Handwerkskammer Heilbronn-Franken Gebäude (Foto: SWR)

Unzufriedenheit über aktuelle Rechtslage

Geplante 3G-Regel am Arbeitsplatz - was wollen Arbeitgeber in Heilbronn-Franken?

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Nur wer geimpft, genesen oder getestet ist, soll in Präsenz arbeiten dürfen - das wollen die voraussichtlichen Koalitionspartner einführen. In Firmen sind die Meinungen gemischt.

3G am Arbeitsplatz - dieses Konzept ist in den Plänen enthalten, mit denen SPD, Grüne und FDP mitten in ihren Koalitionsverhandlungen den Corona-Kurs in Deutschland neu bestimmen wollen. Nur wer geimpft, getestet oder genesen ist, dürfte demnach künftig noch vor Ort arbeiten. Das Bundesarbeitsministerium erarbeitet derzeit eine entsprechende Vorlage. Nächste Woche sollen die Corona-Pläne der Ampelpartner in Bundestag und Bundesrat beschlossen werden.

Viele Unternehmen haben in der Corona-Pandemie bereits spezielle Angebote für ihre Mitarbeiter bereitgestellt. Neben regelmäßigen Testmöglichkeiten wurden auch Impfangebote geschaffen. In der lauffenden vierten Corona-Welle stehen Arbeitgeber nun vor der Frage: Ist 3G möglich? Firmen in der Region Heilbronn-Franken kritisieren: Viele Fragen seien noch offen.

Ziehl-Abegg sieht zu hohen Testaufwand bei 3G

Eine strikte 3G-Regelung würde einen größeren Testaufwand für Unternehmen bedeuten. Rainer Grill, Sprecher des Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg aus Künzelsau (Hohenlohekreis), hält die Umsetzung für eher schwierig.

Grill rechnet vor: Bei einem Schichtbeginn in der Produktion müssten etwa 25 Menschen pro Schicht getestet werden, wenn man grob die Impfquote in der Gesamtbevölkerung als Maßstab nehme. Das sei allein räumlich ein Problem.

"Wir sind gerade am Thema Booster-Impfung dran. Es gibt bereits einige Menschen im Unternehmen, die ihre Impfung erhalten haben."

Kärcher würde 3G am Arbeitsplatz begrüßen

Kärcher mit einem Werk in Obersontheim (Landkreis Schwäbisch Hall) würde eine 3G-Regelung hingegen begrüßen. Als Arbeitgeber habe man die Pflicht, die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten. Derzeit könnten Arbeitgeber aber nur schätzen, wie viele von den Mitarbeitenden bereits immunisiert sind.

Große Impfaktion für die Bevölkerung bei Ziehl-Abegg in Künzelsau (Foto: SWR, Simon Bendel)
Ziehl-Abegg hat mit großen Impfaktionen versucht die Mitarbeiter schnell zu impfen Simon Bendel

Wenn klar wäre, dass alle Mitarbeiter bei Betreten des Geländes den 3G-Status erfüllen müssen, hätte man mehr Gestaltungsfreiraum für Präsenz-Treffen und könnte noch mehr Sicherheit am Arbeitsplatz bieten, teilte Kärcher mit.

"Nicht-Immunisierte könnten etwa durch einen überwachten Selbsttest am Eingang ebenfalls problemlos ihren Beitrag leisten, die Testinfrastruktur dafür steht schon seit Monaten bereit."

Schild der Handwerkskammer Heilbronn-Franken (Foto: SWR, SWR)
Handwerkskammer Heilbronn-Franken SWR

Unverständnis in der Handwerkskammer über geltende Regelung

Wenig Verständnis für die geltenden Regelungen am Arbeitsplatz hat Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Bopps Kritik: Derzeit müssten Betriebe die Tests bereitstellen, aber sie könnten nicht kontrollieren, ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann überhaupt Tests machen.

Aktuell ist die Regelung in Baden-Württemberg so, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten zwei Mal pro Woche kostenlose Antigen-Schnelltests anbieten müssen. Seit Mitte Oktober gilt zudem, dass alle Beschäftigten mit Außen- oder Kundenkontakt die Tests auch wirklich durchführen müssen. Kontrolliert werden muss das vom Arbeitgeber allerdings nicht. Die Kontrolle übernehmen die örtlich zuständigen Behörden. Immunisierte Beschäftigte - also Genese oder Geimpfte - müssen sich nicht testen lassen.

Datenschutzbedenken bei Gewerkschaften

Für eine strikte Durchführung einer 3G-Regelung am Arbeitsplatz braucht es eine Kontrollmöglichkeit. Arbeitgeber dürfen derzeit nicht ohne Weiteres den Impfstatus der Beschäftigten abfragen. Der Datenschutz ist eines der größten Hindernisse für eine 3G-Regel. Insbesondere Gewerkschaften haben große Bedenken, wenn es um die Offenlegung des Impfstatus geht.

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