Das Logo von Audi vor dem Audi-Forum in Neckarsulm (Foto: picture-alliance / dpa, Uli Deck)

Nach Manipulationsvorwürfen in Neckarsulm Audi-Chef spricht von gravierenden Fehlern

Dem Audi-Konzern wird bei seinen Modellen A6 und A7 Software-Manipulation vorgeworfen. Auf der Hauptversammlung in Ingolstadt wurde von schweren Fehlern gesprochen.

Nach den Abgas-Manipulationvorwürfen bei den Modellen A6 und A7 am Dienstag, die auch in Neckarsulm gebaut werden, wurde die Rede von Audi-Vorstandschef Rupert Stadler auf der Hauptversammlung in Ingolstadt mit Spannung erwartet.

Stadler räumte am Mittwoch im jüngsten Fall mutmaßlicher Abgas-Tricksereien schwere Fehler ein: Der Arbeitsfehler in einer Fachabteilung sei gravierend, so Stadler auf der Hauptversammlung des Autobauers.

Versäumnisse eingeräumt

Dauer

Es sei aber keine neue Manipulationssoftware, so Stadler weiter. Versäumt worden sei, einen Software-Baustein für die Motorsteuerung bei jetzt auslaufenden A6- und A7-Modellen zu entfernen.

Außerdem wurde eine Übergangslösung in Form eines Software-Updates vorgestellt. Das wolle Audi demnächst dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) zur Freigabe vorstellen, heißt es.

Kraftfahrtbundesamt prüft

Das Kraftfahrtbundesamt prüft derzeit, ob die Abgassoftware manipuliert wurde. Das bestätigte ein Sprecher des KBA auf Anfrage des SWR. Es könnte sich womöglich um eine Betrugssoftware handeln. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, sei das Szenario eines amtlichen Rückrufs denkbar.

Nach eigenen Angaben hat Audi die A6- und A7-Auslieferung gestoppt und das Kraftfahrtbundesamt über Auffälligkeiten an der Steuerungssoftware von V6-Dieselmotoren informiert, die in den Fahrzeugen der im Auslauf befindlichen Generation C7 zum Einsatz kommen.

Im Zuge der internen Aufklärung

Auch Audi-Vorstandschef Rupert Stadler nahm in einer Mitteilung Stellung:

Rupert Stadler, der Vorstandsvorsitzender des Fahrzeugherstellers Audi AG (Archivbild) (Foto: picture-alliance / dpa, Armin Weigel)
Rupert Stadler, der Vorstandsvorsitzender des Fahrzeugherstellers Audi AG (Archivbild) Armin Weigel

"Wir informieren das Kraftfahrtbundesamt regelmäßig über die Ergebnisse unseres systematischen Motoren-Prüfprogramms. Auffälligkeiten melden wir an die Zulassungsbehörde, da unser höchstes Interesse einer rückhaltlosen Aufklärung gilt. Das haben wir auch in diesem Fall unverzüglich getan."

Rupert Stadler, Audi-CEO

Für die VW-Tochter Audi könnte der Betrugsskandal um manipulierte Abgaswerte damit noch größere Dimensionen annehmen. Joachim Bech von der SWR-Redaktion Wirtschaft spricht von einem schweren Imageschaden: "Es entsteht der Eindruck, dass Audi in fast drei Jahren immer noch nichts gelernt hat aus dem Abgasskandal."

Dauer

60.000 Modelle betroffen

Von dem Manipulations-Verdacht sind mehr als 60.000 Modelle, auch aus Neckarsulm, betroffen, allein die Hälfte in Deutschland. Noch läuft die Produktion in Neckarsulm. Man könne eine Fertigung nicht kurzfristig stoppen, da viele Teile von den Zulieferern noch im Zulauf seien, so ein Sprecher von Audi.

Der A6 von Audi unterwegs auf einer Straße (Foto: picture-alliance / dpa, Audi Of America)
Der A6 von Audi Audi Of America

Nachrüstung im Januar

Schon im Januar musste Audi auf Anordnung des KBA 130.000 Fahrzeuge zurückrufen und nachrüsten. Auch da ging es um einen V6-Dieselmotor. Zuvor waren bei acht Audi-Modellen unzulässige Abgas-Abschalteinrichtungen entdeckt worden.

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