Jubiläumsfeier im Kloster Frauental

Offener Vollzug: 20 Jahre "Projekt Chance" in Creglingen

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Jan Arnecke
Jan Arnecke (Foto: SWR)

Im Kloster Frauental hat am Sonntag das "Projekt Chance" das 20-jährige Bestehen gefeiert. Es hilft jungen Straftätern in einem offenen Vollzug bei der Resozialisierung.

Das "Projekt Chance" des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) in Creglingen (Main-Tauber-Kreis) hat am Sonntag das 20-jährige Jubiläum im Kloster Frauental (ebenfalls Main-Tauber-Kreis) gefeiert. Das Projekt bietet jugendlichen Mehrfach- und Intensivstraftätern eine Möglichkeit des offenen Vollzugs und will resozialisieren.

SWR-Moderator Oliver Diesem hat mit Robert Ileka aus der Angebotsleitung über das "Projekt Chance" gesprochen:

Projekt als "sehr wirksam" eingestuft

In den Anfangszeiten sei das "Projekt Chance" auch noch wissenschaftlich begleitet und evaluiert worden, erklärt Ileka. Dabei wurde es gerade im Vergleich zum Strafvollzug in geschlossener Form, also dem Gefängnis, als "sehr wirksam" eingestuft.

Zwar gebe es aktuell keine wissenschaftliche Begleitung oder Evaluationen mehr. Dass Ileka aber nur wenige Jugendliche im Gefängnis wieder trifft, wertet er auch heute als Erfolg des Projekts und als Zeichen, dass nur wenige rückfällig würden.

Beziehung wichtiger als Autorität

Im Umgang mit den 14 bis 21 Jahre alten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, berichtet Robert Ileka, sei Autorität nicht immer der Weg zum Ziel. Viele straffällig gewordene Jugendliche seien oft mit Autorität konfrontiert worden, viele hätten gelernt, solche Muster zu durchbrechen oder dagegen anzukämpfen.

"Wenn ein Jugendlicher uns als Partner erkennt, […] dann haben wir eine Chance mit dem Jugendlichen gemeinsam zu arbeiten."

Ziel sei es daher, mit den Jugendlichen gemeinsam an den Defiziten und für deren Leben zu arbeiten. Dabei spiele die Beziehung zueinander eine besonders wichtige Rolle. Außerdem sei die Freiwilligkeit der Jugendlichen ausschlaggebend, so Ileka weiter.

Vor 20 Jahren: Jugendliche helfen beim "Projekt Chance" in Creglingen (Main-Tauber-Kreis) bei der Renovierung einer Fassade. (Archiv) (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa/dpaweb | Norbert_Försterling)
Vor 20 Jahren: Jugendliche helfen beim "Projekt Chance" in Creglingen (Main-Tauber-Kreis) bei der Renovierung einer Fassade. (Archiv)

Strikter Tagesablauf von 6 bis 20 Uhr

Der Aufenthalt beim "Projekt Chance" ist allerdings kein Zuckerschlecken. Um 6 Uhr beginnt der Tag mit Frühsport, Freizeit gibt es dann erst wieder ab 20 Uhr. Dazwischen liegen verschiedene Angebote wie Schule, Arbeit, Gruppenaktivitäten und natürlich Frühstück, Mittag- und Abendessen.

"Es ist aus meiner Sicht tausend Mal besser als im Gefängnis zu sein", meint Ileka. Doch auch beim "Projekt Chance" sei die Arbeit hart. Nicht zwingend körperlich anstrengend, doch gerade die Arbeit an einem selbst, die Muster der Kriminalität oder der angesprochenen Bekämpfung von Autorität zu brechen, sei für die Jugendlichen wie auch für die Mitarbeitenden enorm anstrengend.

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