Streikaktionen für mehr Gleichberechtigung Frauen organisieren in Künzelsau eigenen Maria 2.0 Gottesdienst

In Künzelsau gingen viele Gläubige am Sonntag zum alternativen Gottesdienst auf den Platz vor der St. Paulus Kirche. Sie unterstützen damit die Forderungen von Maria 2.0. In Heilbronn gab es dagegen beispielsweise keine Veranstaltung.

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Theresa Stierand ist am Sonntag nicht brav in die Kirche gegangen. Stattdessen hat sie vor der St. Paulus-Kirche in Künzelsau einen eigenen Gottesdienst organisiert. Als Statement, um zu zeigen, dass Frauen bei Weihämtern auch außen vor sind. Sie darf zum Beispiel der Eucharistiefeier nicht vorstehen, obwohl es das wichtigste Ritual für Katholiken überhaupt ist. Rund 60 Frauen, Männer und Kinder kamen, sagt Stierand. Die Forderungen trafen bei vielen auf einen Nerv. Ein Gast schreibt in der Andacht auf einen Zettel:

„Als Mann wünsche ich mir eine Kirche, die sich am Evangelium orientiert und nicht am Chromosomensatz.“

In der Heilbronner Kirche St. Peter und Paul gehen am Sonntag dagegen alle Gläubigen in die Kirche. Pfarrer Roland Rossnagel weiß hier von keinen revolutionären Aktionen und ist froh drum.

"Die Anliegen kann ich sehr gut verstehen und unterstütze sie auch. Ich finde es allerdings unverständlich, dass man deswegen auf die Eucharistie verzichtet oder sie zum Kampfplatz für neue Ideen macht."

Die Eucharistie auszulassen, damit hadert auch die Künzelsauerin Theresa Stierand. Doch ihre Überzeugungen sind ihr wichtiger. "Wir Katholiken haben unsere Pflichten. Aber auf der anderen Seite müssen wir nicht alles kritiklos hinnehmen." Auch ihre Besucher haben es in Kauf genommen. Ohnehin finden mittlerweile sehr viele Gottesdienste ohne Eucharistie statt. Schlicht, weil kein Pfarrer da ist. Diese Lücken würden die protestierenden Frauen nur zu gerne schließen.

Pfarrer Rossnagel glaubt nicht an den revolutionären Weg. Für ihn müssen diese Forderungen in den Kirchengemeinderäten und den Gremien bis zur Bundesebene gestellt werden und glaubt, dass der Papst reagieren werde.

Weitere Aktionen nächsten Sonntag geplant

Auch in Schwäbisch Hall, Öhringen und Niedernhall wird Maria 2.0 unterstützt. Die Schwäbisch Haller Gemeindeassistentin Laura Sünder will nicht streiken, aber plant eine besondere Predigt für nächste Woche. "Wir wollen die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass wir zwar predigen dürfen, aber nicht den Gottesdienst ausführen." Frauen und Männer wollen sich am 19. Mai um 10:15 Uhr vor St. Joseph in Öhringen, in Niedernhall um 10:30 Uhr vor St. Maria treffen.

Bundesweit streiken Frauen bis Sonntag für eine radikale Änderung der katholischen Kirche. Sie fordern, dass Frauen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern bekommen, der Zölibat aufgehoben wird, die Sexualmoral an die Lebenswirklichkeit der Menschen angepasst wird und Missbrauchstäter selbstverständlich an weltliche Gerichte überstellt werden müssen.

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