Totschlagsprozess: Getöteter Siebenjähriger in Künzelsau Aussage der Angeklagten sei "Schrott"

Die Hoffnung des Gerichts hat sich am Montag nicht erfüllt, dass ein Gespräch der 70-jährigen Angeklagten mit dem psychiatrischen Gutachter Klarheit über einen möglichen Tathergang bringen könnte. Der Vertreter der Nebenklage bezeichnete die Aussage wörtlich als "Schrott".

Dauer

Die Angeklagte hatte dem Gutachter berichtet, dass der siebenjährige Ole bei einer Übernachtung in ihren Haus nachts plötzlich Atemnot bekommen habe. Sie habe zunächst geglaubt, er habe sich verschluckt.

Angeklagte übernimmt Verantwortung für Tod des Jungen

Daraufhin habe sie den Jungen am ganzen Körper gedrückt, damit er wieder frei atmen könne. Im Bad habe sie ihn mit Wasser beträufelt - dabei sei er in die Badewanne gefallen. Der Vertreter der Nebenklage bezeichnete die Aussage wörtlich als "Schrott".

Zu einem möglichen Tathergang machte die Angeklagte keine Angaben, sagte aber, dass sie die volle Verantwortung für den Tod des Jungen übernehme.

Vieraugengespräch mit psychiatrischem Gutachter

Nachdem die 70-Jährige bisher geschwiegen hatte, griff die Heilbronner Schwurgerichtskammer vergangene Woche zu einem ungewöhnlichen Mittel, um sie zu einer Aussage zu bewegen: Die Frau konnte sich mit dem psychiatrischen Gutachter im Gerichtsgebäude zu einem Gespräch unter vier Augen treffen. So blieb der Angeklagten die Belastung durch eine Aussage vor allen Prozessbeteiligten und vor Publikum im Gerichtssaal erspart.

Mögliches Motiv: Verlustängste

Die "Pflege-Oma" soll in Künzelsau einen Siebenjährigen erwürgt haben. Der Junge war Ende April 2018 tot im Haus der Angeklagten in Künzelsau gefunden worden. Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft mögliche Verlustängste. Dies wurde am Montag vom Vertreter der Nebenklage bekräftigt.

Die 70-Jährige habe wohl befürchtet, dass der Junge mit fortschreitendem Schulalter nicht mehr zu ihr kommen würde, hieß es. Für den Prozess sind Verhandlungstage bis Ende Januar vorgesehen.

STAND