Kolumne zur BUGA in Heilbronn Der geheime Garten

Abseits von brandaktuellen News über die Bundesgartenschau (BUGA) in Heilbronn hat SWR-Kolumnistin Ina Beck ihren ganz eigenen Blick auf Blumen und Menschen – diesmal geht es um den "Geheimen Garten".

Dauer

"Warum dürft ihr dort sitzen?" Die Frage des kleinen Knirpses, der das Schild "Bitte nicht betreten" an der Terrasse des Gartens der Enzgärtner gelesen hat, ist berechtigt.

Das dunkelblonde spindeldürre Mädchen, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, legt sich halb aufs Podest und wartet neugierig auf eine Antwort. Chefgärtner Rüdiger Eckhardt und ich sehen es dem Kind an der Nasenspitze an, dass es nur zu gerne zu uns hochgeklettert wäre.

Rüdiger Eckhardt geht zu ihm, hockt sich in Augenhöhe hin und erklärt geduldig, dass wir hier einen kleinen Film für das SWR Studio Heilbronn drehen wollen und unser Kameramann Harry Dehling unten im Senkgarten im Schatten des Maulbeerbaums steht, um eben diese Perspektive zu bekommen. "Und dazu haben wir eine Ausnahmegenehmigung, dürfen uns hier oben aufhalten", fügt der Chefgärtner hinzu.

"Cool", ist der Kommentar des Mädchens und schießt schnell hinterher: "Darf ich zugucken? Ich heiße übrigens Mary, meine Eltern sind da unten".

garten auf der BUGA mit pavillion (Foto: SWR)
Einer der sechs BUGA-Themengärten des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg

Marys Eltern haben es sich unten auf den Sitzmauern aus Naturstein bequem gemacht, anscheinend eine willkommene Verschnaufpause. Während Mary mit dem Chefgärtner plaudert, als wären sie seit Jahren Bekannte, klingt der Name des Mädchens in mir nach. Mary…? Mary und Garten…. Ina, du hast doch mal ein Buch gelesen, da spielte das Mädchen eine Rolle…?

Und dann habe ich es: 

"Der geheime Garten", in Deutschland vor mehr als 100 Jahren erschienen, geschrieben von der englischen Autorin Frances Hodgson Burnett. Ein Kinderbuch, das mich immer noch fasziniert.

"Der geheime Garten"

Mary, ein zehnjähriges Waisenkind, allerdings auch eine verzogene Göre, entdeckt im Schlossgarten ihres Onkels einen geheimen Garten, den jahrelang niemand mehr betreten hat. Sie findet nicht nur den Schlüssel zum Garten, sondern lernt auch noch ihren gleichaltrigen Cousin Colin kennen, der an einer rätselhaften Krankheit leidet.

Gemeinsam mit einem weiteren Kind erobern sie den verwunschenen Garten. Dieser verfügt über derart außergewöhnliche Kräfte, dass Mary und Colin wieder anfangen zu lachen - so unbekümmert, wie es nur Kinder können. Der Garten lässt Colin sogar wieder gesund werden. Zauberhaft, dieses Buch - anrührend und voller Magie.

Lachend kommt Rüdiger Eckhardt zur Sitzgruppe zurück.

"Na, wenn die Kleine mal keine Gärtnerin wird, fresse ich einen Besen."

Ich habe ihn angeschaut, als ob er vom Mond kommt und dummerweise auch noch gefragt, wieso. Ich habe kein Wort von dem mitbekommen, worüber die beiden geredet haben. Da hat der Chefgärtner erst recht zu lachen angefangen: "Aha. Die Linde hat mal wieder am helllichten Tag geträumt. Darf man wissen, wovon?"

"Von magischen und geheimen Gärten."

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