Der Marktplatz in Heilbronn (Foto: SWR, Anno Palumbo)

Ermittlungserfolg der Polizei in Heilbronn Drogenhändlerringe zerschlagen

Die Polizei hat in der Innenstadt von Heilbronn mehrere Drogenhändlerringe zerschlagen. Bei den Beschuldigten wurden auch Waffen gefunden.

Nach monatelangen Ermittlungen ist die Polizei in Heilbronn einem Drogennetzwerk in der Stadt auf die Spur gekommen.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll es sich bei den Tatverdächtigen vor allem um syrische, afghanische und italienische Staatsbürger handeln, auch Deutsch-Libanesen seien darunter, so die Polizei.

Drogenhandel im großen Stil

Insgesamt wurden 43 Tatverdächtige ermittelt, 20 Menschen davon kamen in Untersuchungshaft. Einer der Hauptbeschuldigten wird noch gesucht, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Frank Rebmann dem SWR Studio Heilbronn am Freitag. Den Hauptverdächtigen dieser Drogenhandelsgeschäfte am Marktplatz und rund um die Heilbronner Kilianskirche wird der unerlaubte Handel mit Betäubungsmitteln in großem Stil vorgeworfen.

Den Erkenntnissen der Ermittler zufolge hatten vor allem zwei Gruppen die Drogen geliefert und dann an Kunden verkauft - darunter Marihuana, Ecstasy und Kokain. Mehr als zwei Kilogramm Marihuana wurden sichergestellt, ebenso wie unter anderem auch 2.200 Ecstasy-Tabletten.

"Da ging es um Kilobereiche. Und in Teilen haben sie das auch mit Waffen getan. Sie hatten Stichwaffen dabei, sie hatten Schreckschusswaffen dabei. Das Strafgesetz sieht dafür eine Mindeststrafe von fünf Jahren für jede einzelne Tat vor."

Frank Rebmann, Oberstaatsanwalt

Aufgeteilte Reviere

Offenbar wurden die Drogenverkäufe nach Örtlichkeiten und Nationalitäten unterteilt, wie die Polizei am Nachmittag in einer Mitteilung ergänzte. Eine Gruppe aus Afghanen war im Umfeld der Kilianskirche tätig, Männer mit syrischer Staatsangehörigkeit in der Fußgängerzone.

Die Ermittlungen hatten im September vergangenen Jahres begonnen. Einzelne Tatverdächtige waren bereits im Dezember 2017 und im März festgenommen worden. Daraufhin war eine größere Ermittlungsgruppe gegründet worden, die jetzt nach eigenen Angaben einen "empfindlichen Schlag gegen die Rauschgiftszene in der Heilbronner Innenstadt" verbuchen kann.

Situation in der Innenstadt

Die Situation in der Heilbronner Innenstadt machte immer wieder Schlagzeilen. Für Aufsehen hatte vor rund einem Jahr eine Massenschlägerei junger Männer gesorgt.

Weihnachten 2017 beschädigten Unbekannte den drei Meter hohen Chanukka-Leuchter der jüdischen Gemeinde an der Synagogengasse. In einer Mitteilung schrieb der Heilbronner Regionalbischof Harald Stumpf damals, es schmerze ihn, dass in so einer multikulturellen und multireligiösen Stadt wie Heilbronn, deren jüdische Gemeinde seit über 1.000 Jahren nachweisbar die Kultur mitgestaltet und geprägt hat, so eine judenfeindliche Attacke möglich ist.

Anfang Februar hatte die Polizei nach Beschwerden von Anwohnern über die Situation um den Marktplatz schärfere Kontrollen angekündigt.

Im gleichen Monat stach ein betrunkener Rentner auf drei Flüchtlinge vor der Kilianskirche ein, um dabei so wörtlich "ein Zeichen gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik setzen" zu wollen. Bei dem Angriff wurden ein Afghane schwer und zwei weitere Flüchtlinge leicht verletzt. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter wegen versuchten Mordes ist für Oktober geplant. Nach der Tat sprachen sich in einer Mahnwache 300 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit aus. Auch Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) zeigte sich tief bestürzt.

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