Mode Weber hört auf (Foto: SWR, SWR)

Familienunternehmen in Möckmühl Nach 70 Jahren: Mode Weber schließt

Der Mode-Einzelhändler in der dritten Generation gehört zu den traditionsreichsten Unternehmen in Möckmühl. Bald ist aber Schluss. Denn heute ist die Konkurrenz vor allem im Internet groß.

Noch wird bei Mode Weber in Möckmühl (Kreis Heilbronn) gewohnt persönlich bedient. Viele Kunden werden mit Namen angesprochen. Die Kunden wissen es zu schätzen, wenn einem auch mal beim Anprobieren der Kleider geholfen wird. Viele Kunden kommen seit Jahren - nicht nur aus Möckmühl, sondern auch aus der Umgebung.

Begonnen hat alles auf der Straße

Der Großvater von Nina Burggraf ist zu Beginn in den 1950er Jahren mit seinem Quickly, also einem NSU-Moped, durch die Gegend gefahren und hat auf den Bauernhöfen Kurzwaren und Stoffe verkauft.

Bald kam ein Laden im eigenen Haus dazu, damals unter dem Namen "Stoff Weber". Später baute er ein neues Haus, in dem auch heute noch auf zwei Etagen das Geschäft ist.

Dauer

Eine schwere Entscheidung

Nach 70 Jahren ein Geschäft in der dritten Generation aufzugeben, ist eine enorm schwierige Entscheidung, sagt die Enkelin des Gründers Nina Burggraf. Sie hat neben der emotionalen Seite aber auch die Zahlen und Fakten betrachtet.

Ihre Kinder werden den Laden nicht übernehmen, dann wolle sie lieber jetzt aufhören und nochmal etwas Neues anfangen. Auch ihre Eltern, die den Laden zuvor geführt hatten, haben sie bei der Entscheidung unterstützt.

"Das war ein großes Modehaus mit zwei Etagen. Damals hatten wir Vollsortiment mit Gardinen, Tischwäsche, Bettwäsche, Baby-, Kinder-, Damen- und Herrensachen, mit Kittel, Schürze und alles was man täglich brauchen konnte."

Nina Burggraf, Inhaberin Mode Weber

Modegeschäft hat sich verändert

Die Probleme der kleineren Modehäuser belasten das Geschäft schon länger. Das Internet mit einer riesigen Auswahl und niedrigen Preisen, aber auch Discounter, die immer die passende Saisonware anbieten, sind eine Konkurrenz, so Burggraf. Aber auch der mangelnde Nachwuchs und eine schwierige Suche nach Mitarbeitern erschwere das Geschäft zunehmend. Und auch die Kunden sind traurig.

"Ich finde es traurig, dass das Städtle hier in Möckmühl ausstirbt. Es sind so alte Läden, in die man eigentlich immer wieder gerne geht und einkauft. Es ist schon schade drum. Die ganze Tradition - das alles gehört schon dazu. Ich finde die Entwicklung schon traurig."

Kundin aus Widdern (Kreis Heilbronn)

Das Geschäft zehrt an der Substanz

Oft steht Nina Burggraf bis in den Abend in ihrem Geschäft. Das geht an die Substanz, was auch die Familie immer mehr gemerkt hat und deshalb auch für einen Schlussstrich war. Zukünftig wolle sie sich neu orientieren im Tourismusbereich, so Burggraf. Aber bis Ende des Jahres gibt es noch viel zu tun.

"Sehr oft bin ich um acht halb neun heim gekommen. Und wenn man noch Familie hat, dann möchte man auch mal gemeinsam daheim sein und am Tisch sitzen und nicht nur zum Abendessen eine Pause machen und wieder gehen. Irgendwann ist dann auch mal gut."

Nina Burggraf, Inhaberin Mode Weber

Schlussverkauf zieht andere Kunden an

Zum Schluss hofft Nina Burggraf noch auf einen guten Verkauf, weshalb die Rabatte inzwischen sehr hoch sind. Das ziehe auch immer mehr Schnäppchenjäger an, manchen sei es aber auch jetzt noch nicht günstig genug. Und wohl zum letzten Mal nimmt Mode Weber am Freitag an einer langen Einkaufsnacht, der Nikolausnacht in Möckmühl teil.

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