Königliche Heilanstalt am Weissenhof (Foto: SWR, Anno Palumbo)

Ausbruch aus Maßregelvollzug und die Folgen Nach Flucht aus Psychiatrie Weinsberg: Klinik will Fall aufarbeiten

Der am Donnerstag aus einer Psychiatrie in Weinsberg geflohene Gewalttäter ist wieder in der Klinik. Ein Pfleger entdeckte ihn auf dem Gelände des Klinikums. Der Ausbruch hat nicht nur für den Geflüchteten Konsequenzen.

Der aus der forensischen Klinik am Weißenhof in Weinsberg (Kreis Heilbronn) geflohene Straftäter ist zurückgekehrt. Für das Klinikum ist die Sache damit aber nicht abgeschlossen. Man wollte den Fall aufarbeiten sowie überprüfen, was schiefgelaufen sei und was man besser machen könne, sagte Matthias Michel, der Ärztliche Direktor am Freitag. Bei jeder Entweichung würden gleichfalls für alle Patienten die Lockerungen zurückgefahren und die Stationen geschlossen.

Der 52-Jährige wurde am Donnerstagabend von einem Mitarbeiter des Klinikums auf dem Gelände der Klinik erkannt. Der Geflohene leistete keinen Widerstand und wurde im Beisein einer Polizeistreife wieder auf seiner Station untergebracht, so die Polizei. Wo sich der Geflohene während seiner Flucht aufhielt, ist noch nicht bekannt.

Update 19.50 Uhr: Die Fahndung ist erledigt. Der Flüchtende stellte sich selbst. (*fb) https://t.co/5UJqYx90L2

Polizei warnte Autofahrer

Laut Polizei war der wegen Gewaltdelikten verurteilte 52-Jährige am Donnerstagmorgen über den Zaun gesprungen und geflüchtet. Er gilt als gewalttätig und ist suchtkrank. Das Klinikum liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Weinsberg, wo sich die Autobahnen 6 und 81 kreuzen. Die Polizei hatte die Autofahrer deshalb gewarnt, Anhalter mitzunehmen.

Flüchtiger brach Therapie ab

Nach Angaben von Andreas Breitmayer, dem Kaufmännischen Direktor des Klinikums am Weissenhof, hat der Straftäter kurz zuvor seine Therapie abgebrochen. Daher sollte er am Donnerstagmorgen von der offenen Station des Maßregelvollzuges in den sogenannten Hochsicherheitsbereich verlegt werden. Dieser Bereich ist stärker gegen Ausbruchsversuche gesichert, seit der Eröffnung 2006 gab es hier noch keinen erfolgreichen Fluchtversuch. Der Patient konnte einen Pfleger umstoßen und flüchten. Der Mitarbeiter wurde nicht verletzt.

Hier brach der Gewalttäter aus. (Foto: SWR)
Hier brach der Gewalttäter aus.

Ausbrüche Anlass für Streit zwischen Ministern Lucha und Wolf

Laut Sozialministerium soll der Maßregelvollzug Täter durch die Behandlung ihrer Störung und durch die sichere Unterbringung in einer spezialisierten Fachklinik mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen davon abhalten, weitere Taten zu begehen. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) forderte anlässlich des Vorfalls die Justiz auf, Therapieabbrecher schnell wieder in den Strafvollzug zurückzunehmen und dadurch zum Schutz der Bevölkerung und der Mitarbeiter im Maßregelvollzug beizutragen. Dem entgegnete Justizminister Guido Wolf (CDU), die Verhinderung von Ausbrüchen und Entweichungen aus dem Maßregelvollzug falle allein in den Zuständigkeitsbereich des Sozialministeriums.

Ähnlicher Fall in Calw

Auch in Calw waren am Mittwochabend mehrere Patienten aus einer Psychiatrie geflohen. Die Straftäter, die wegen Raubes mehrjährige Haftstrafen verbüßen müssen, waren wegen Suchtproblemen in der forensischen Abteilung des Zentrums. Sie wurden aber zwischenzeitlich wieder gefasst. Auch bei ihnen handelt es sich um Therapieabbrecher.

Ende März waren im Baden-Württemberg insgesamt 1.173 Personen im Maßregelvollzug.

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