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Das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar, Kreis Rottweil, hatte jahrzehntelang Sturmgewehre an die Bundeswehr geliefert. Jetzt kommt ein Konkurrent zum Zug.

Fragen an Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft:

Was bedeutet diese Entscheidung für das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch?

Das ist ein schwerer Schlag für das Unternehmen, und er kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Heckler & Koch liefert seit rund 60 Jahren Sturmgewehre an die Bundeswehr. Das ist nach so einer langen Zeit ein massiver Imageverlust, wenn der Lieferant gewechselt wird. Das Sturmgewehr von Heckler & Koch ist so etwas wie der Golf bei VW, also das Aushängeschild. Und es geht um viel Geld, ein Auftragsvolumen von 250 Millionen Euro, schreibt die Deutsche Presseagentur. Das ist in etwa der Jahresumsatz von Heckler & Koch aus dem vergangenen Jahr - zeigt also, wie groß dieser Auftrag ist, der jetzt wegbricht.

Der Waffenhersteller ist außerdem hoch verschuldet, hat 2017 und 2018 große Verluste gemacht. Das Unternehmen hat gerade erst wieder angefangen, profitabel zu arbeiten: In den ersten beiden Quartalen 2020 stand unterm Strich ein kleiner Gewinn, im zweiten Quartal knapp acht Millionen Euro Plus. Allerdings muss man auch sagen, dass deutsche Aufträge vom gesamten Konzernumsatz nur ein Drittel ausmachen. Heckler & Koch liefert unter anderem noch Waffen an die Polizei und weiteres Material an die Bundeswehr, Granatwerfer zum Beispiel. Zwei Drittel des Firmenumsatzes werden im Ausland gemacht.

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Wer ist Haenel, der neue Lieferant der Bundeswehr?

Die C G Haenel GmbH hat ihren Sitz in Suhl, im Süden von Thüringen. Der Hersteller ist ein Waffenproduzent mit langer Tradition, gegründet 1840. Er war allerdings Ende des Zweiten Weltkriegs in seiner damaligen Form aufgelöst worden. Erst 2008, also vor zwölf Jahren, sind wieder Gewehre unter dem Namen Haenel hergestellt worden. Da hat sich das Unternehmen neu gegründet.

Was sicher noch für Diskussionen sorgen wird: Haenel gehört inzwischen zur Merkel-Gruppe, ein Zusammenschluss von Unternehmen. Diese Gruppe gehört einem arabischen Waffenhersteller mit Sitz in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. So gesehen rüsten die Vereinigten Arabischen Emirate die Bundeswehr mit einem neuen Standardgewehr aus. Allerdings liefert Haenel schon seit etwa vier Jahren ein Scharfschützengewehr für die Bundeswehr. Diese Besitzverhältnisse sind also bereits bekannt.

Rechtsmittel stehen offen - heißt das, Heckler & Koch klagt?

Das Unternehmen prüft das. Vorstandsvorsitzender Jens Bodo Koch ließ mitteilen: "Wir werden die Entscheidung nun juristisch ausführlich prüfen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen". Man bedauere die Entscheidung, dass keines der beiden Angebote bei der Sturmgewehr-Ausschreibung der Bundeswehr zum Zuge kommen solle. H&K sei weiterhin von der Qualität der Waffen überzeugt. Die Bestellungen aus aller Welt überstiegen die Produktionskapazitäten.

Heckler & Koch hatte sich schon während des Bieterverfahrens - das mit drei Jahren lange gedauert hat - massiv beklagt. Die baden-württembergische Firma hat das Verteidigungsministerium kritisiert und der damaligen Ministerin von der Leyen vorgeworfen, es gebe keine faire und sachkundige Auswahl.

Ein dritter Bieter, Sig Sauer, hat sich noch während des laufenden Verfahrens zurückgezogen und über Ungleichbehandlung geklagt. Heckler & Koch hat jetzt zunächst nur sein Bedauern geäußert, in einem Schreiben an die Beschäftigten. Zwei Wochen hat das Unternehmen Zeit, die Entscheidung anzuzweifeln. Dann muss das neue Sturmgewehr noch durchs Parlament, das soll Ende des Jahres passieren.

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