Blumen auf der BUGA-Sommerinsel in Heilbronn (Foto: SWR)

Kolumne zur BUGA in Heilbronn "Die Magie der Haarschöpfchen"

Abseits von brandaktuellen News über die Bundesgartenschau (BUGA) in Heilbronn hat SWR-Kolumnistin Ina Beck ihren ganz eigenen Blick auf Blumen und Menschen – diesmal geht es um die "Magie der Haarschöpfchen".

SWR- Kameramann Kim Hartmann und Lydia Frotscher, die Projektleiterin Freiland bei der Bundesgartenschau in Heilbronn, wollen noch Nahaufnahmen von Wandelröschen, Sonnenhut & Co machen.

Dauer

Hypnose

Mich zieht es derweil mit einer unerklärlichen Kraft zu diesen australischen Haarschöpfchen und ich setze mich neben sie in den dicken Grasteppich. Ihre zarten rosa Federbüschchen wiegen sich leicht im lauen Sommerwind, nicken mir fast zu, als wollten sie sagen: "Ja, wir kennen uns!"

Tatsächlich, ich habe sie in ihrer angestammten Heimat -- in Australien – schon gesehen, es nur vergessen. Das war 2002.

Besondere Pflanzen auf der Sommerinsel auf der BUGA in Heilbronn (Foto: SWR)
Besondere Pflanzen auf der Sommerinsel auf der BUGA in Heilbronn

Das Wiegen, Wippen und Nicken der Blumen lullt mich irgendwie ein, hypnotisiert mich regelrecht. Statt des Sommerdufts steigt mir plötzlich Dieselgeruch in die Nase und ich sehe mich mit einem Mal in einem Kleinbus sitzen.

Auf dem Weg zum Uluru

Der Tag beginnt zu dämmern und ich erahne die Umgebung. Kaum ein Baum oder Strauch. Topfeben. Nothern Territory in Australien. Wüste.

Ich sitze am Fenster und sehe zur Linken grauschwarze Wolken, allerdings nicht am Himmel, sondern sie steigen von der Erde in den Himmel auf. Sie wabern regelrecht hin und her. Ein Naturphänomen?

Blumige Aussichten auf der BUGA (Foto: SWR)
Blumige Aussichten auf der BUGA

"Nein", beruhigt der Busfahrer, "Rauchwolken, mal wieder ein großer Buschbrand, aber nicht unsere Richtung." Der Brandgeruch begleitet uns fast eine halbe Stunde.

Es wird immer heller, der Erdboden verliert seinen nächtlichen Grauton und verwandelt sich in ein sattes Rot. Am Horizont taucht ein rostroter Hügel auf. Wird von Minute zu Minute größer. Wird zu einem über 330 Meter großen Monolithen mitten in der Wüste. Der Ayers Rock, für die Aborigines der Uluru.

Tierischer Besuch auf der BUGA-Sommerinsel (Foto: SWR)
Tierischer Besuch auf der BUGA-Sommerinsel

Von einer Aussichtsplattform aus kann ich den Sonnenaufgang über diesem heiligen Berg bewundern. Die Sonne lässt seine Risse, Spalten, Verwerfungen und Löcher, die Augen gleichen, noch geheimnisvoller erscheinen. 

Beim Umrunden des Uluru wage ich es nicht, ihn zu berühren. Das wäre Frevel. Ich weiß so gut wie nichts über die "Dreamtime" der australischen Ureinwohner, die Magie fährt mir aber direkt in den Magen. Das Wort "Allein" bekommt eine völlig neue Bedeutung: Auf den Traumpfaden ist man "All-Eins".  Und das seit mindestens 65.000 Jahren.

Lydia Frotscher und Ina Beck auf der BUGA (Foto: SWR)
Weitblick: Lydia Frotscher und Ina Beck auf der Sommerinsel der BUGA

Jemand berührt mich sacht an der Schulter: "Frau Beck, sind Sie noch da?", will Lydia Frotscher wissen. Benommen von der Kraft der inneren Bilder blicke ich sie an: "Oh, ich war in der Heimat Ihrer Traum- äh-Haarschöpfchen." Die nicken mir wissend zu. 

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