Donnerstags backen die Insassen der JVA Heilbronn - freitags werden die Produkte im Gitterlädle verkauft: Brot und andere Backwaren in einer Auslage (Foto: SWR)

Insassen der JVA stellen Produkte her Gitterlädle Heilbronn: Backwaren frisch aus dem Knast

Auch in einem Gefängnis können die Menschen nicht auf der faulen Haut liegen. Sie müssen arbeiten. Die Produkte werden beispielsweise in Heilbronn im so genannten Gitterlädle verkauft - und sind größtenteils heiß begehrt.

Hohe dicke Mauern, überall Stacheldraht, vergitterte Fenster und verschlossene Türen – die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Heilbronn. Direkt daneben steht ein eher kleines, unscheinbares Gebäude. Drinnen: der Charme eines Tante-Emma-Ladens. Hier ist jeden Freitag richtig was los. Der Grund, fragt man die Kunden, sind die leckeren Backwaren vom Marzipanzopf bis hin zum Dinkelbrot.

Dauer

Im Gitterlädle trifft man sich

Verkauft werden hier Waren aus der Bäckerei in der JVA, handgemacht und frei von Konservierungsstoffen, heißt es. Der Renner sind wohl die "süßen Stückle". Um davon noch etwas zu bekommen, muss man sich freitags rechtzeitig in die Schlange stellen. Das Ganze hat auch einen sozialen Aspekt, unter anderem treffen sich die Menschen hier und tauschen sich aus, erklärt Verkäuferin Dorothea Wöger. Und sie unterstützen mit ihrem Einkauf zudem die Insassen - freuen sich die Kunden.

Im Gitterlädle der JVA Heilbronn

Das Gitterlädle steht direkt neben dem Gebäudekomplex der JVA Heilbronn (Foto: SWR)
Das Gitterlädle steht direkt neben dem Gebäudekomplex der JVA Heilbronn Bild in Detailansicht öffnen
Vom Marzipanzopf bis zum Laugenbrot - viele Kunden des Gitterlädles kommen regelmäßig Bild in Detailansicht öffnen
Dorothea Wöger verkauft im Gitterlädle der JVA Heilbronn die Backwaren Bild in Detailansicht öffnen
Donnerstags backen die Insassen der JVA Heilbronn - freitags werden die Produkte im Gitterlädle verkauft Bild in Detailansicht öffnen
Eine eigene Taschenkollektion namens "Jailors" wird im Gitterlädle der JVA Heilbronn verkauft Bild in Detailansicht öffnen
Auch Chef Thomas Krüger packt schonmal beim Verkauf im Gitterlädle der JVA Heilbronn mit an Bild in Detailansicht öffnen

Zwölf Betriebe in der JVA Heilbronn

Das Gitterlädle hat aber noch mehr zu bieten, sagt Thomas Krüger, der Geschäftsführer Vollzuglichen Arbeitswesens in der JVA Heilbronn. Es gibt so ziemlich alles hier, was hinter Gittern handwerklich hergestellt werden kann: Schreiner-, Schlosser-, Montagearbeiten werden gemacht. Aus der Textilwerkstatt kommt eine eigene Taschenkollektion. In der landwirtschaftlichen Außenstelle, der Staatsdomäne Hohrainhof, wird sogar prämierter Wein produziert. Zwölf Betriebe gibt es. Die Insassen werden für ihre Arbeit bezahlt. Auch eine Ausbildung kann absolviert werden.

Vom Marzipanzopf bis zum Laugenbrot - viele Kunden des Gitterlädles der JVA Heilbronn kommen regelmäßig (Foto: SWR)
Vom Marzipanzopf bis zum Laugenbrot - viele Kunden des Gitterlädles kommen regelmäßig

Von Resozialisierung bis Wirtschaftlichkeit

Damit werden mehrere Ziele verfolgt, sagt Thomas Krüger. In erster Linie gehe es um die Resozialisierung. Auch die Sicherheit im Inneren der Mauern steht im Fokus: Sind die Gefangenen beschäftigt, kommen sie nicht auf dumme Gedanken. Zudem wird unternehmerisch gewirtschaftet, heißt: Am Ende soll eine schwarze Null stehen, im besten Fall sogar Gewinne erwirtschaftet werden.

Stammkundschaft kommt regelmäßig

Rund 80 Prozent der Insassen hier arbeiten, so Krüger. Sie sind sogar verpflichtet dazu. Die Kunden freut, dass das Konzept so gut aufgeht: So können sie jeden Freitag mit vollgepackten Taschen und Brot für eine Woche das Gitterlädle wieder verlassen. Viele hier sind Stammkunden. Und die kommen auch am nächsten Freitag zuverlässig wieder, bestätigen sie.

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