Wappen im Landgericht Heilbronn (Foto: SWR, Anno Palumbo)

Missbrauchsprozess vor Landgericht Heilbronn Erzieher kündigt Geständnis an

Der Missbrauchsprozess gegen einen ehemaligen Kindergartenleiter soll am 18. September fortgesetzt werden. Möglicherweise will das Gericht dann die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausschließen.

Der 31-Jährige steht seit Montag vor dem Heilbronner Landgericht. Er soll einen Jungen über Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Im vollbesetzten Gerichtssaal verlas der Staatsanwalt zunächst die Anklage. Sie listet mehrere Einzeltaten von sexuellem Missbrauch auf sowie mehrere Fälle der Vergewaltigung eines Kindes. Außerdem soll er in zwei Fällen Jungen im Heilbronner Walderholungsheim Gaffenberg mit nacktem Unterleib fotografiert haben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Ausschluss der Öffentlichkeit soll kommen

Verteidigung und Nebenklage stellten einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit aus Gründen des Opferschutzes. Das Gericht lehnte das für den Auftakt ab - kündigte aber an, dass die Öffentlichkeit in den kommenden Prozesstagen ausgeschlossen werde.

Zu Prozessbeginn berichtete der Angeklagte erst einmal über seinen Lebenslauf. Eine Vernehmung zu den Tatvorwürfen ist für den nächsten Prozesstag Mitte September vorgesehen. Der Verteidiger hat ein Geständnis seines Mandanten angekündigt.

Missbrauch eingeräumt

Bereits im Vorfeld hatte der Erzieher über seinen Anwalt einen mehrjährigen sexuellen Missbrauch eines damals Sechsjährigen eingeräumt. Diesen Missbrauch stellte der Erzieher allerdings offenbar als eine Art Liebesverhältnis dar.

Der ehemalige Kindergartenleiter steht vor Gericht. Ihm wird der sexuelle Missbrauch eines Jungen vorgeworfen. (Foto: SWR)
Der ehemalige Kindergartenleiter steht vor Gericht. Ihm wird der sexuelle Missbrauch eines Jungen vorgeworfen.

Die "Beziehung" zu dem Jungen soll auch noch angedauert haben, als der Erzieher Ende des vergangenen Jahres zunächst wegen Besitzes zehntausender Kinderporno-Dateien angeklagt wurde. Erst danach erstattete der Vater des Jungen Anzeige wegen Missbrauchsverdachts.

Eltern kritisieren Gesamtkirchengemeinde

Eltern übten unterdessen heftige Kritik an der Leitung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde als Arbeitgeberin des Erziehers. Diese hatte den 31-Jährigen monatelang weiterarbeiten lassen, obwohl sie von den Ermittlungen wusste.

Schwerer sexueller Missbrauch wird mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. Zunächst wurden sechs Verhandlungstage bis zum 28. September angesetzt. Fünf Zeugen sind den Angaben zufolge geladen, darunter auch das Opfer.

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