Außerordentlichen Betriebsversammlung bei Knorr - die Mitarbeiter kämpfen um das Werk (Foto: SWR)

Nach Befürchtungen um drohende Schließung des Werks Hunderte Knorr-Mitarbeiter bei Betriebsversammlung in Heilbronn

Hunderte Mitarbeiter kamen am Donnerstagnachmittag zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Knorr-Werk in Heilbronn. Sie demonstrierten gegen eine mögliche Schließung des Werks.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Die Zukunft des Knorr-Werks in Heilbronn ist ungewiss, deshalb hat der Betriebsrat am Donnerstag zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung eingeladen. Hunderte sogenannte "Knorrianer" folgten dem Aufruf und zeigten Flagge gegen ein drohendes Aus für das Traditionswerk Knorr in Heilbronn.

OB bezieht Stellung

Neben Gewerkschaftsvertretern, dem Konzern-Betriebsratsvorsitzenden und dem Werkleiter kam auch der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD), der sich im Namen von Stadt und Gemeinderat mit den Beschäftigten solidarisch erklärte.

"Ich bin hier, um die Solidarität der Stadt Heilbronn, des Gemeinderats und der Verwaltung zu überbringen. Ich denke, Knorr ist ein starkes Stück Heilbronn. Ich sage immer, Knorr gehört zu Heilbronn wie die Kilianskirche, das Rathaus oder das Käthchen – eine lange Tradition von 1884 an und natürlich wollen wir alles tun, dass wir den Standort Heilbronn halten können."

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel
Die Mitarbeiter hoffen, dass das Knorr-Werk in Heilbronn noch zu retten ist (Foto: SWR)
Die Mitarbeiter hoffen, dass das Knorr-Werk in Heilbronn noch zu retten ist

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) Burkhard Siebert kritisierte vor allem die Ausrichtung des Mutterkonzerns Unilever.

"Man macht eine Kurzfrist-Ökonomie für profitgierige Aktionäre und keine nachhaltige Unternehmenspolitik und man fährt Markenstandorte wie hier Knorr in Heilbronn auf Verschleiß und investiert nicht. Das hat Kraft/Heinz vorgemacht. Das rächt sich, wenn man ein Unternehmen nicht nachhaltig führt."

Gewerkschafter Burkhard Siebert

Bei entsprechender Ausrichtung sieht Siebert durchaus eine Zukunft für den Standort Heilbronn.

Der Betriebsratsvorsitzende des Konzerns Bernhard Soggeberg pflichtete dem Gewerkschafter bei und ergänzte in Richtung Konzernführung, dass sie nicht einfach die Verantwortung an die Beschäftigten weitergeben könne.

"Wir wollen eben deutlich sagen, die Verantwortung hier hat das Unternehmen und das Unternehmen muss entscheiden, in welche Richtung es weitergehen soll. Ob man diesem Standort hier eine echte Chance geben will oder ob es einfach nur ums Geldeinsammeln geht."

Konzern-Betriebsratsvorsitzender Bernhard Soggeberg

Die Beschäftigten befürchten, dass die Konzernmutter Unilever, zu der das Heilbronner Knorr-Werk gehört, ihren Standort schließen will. Die Mitarbeiter wurden am Montag von einem Verantwortlichen des Mutterkonzerns informiert, dass die Zukunft des Heilbronner Werks ungewiss sei, da die Kosten zu hoch seien.

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Entscheidung fällt 2020

Ob das Werk noch zu retten ist, ist unklar. Eine endgültige Entscheidung über den Standort soll Anfang des kommenden Jahres fallen, so ein Unternehmenssprecher. Mit "radikalen Veränderungen" könne noch etwas bewegt werden. Was genau das bedeutet, blieb offen.

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