Eine Frau hält einen Corona-Schnelltest in die kamera (Foto: dpa Bildfunk, James Ross)

3G-Regel voraussichtlich ab Mittwoch am Arbeitsplatz

Corona-Testpflicht: Firmen in Heilbronn-Franken arbeiten mit Taskforces

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Am Arbeitsplatz gilt wohl ab Mittwoch die 3G-Regel. Nur wer geimpft, genesen oder frisch getestet ist, darf zur Arbeit kommen. So setzen Firmen in Heilbronn-Franken die Regel um.

Die Vorgaben ab Mittwoch sind klar: 3G gilt am Arbeitsplatz. Genesen, geimpft oder Antigen-Schnelltest. Wie es kontrolliert werden soll, das wollen und müssen Unternehmen in Heilbronn-Franken bis dahin noch klären. Viele Herausforderungen sind ähnlich, mache sehr individuell.

Haus der Wirtschaft der IHK Heilbronn-Franken Gebäude Haupteingang (Foto: SWR, Jürgen Härpfer)
Haus der Wirtschaft der IHK Heilbronn-Franken (Archiv) Jürgen Härpfer

Viele Fragen offen

Im Handwerk beispielsweise stellt sich die Frage: Wenn ein Trupp direkt auf die Baustelle fährt und vorher nicht im Betrieb vorbeifährt – wie werden die Vorgaben überprüft? Oder wenn es in einem Unternehmen unterschiedliche Schichten gibt, die teilweise, wie bei Audi in Neckarsulm, frühmorgens anfangen? Auch soziale Unternehmen haben mit der Umsetzung der 3G-Regeln Probleme.

"Wir haben jetzt in weiser Voraussicht letzte Woche 8.000 Tests bestellt, aber mit 8.000 Tests komme ich nicht weit."

Verordnung für Weckelweiler sehr kurzfristig

In den sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler in Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) arbeiten in den Werkstätten rund 350 Menschen mit Unterstützungsbedarf und gut 300 Personen in der Betreuung und Pflege der Bewohner. Für Petra Bittinger vom Vorstand kommt die neue Verordnung sehr kurzfristig.

"Das hat uns doch etwas überrascht, zumal bei uns wirklich viele geimpft sind viele Klienten und auch Mitarbeiter und wir machen bisher eben zweimal die Woche die Testung als Arbeitgeber und das ist schon eine ganz schöne Herausforderung, weil wir haben kein zusätzliches Personal und wir müssen jetzt fieberhaft überlegen, wie wir das gestemmt kriegen."

Auch in Weckelweiler soll eine Task Force überlegen, wie die Herausforderungen der 3G-Regeln zu stemmen sind. "Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht wie", sagte Bittinger dem SWR.

Handwerkskammer empfiehlt Vorgaben des Landes

Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken (HWK) bleibt bei ihrer Empfehlung: Mitgliedsbetriebe sollen sich streng an die Vorgaben des Landes halten. Bei Detailfragen ist aber auch die Kammer bisher noch nicht ganz sicher. Ähnlich sieht es bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken aus. Dort wird aktuell noch beraten.

IHK fordert Testmöglichkeiten

Die 3G-Kontrollen bedeuteten für die Betriebe einen erheblichen Aufwand und stellten sie vor stellenweise sehr große Herausforderungen, so die IHK. "Daher ist es wichtig, dass die neu eingeführte 3G-Pflicht nicht nur von den Arbeitgebern getragen werden muss", heißt es in einer Stellungnahme. Es müssten öffentlich zugängliche Testmöglichkeiten kurzfristig wieder massiv ausgeweitet und die Unternehmer unterstützt werden, so die Kammer.

Handwerkskammer Heilbronn-Franken in Heilbronn. Eingang Geschwister-Scholl-Straße im November 2020 (Foto: SWR)
Handwerkskammer Heilbronn-Franken in Heilbronn (Archiv)

Task Forces beraten Vorgehen

Der Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen Weinig in Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) beraten am Montag noch die betriebseigenen Taskforces über das genau Vorgehen. 

Beim Kunststoffverarbeiter Wirthwein in Creglingen (Main-Tauber-Kreis) gibt es ebenfalls noch keine verbindliche Aussage. Gegenüber dem SWR Studio Heilbronn hieß es: Natürlich werde man es umsetzen.

Aber das werde nicht einfach, weil Wirthwein ein produzierendes Unternehmen sei, mit verschiedenen Schichten, es gebe keinen zentralen Eingang - also gibt es dort noch einiges zu klären.

Tests unter Aufsicht in der Firma

Wittenstein in Igersheim-Harthausen, wo Antriebstechnik hergestellt wird, stellt zwei Tests pro Woche zur Verfügung. Getestet werde unter Aufsicht, hieß es. Den Rest der Woche müssen sich die Mitarbeitenden selbst um Testnachweise kümmern. Auch hier gilt für Ungeimpfte: Ohne Testnachweis kein Einlass. Kein Einzelfall in der Region Heilbronn-Franken.

Der Hauptsitz der Wittenstein SE in Igersheim aus der Luft (Foto: SWR, Simon Bendel)
Hauptsitz der Wittenstein SE (Archiv) Simon Bendel

Ziehl-Abegg bietet Tests zwei Mal die Woche

Der Künzelsauer Ventilatoren- und Elektromotorenbauer Ziehl-Abegg im Hohenlohekreis wird zwei Mal die Woche in der Firma eine Testmöglichkeit anbieten. Vor allem in den Produktionsbereichen werde das gerade zu Schichtbeginn eine echte Herausforderung sein, heißt es auf SWR-Anfrage. Am kommenden Donnerstag werde es einen ersten Testtag im Unternehmen geben.

"Wir sind vom Gesetzgeber verpflichtet, zwei Tests in der Woche zu machen. Die werden wir als Unternehmen anbieten. Die Tests an den anderen Tagen müssen Ungeimpfte bei öffentlichen Teststationen machen."

Ziehl-Abegg beschafft die Corona-Schnelltests selbst, geschulte Mitarbeiter führen diese dann an den zwei Tagen durch. In den vergangenen Monaten habe das Unternehmen die Testbestände heruntergefahren, jetzt wolle plötzlich jeder Arbeitgeber wieder tausende von Tests haben. Das Unternehmen hoffe ausreichend Tests besorgen zu können, so der Firmensprecher.

Unklarheit über Impfstatus im Betrieb

Mit Spannung wartet das Familienunternehmen jetzt auch auf den Impfstatus der einzelnen Beschäftigten. Die Vorgesetzten seien alle angeschrieben worden, um zu dokumentieren, wer geimpft und genesen sei. Wer keine Angaben machen wolle oder nicht geimpft sei, müsse zum Test.

Wer keinen Test vorlegen könne, müsse das Werksgelände sofort verlassen, so der Firmensprecher. Die finanziellen Folgen müsse der Arbeitnehmer dann selbst verantworten. Da der Mitarbeiter seine vertragliche Arbeitsleistung in so einem Fall nicht erbringe, gebe es dann eben auch kein Gehalt für diesen Arbeitstag.

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