Blumen und Kuscheltiere vor dem Haus in Künzelsau (Foto: SWR)

Getöteter Siebenjähriger in Künzelsau Wiederaufnahme der Beweisführung im Prozess gegen "Pflegeoma"

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Jungen aus Künzelsau sind am Montag vor dem Heilbronner Landgericht die Plädoyers erneut vertagt worden. Die angeklagte Pflegeoma soll den Siebenjährigen getötet haben.

Die Verteidigung forderte ein gerontopsychiatrisches Gutachten ihrer Mandantin und damit auch eine Wiederaufnahme der Beweisführung. Der Termin für die Schlussvorträge hatte sich schon einmal verzögert, weil sich die Verteidigerin der 70-Jährigen vor zwei Wochen krankgemeldet hatte. Das Urteil war auf den 26. Februar terminiert. Jetzt verzögert sich das Ende des Prozesses erneut.

Die Verteidigung geht davon aus, dass die Angeklagte an einer krankhaften seelischen Störung leidet und daher schuldunfähig ist. Dies soll zum einen die Zeugenaussage ihres Bruders belegen, der schon seit Jahren eine depressive Erkrankung seiner Schwester beobachtet haben soll. Jedoch habe sich die Angeklagte stets vehement einer psychiatrischen Untersuchung und Behandlung widersetzt.

Zum anderen fordert die Verteidigung ein gerontopsychiatrisches Experten-Gutachten und erneute intensive körperliche Untersuchungen, besonders in Hinblick auf eine mögliche Hirn-Erkrankung der 70-Jährigen. Die bisher durchgeführten Gutachten und Untersuchungen seien unzureichend gewesen, so die Verteidigung.

Zwar habe die Angeklagte bereits eingeräumt, für den Tod des Jungen verantwortlich zu sein, dies jedoch nur unter dem Druck des Prozesses und der Öffentlichkeit, so die Verteidigung. Sie geht davon aus, dass sich die Frau gar nicht an die Tat erinnert. Der Prozess soll am kommenden Dienstag mit der Zeugenaussage des Bruders der Angeklagten fortgesetzt werden.

Verurteilung wegen Mordes möglich

Die Frau aus Künzelsau (Hohenlohekreis) steht wegen Totschlags vor Gericht. Die ehemalige Krankenschwester soll laut Staatsanwaltschaft für den Tod des ihr anvertrauten Siebenjährigen verantwortlich sein. Angeklagt war sie wegen Totschlags. Dafür liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren. Die Staatsanwaltschaft könnte aber auch auf lebenslange Haft wegen Mordes plädieren. Es gebe Hinweise auf das Mordmerkmal niedere Beweggründe, hatte Anklagevertreter Harald Lustig angedeutet. Der Anwalt der Nebenkläger geht vom Mordmerkmal der Heimtücke aus.

Der Vater des Jungen hatte ihn morgens in der Wohnung der Angeklagten mit Würgemalen am Hals tot in einer Badewanne voller Wasser entdeckt.

Seit fünf Jahren wurde der Junge immer wieder von der Frau betreut. Öfter habe er auch im Haus der Pflegeoma übernachtet, so die Ermittler. Der Junge soll gern bei ihr gewesen sein, nannte sie "Oma Elisabeth".

Verlustangst als mögliches Motiv

Staatsanwaltschaft und Nebenklage gehen davon aus, dass das Kind von der 70-jährigen Angeklagten im April 2018 in deren Künzelsauer Wohnhaus erwürgt wurde, weil sie angeblich Angst hatte, den Jungen für immer zu verlieren. Dieses von der Staatsanwaltschaft angenommene Tatmotiv hat sich nach Ansicht der Verteidigung bisher nicht erhärtet.

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