Inas Kolumne (Foto: SWR)

Kolumne zur BUGA in Heibronn "Staudenparadies Neckaruferpark"

SWR-Kolumnistin Ina Beck sucht regelmäßig nach neuen Geschichten auf der Bundesgartenschau (BUGA) Heilbronn. Abseits von brandaktuellen News über die Gartenschau hat sie ihren ganz eigenen Blick auf Blumen und Menschen - diesmal geht es um das "Staudenparadies Neckaruferpark".

Die Terrassen, Wiesen und großen Sitzbänke des neu geschaffenen Neckaruferparks am Rande der Bundesgartenschau sind mitten unter der Woche an einem wunderschönen Sommertag mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 25 Grad nahezu menschenleer. Chefgärtner Rüdiger Eckhardt und ich haben völlig freie Platzwahl. "Wird der Neckaruferpark denn nicht von den Besuchern der BUGA wahrgenommen?", frage ich ihn.

Dauer

"Doch, aber er liegt ja ein wenig außerhalb des Kerngeländes und das wollen die Besucher vornehmlich erkunden. Der Park unmittelbar am Neckar ist wunderschön und sie müssten mal sehen, was abends hier los ist!"

Rüdiger Eckhardt, BUGA-Chefgärtner

Herrliche Farben so weit das Auge reicht

Die Blumenpracht des Parks ist grandios. Auf rund 6.000 Quadratmetern Fläche haben die Gärtner rund 100.000 (noch einmal in Worten: EINHUNDERTTAUSEND!) Stauden gepflanzt. Es leuchtet Gelb, Rot, Grün, Orange und Blau. Was alles dabei ist, kann ich mir gar nicht so schnell merken.  Nur eines weiß ich: "Diese blaue Staude da oben ist doch mit Sicherheit Lavendel."

Staudenparadies (Foto: SWR)
Lavendel oder Salbei?

"Nee, das ist Salbei," berichtigt mich Rüdiger Eckhardt so ganz nebenbei und plaudert munter weiter.

Und ich sehe das Salbeibonbon in meiner Handtasche. 

Ich sehe, wie ich das erste Mal Salbeichips herstelle: Die frischen Blätter im heißen Öl ausbacken, abkühlen und als Chips bei der Grillparty rumreichen. Die ungläubigen Blicke meiner Freunde. Salbei?

Staudenparadies (Foto: SWR)
Staudenparadies

Ich sehe, wie ich in den Raunächten meine Wohnung ausräuchere - mit den getrockneten Blättern des weißen Salbeis. Das vertreibt schlechte Energien.

Salbei, hallt es in mir nach. Eine Heilpflanze. Und als hätte ich nur auf dieses Stichwort gewartet, fange ich am helllichten Tag wieder zu träumen an: (Die Linde eben.)

Tontafeln als Kräuter"buch"

Ich sehe Tontafeln mit merkwürdigen Strichen und Wellen, Kreisen, Dreiecken und Sternchen vor mir.  Ich kann die uralten Tafeln nicht lesen und weiß aber dennoch, dass es sich um eine Art Anleitung, ein Kräuter"buch" handelt.  Ein Diagnose-Handbuch sozusagen. Es könnte das Älteste der Welt sein. Die Tontafeln sind mindestens 4.000 Jahre alt und stammen aus Babylon. Gefunden wurden sie im Jahr 2005 im heutigen Irak.  Wer weiß, vielleicht haben ja dieselben Schriftkundigen auch die Baupläne für die "Hängenden Gärten" entworfen?

Inas Kolumne (Foto: SWR)
Grün statt Bundesstraße

Zurück in die Gegenwart

"Können Sie sich vorstellen, dass genau hier, wo wir jetzt sitzen, früher mal eine Bundesstraße war?", holt mich Chefgärtner Eckhardt abrupt in das Hier und Jetzt zurück.

Ich nicke nur, schließlich war ich auf der oft unterwegs. Sprechen kann ich noch nicht – dafür stehen die Traumbilder noch viel zu deutlich vor meinem inneren Auge.

Anscheinend hat Rüdiger Eckhardt aber einen Hauch der BUGA-Magie mitbekommen, die mich hier immer wieder erfasst. Seine Augen leuchten, als er sagt:

"Im Kakteengarten haben meine Kollegen gezaubert, hier ist ein Kunstwerk, ein Gemälde entstanden."

Rüdiger Eckhardt, BUGA-Chefgärtner
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