Das Buga-Gelände in Heilbronn. © SWRBuga Heilbronn 2019 GmbH (Foto: SWR, Buga Heilbronn 2019 GmbH)

"Kein sechsmonatiger Blumen-Gag" BUGA Heilbronn beschäftigt sich mit Zukunftsfragen

Die Bundesgartenschau in Heilbronn will nicht nur ein nettes Blumenmeer sein. Es gehe auch um die Frage, wie die Menschen in Zukunft leben wollen.

"Das hier ist kein sechsmonatiger Blumen-Gag", meint Geschäftsführer Hanspeter Faas. Die Bundesgartenschau Heilbronn (BUGA) ist seine 16. Gartenschau. "Es geht darum, ein nachhaltiges, städtebauliches Konzept zu realisieren.“

Zwölf Jahre Planung und Bau sind nun vorüber. Ganz im Sinne einer Gartenschau wurden tausend Bäume neu gepflanzt, eine Million Blumenzwiebeln gesteckt oder auch tausende Rosenstöcke eingepflanzt. Das ist das eine. Doch auf dem ehemaligen Industriegelände ist auch ein neues Stadtquartier entstanden. In den 22 Gebäuden wohnen bereits 400 Menschen, es gibt einen Kindergarten, Cafés und eine Jugendherberge. Die Bundesstraße auf dem Gelände ist gewichen, stattdessen ist jetzt direkt am Neckar eine Promenade. Das Stadtquartier Neckarbogen soll weiter wachsen und ausgebaut werden.

Bauen der Zukunft

Möglichkeiten, wie in der Zukunft gebaut werden kann, werden auf dem Gelände ebenfalls gezeigt. Ein Holz- und ein Faserpavillon sind beispielsweise aufgebaut. Verbundfaser sei ein leichter Baustoff und werde auch beim Flugzeugbau verwendet, erklärt Hanspeter Faas. Und er spinnt den Gedanken weiter. Mit Leichtbautechniken könne auf Gebäude beispielsweise mit wenig Gewicht eine Etage aufgebaut werden. Es gehe darum, über Möglichkeiten nachzudenken, wie man in die Höhe baut, statt Bodenfläche zu versiegeln.

Einzigartiger Holzpavillon auf der Bundesgartenschau in Heilbronn (Foto: SWR, Katja Schlonski)
Auf der BUGA steht ein weltweit einzigartiger Holzpavillon nach dem Vorbild einer Seeigel-Hülle Katja Schlonski

Auf dem Gelände könne zudem autonomes Fahren mit einem kleinen Lieferwagen getestet und geschaut werden, wie die Bewohner darauf reagieren. Die Bundesgartenschau wolle ein reales Versuchslabor sein. Faas hofft, dass genug Besucher kommen.

Besucherzahlen wichtig für die Finanzierung

Die Finanzierung der BUGA ist zweigeteilt. Im Falle von Heilbronn sind es für die Investitionen -  etwa die Infrastruktur - 144 Millionen Euro. Davon trägt nach Angaben der Stadt Heilbronn das Land Baden-Württemberg rund 61 Millionen Euro, die Stadt den Rest. Hinzu kommen 51 Millionen Euro für das eigentliche Event. Den Großteil davon muss die BUGA selbst erwirtschaften, unter anderem über Eintrittsgelder.

Immer wieder kämpfen Bundes-, Landes- oder internationale Gartenschauen mit zu geringen Besucherzahlen. Die Internationale Gartenschau (IGA) in Hamburg-Wilhelmsburg bekam das 2013 deutlich zu spüren. In der ursprünglichen Planung wurde mit fünf Millionen Besucher gerechnet, am Ende kamen nur knapp über eine Million Besucher. Der Senat blieb auf dem Verlust von 37 Millionen Euro sitzen und die IGA landete im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler Hamburg. Das betraf allerdings nur die Kosten für das Event. "Die Kosten in Höhe von 70 Millionen Euro für den Bau des Geländes haben wir nicht kritisiert", so Christoph Metzner vom Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. Der Stadtteil sei deutlich aufgewertet worden und gut für die Stadtentwicklung.

Blumenfreude auf der Bundesgartenschau (BUGA) in Heilbronn (Foto: SWR)
Auf der BUGA in Heilbronn soll es nicht nur um Blumen gehen, sondern auch um das Wohnen der Zukunft

Wie nachhaltig sind Gartenschauen?

Auch Reiner Nagel, Architekt, Stadtplaner und Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, sieht eine Aufwertung der Infrastruktur. Generell sind seiner Ansicht nach die Gartenschauen "ein Motor für die Stadtentwicklung". Die Investitionen in die Infrastruktur seien positiv zu bewerten. Das zeige Hamburg, aber auch Städte wie Berlin, Schwerin oder etwa Koblenz. "Die Gartenschauen sind Sonderprojekte, bei denen man auf ein genaues Ziel hinarbeitet und einen genauen Zeitrahmen hat", so Nagel. Die unterschiedlichen Projektbeteiligten müssten sich am Riemen reißen. Daher seien die Projekte hinsichtlich der Infrastruktur durchaus erfolgreich und werteten die Städte nachhaltig auf.

Stuttgart hat bis heute das "Grüne U"

Stuttgart hatte mehrere Gartenschauen, zuletzt die Internationale Gartenbauausstellung 1993. In diesem Rahmen wurde das "Grüne U" fertiggestellt. Acht Kilometer lang erstrecken sich mehrere Grünflächenanlagen vom Schlossgarten bis zum Killesberg - eine große zusammenhängende Parklandschaft zur Erholung in der Stadt.

Geschäftsführer Hanspeter Faas hofft, dass auch die BUGA in Heilbronn nachhaltig sein wird. Aus der Stadtausstellung soll in einigen Jahren ein größeres Wohnquartier entstehen, mit Wohnungen für 3.500 Menschen und mit 1.000 Arbeitsplätzen.

Doch jetzt müssen erst einmal genügend Besucher kommen, damit die Stadt nicht auf den Event-Kosten sitzen bleibt.

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