Lebensmittelhersteller in Bad Friedrichshall Wetterveränderung macht Hengstenberg zu schaffen

Heiße Temperaturen, wenig Regen und trockene Böden – das könnte in Zukunft zur Normalität werden. Damit sind Landwirte längst konfrontiert, aber auch Hersteller von Lebensmitteln sind betroffen.

In Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) macht sich zum Beispiel der Lebensmittelhersteller Hengstenberg längst Gedanken, wie mit den veränderten Bedingungen umgegangen werden muss. In dem Werk mit rund 200 Mitarbeitern werden Gurken und Kraut verarbeitet.

Dauer

Markus Kratzmüller ist einer der Landwirte, die mit Hengstenberg zusammenarbeiten. Seit zwei Generationen baut die Familie aus Neuenstadt-Stein (Kreis Heilbronn) Weiß- und Rotkohl in großem Stil an. Auf seinen Feldern sind keine Gurken mehr zu finden, der Arbeitsaufwand ist ihm einfach zu groß, die heißen Sommer setzen den empfindlichen Gurkenpflanzen extrem zu, sagt er.

"Die vorherigen Generationen haben immer gesagt, das Wetter gleicht sich wieder aus, nach einem trockenen Jahr kommt ein nasses. Man sieht es jetzt, zwei Jahre hintereinander mit relativ wenig Niederschlag, dass sich das Wetter eigentlich komplett umstellt."

Landwirt Markus Kratzmüller aus Neuenstadt-Stein
Geschäftsführer Philipp Hengstenberg und Landwirt Markus Kratzmüller (Foto: SWR)
Geschäftsführer Philipp Hengstenberg und Landwirt Markus Kratzmüller

Der 46-Jährige setzt jetzt voll auf den Kohlanbau, aber auch hier spielt das Thema Wasser eine immer wichtigere Rolle. Seine Felder will Kratzmüller in Zukunft bewässern, aktuell läuft das Genehmigungsverfahren.

Kraut wird regional verarbeitet

Seine Krautköpfe liefert der Landwirt im Herbst an die Firma Hengstenberg. Erstmals zahlt das Familienunternehmen den Bauern Bewässerungszuschläge, es gab sogar spezielle Beregnungsschulungen. Geschäftsführer Philipp Hengstenberg ist für die Lieferkette verantwortlich.

Dauer

"Nicht jedes Wetterereignis ist gleich dem Klimawandel geschuldet. Aber wir interpretieren insbesondere das letzte Jahr nicht als zufälliges Ereignis, das sich nie wiederholen wird, sondern eigentlich als Ausdruck einer größeren Entwicklung."

Philipp Hengstenberg, Geschäftsführer Hengstenberg

Höhere Kosten durch Mehraufwand

Hengstenberg will weiter auf den heimischen Anbau setzen, der aber aufwendiger und damit kostenintensiver wird. Verbraucher werden das am Preis für ein Glas Gurken oder Kraut ablesen können. Günstiger könnten die Produkte unter diesen Bedingungen nicht werden, sagt Philipp Hengstenberg. Geforscht wird aber auch an hitzeresistenteren Sorten. Das Unternehmen ermuntert Landwirte, Regenwasser zu sammeln. Ohne Bewässerung wird der Anbau von Freilandgemüse in Zukunft wohl nur sehr schwer möglich sein.

STAND