zwei männer an einem tisch, einer hält sich ein tablet vors gesicht, im hintergrund eine frau in einer robe (Foto: SWR)

Prozess am Amtsgericht Heilbronn Hexenkessel-Unglück: Angeklagten nicht identifiziert

Vor dem Heilbronner Amtsgericht hat am Montag der sogenannte Hexenkessel-Prozess begonnen. Am ersten Verhandlungstag ließen sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht belegen.

Angeklagt ist ein Mann, der als Hexe verkleidet bei einem Fastnachtsumzug im Februar in Eppingen eine junge Frau in einen Kessel mit kochendem Wasser gestellt und sie dabei schwer verbrüht haben soll. Der Verteidiger bestreitet, dass sein Mandant auch nur in der Nähe war.

Opfer kann "Hexe" nicht identifizieren

Eine "Hexe" habe sie an der Hüfte gepackt, eine zweite an den Knien, sagte das 18 Jahre alte Opfer vor Gericht aus. Noch eine weitere habe den Deckel vom Kessel hochgehoben. Den Angeklagten aus Kraichtal (Kreis Karlsruhe) konnte sie am Montag nicht als "die Hexe" erkennen, die sie über den Kessel hielt.

Nach Hexenkessel-Unglück lange im Krankenhaus

Die 18-Jährige erlitt schwere Verbrühungen und wurde stundenlang in einer Spezialklinik operiert. Die junge Frau musste mehrere Wochen ins Krankenhaus. Sie bekam Haut transplantiert. Da Gefäße verletzt wurden, konnte sie eine Weile nicht richtig laufen und sitzen. Die Beine seien vernarbt. Beschwerden habe sie nach eigenen Angaben bis heute.

Der Kessel, der nach dem Unglück im Februar von der Polizei als Beweisstück eingezogen wurde (Foto: SWR)
Der Kessel wurde nach dem Unglück im Februar von der Polizei als Beweisstück eingezogen (Archivbild)

Neben dem Angeklagten aus Kraichtal zogen 18 weitere Hexen mit dem Kessel durch Eppingen. Alle trugen Plastikmasken. Der Angeklagte brachte seine Maske zu Anschauungszwecken mit in den Gerichtssaal.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht

Es sitze der Falsche auf der Anklagebank, sagte der Rechtsanwalt des 33-Jährigen am Montag vor dem Amtsgericht Heilbronn. Sein Mandant sei "von den Socken" gewesen, als er gehört habe, dass er derjenige gewesen sein soll, der bei dem Umzug am 3. Februar eine 18 Jahre alte Zuschauerin über einen Kessel mit brühend heißem Wasser gehalten haben soll.

Er steht wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht. An der Pelzjacke wollen die Ermittler den Angeklagten identifiziert haben, doch zum Prozessauftakt wurde der Vorwurf nicht erhärtet.

Hexen trugen ähnliche Kleidung

Die Staatsanwaltschaft habe liederlich ermittelt, so die Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage nach eigenen Angaben auf Zeugen, die die Kleidung des Angeklagten auf Bildern wiedererkannt haben wollen. Doch die bestätigten am Montag lediglich, dass viele Hexen ähnlich gekleidet waren und maskiert gewesen seien. Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Kommender Nachtumzug wurde abgesagt

Die Ermittlungen waren schwierig, sagt die Heilbronner Staatsanwaltschaft. Rund um das Geschehen war Fastnachtstrubel. Es sei dunkel und die Gruppe zudem maskiert und verkleidet gewesen.

Der kommende Nachtumzug in Eppingen wurde abgesagt. Stadtverwaltung und Vereine wollen das Urteil des Prozesses abwarten, um dann über die weitere Zukunft des Umzugs zu entscheiden. Der Eppinger Nachtumzug galt immer als sehr beliebt, bis zu 80 Gruppen und tausende Zuschauer nahmen jährlich daran teil.

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