

Unilever: Standort Heilbronn ist wichtig

Von Unternehmensseite war in der Vergangenheit immer wieder betont worden, wie wichtig der Heilbronner Standort sei. Nun heißt es für die Belegschaft: abwarten.

Knorr wurde vor über 180 Jahren in Heilbronn gegründet. Im Jahr 2000 fusionierte der Konzern mit Unilever.

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