Vor dem Amtsgericht in Langenburg wird der Prozess um den Mühlenbrand in Kirchberg-Lobenhausen verhandelt (Foto: SWR)

Prozess nach Jagstkatastrophe Mühlenbrand: Verteidiger sieht erhebliche Zweifel an Schuld

Vor dem Amtsgericht Langenburg (Kreis Schwäbisch Hall) hat am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Verursacher eines Feuers begonnen. Es hatte 2015 eine Umweltkatastrophe in der Jagst zur Folge.

Angeklagt ist ein damals 20 Jahre alter Mann wegen fahrlässiger Brandstiftung. Wie das Gericht entscheiden wird, ist nach dem ersten Prozesstag völlig offen. Ein Gutachter wird sein Ergebnis am nächsten Verhandlungstag vorstellen. Dann soll auch das Urteil fallen.

Dauer

Der Verteidiger des Angeklagten Marco Mansdörfer hat erhebliche Zweifel an den Vorwürfen geäußert. Sein Mandant habe sich selbst bei den Ermittlern gemeldet, weil er für sich Gewissheit haben wollte und auf objektive Ermittlungen vertraut habe, so der Anwalt.

"Nach seiner Meldung hat man aber nur noch in seine Richtung ermittelt und die übrigen Spuren nicht mehr weiterverfolgt, sodass für uns weiterhin höchste Ungewissheit besteht."

Marco Mansdörfer, Rechtsanwalt

Angeklagter kam nicht zu Prozessauftakt

Der Angeklagte erschien nicht persönlich vor Gericht - sein gutes Recht: Es geht um einen Strafbefehl, gegen den der Mann Einspruch eingelegt hatte. Somit besteht in diesem Fall keine Anwesenheitspflicht.

Dauer

Das Gericht muss mit Hilfe der Ermittlungsakten, eines Gutachters und der Vernehmung von 18 Zeugen herausfinden, ob der Mann tatsächlich den Großbrand verursachte. Er soll in unmittelbarer Nähe des Mühlengebäudes in Kirchberg-Lobenhausen (Kreis Schwäbisch Hall) Papier und Kartonagen verbrannt haben.

Feuerstelle auf dem Gelände der Mühle

Der Verteidiger verlas eine Erklärung, wonach es normal gewesen sein soll, auf dem Gelände der Lobenhäuser Mühle Feuer zu machen. Dort habe es eine Feuerstelle gegeben, in der auch der Mühlenbesitzer schon Papierabfall verbrannt habe. Laut Staatsanwaltschaft zündete der Angeklagte an Tag des Unglücks Abfälle an und löste durch die Funken das Feuer aus, das zu der Katastrophe führte.

Die Verhandlung musste in der Vergangenheit wegen Krankheitsfällen mehrmals verschoben werden.

20 Tonnen tote Fische nach Mühlenbrand

Durch die Löscharbeiten der Feuerwehr wurde den Angaben nach unsachgemäß gelagerter Kunstdünger in die Jagst geschwemmt, insgesamt 20 Tonnen Fische verendeten. Der Schaden wird auf knapp drei Millionen Euro beziffert.

Bei der Jagstkatastrophe sind viele Fische verendet (Foto: SWR)
Bei der Jagstkatastrophe sind viele Fische verendet (Archiv)

"Aktionsprogramm Jagst" nach Fischsterben

Nach dem Brand wurde vom Land Baden-Württemberg das "Aktionsprogramm Jagst" ins Leben gerufen, um die "geschädigten Flussabschnitte wiederzubeleben und ökologisch zu verbessern", heißt es. Von den Maßnahmen seien bereits über die Hälfte umgesetzt worden. Bisherige Kosten: laut Umweltministerium rund 3,5 Millionen Euro. Alles in allem werde das Aktionsprogramm langfristig rund 14 Millionen Euro kosten.

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