Stühle stehen in einem Klassenzimmer auf den Tischen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)

Viel Arbeit in den Sommerferien

Wie werden die Schulen fit für den Herbst? GEW fordert mehr Engagement

STAND
AUTOR/IN

In Baden-Württemberg beginnen am Donnerstag die Sommerferien. Was passiert dann in den Kommunen und Schulen? Wird genug getan, damit im September Präsenzunterricht möglich ist?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, dass die Sommerferien gezielt genutzt werden, um sich auf eine vierte Corona-Welle im Herbst bestmöglich vorzubereiten. Die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein ist mit der augenblicklichen Situation an den Schulen in Baden-Württemberg nicht zufrieden.

"Ich bin stinksauer", sagt Monika Stein. Sie macht aus ihrem Ärger keinen Hehl und fordert, dass sich an den Schulen in Sachen Luftreiniger endlich etwas tun müsse. "Die kommunalen Träger der Schulen drücken sich vor ihrer Verantwortung", so Stein und sie fügt hinzu: "Die meisten warten ab und sind ultrazögerlich."

So könne das nicht weitergehen, schimpft die GEW-Landesvorsitzende: "Die Schulen brauchen die Unterstützung vom Schulträger und der Regierung." Die Landesregierung werde wohl eine Verpflichtung an die Kommunen aussprechen müssen - nach dem Motto: "Ihr stattet die Schulen mit Luftreinigungsgeräten aus." Mit dem 60-Millionen-Euro-Förderprogramm zur Beschaffung von mobilen Luftreinigern habe die Landesregierung in diesem Punkt ihren Teil getan, findet Stein.

Baden-Württemberg

Land Baden-Württemberg will Kommunen unterstützen Luftfilter an Schulen: Unterstützung vom Land, Kritik von Verdi und GEW

Helfen Luftfilter in Schulen gegen die Ausbreitung des Coronavirus? Darüber wird seit Monaten diskutiert. Jetzt will Baden-Württemberg die Schulen bei der Anschaffung unterstützen.  mehr...

GEW: Mobile Luftfilter sind ein Baustein

Zugleich müsse die Landesregierung sich aber schon jetzt um mehr Personal für Schulen und Kitas kümmern - "damit genug Leute da sind, für kleinere Gruppen und fachliche Hilfe", sagt Monika Stein. Klar sei, dass es sozial-emotionale Unterstützung geben müsse, weil viele Kinder und Jugendliche aus allen Rhythmen und Strukturen gefallen seien. Als guten Ansatz bezeichnet Stein das Programm "Rückenwind".

Die vierte Corona-Welle sei ein Problem mit Ansage, betont Stein. Die GEW Baden-Württemberg habe schon im vergangenen Sommer Luftreinigungsgeräte gefordert. Das müsse jetzt geregelt werden, damit Präsenzunterricht auch im Herbst möglich bleibe. Stein sieht die mobilen Geräte als einen von mehreren Bausteinen.

"Das muss es uns wert sein, damit Kinder und Jugendliche im Herbst nicht daheim sitzen müssen, bloß weil die Erwachsenen es wieder verpennt haben."

Städtetag Baden-Württemberg: Förderrichtlinie fehlt noch

Dezernent Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg spricht von einer "schwierigen Gemengelage". Noch fehle die konkrete Förderrichtlinie des Landes Baden-Württemberg für mobile Luftreinigungsgeräte, die zum Beispiel auch Gerätekriterien festschreibe. Die Kommunen könnten deshalb nicht wirklich agieren. Zugleich herrsche vor Ort in den Gemeinderäten ein hoher Druck. Manche Kommunen versuchten auf Verdacht kleine Mengen an mobilen Luftreinigungsanlagen vorab zu bestellen, berichtet er. Wie es dann mit der Lieferung klappe, stehe auf einem anderen Blatt, gibt Brugger zu bedenken.

Zusätzlich planen die Kommunen nach Auskunft Bruggers weitere Impfkonzepte. Er selbst halte das für die nachhaltigere Variante, damit Präsenzunterricht stattfinden könne. Unter anderem wollen die Kommunen von städtischer Seite bei den 12- bis 18-Jährigen für Corona-Impfungen werben, sagt er und verweist auf das Beispiel Ulm. Außerdem werde darüber nachgedacht, Impfangebote an ganze Familien auszusprechen, berichtet Brugger.

Ulm

Impfteams kommen in weiterführende Schulen Corona-Impfungen in Ulm jetzt für Schüler ab Zwölf

Die Stadt Ulm startet kurz vor den Sommerferien noch mit Impfungen von Schüler ab zwölf Jahren. Dafür sollen Impfteams des DRK in die weiterführenden Schulen kommen.  mehr...

Karlsruhe und Bruchsal kaufen mehrere hundert Filteranlagen

Dennoch haben einige Städte und Kreise bereits den Kauf von Filteranlagen beschlossen. In Karlsruhe werden für das kommende Schuljahr rund 900 Raumluftfilter und Lüftungsampeln vor allem für schlecht belüftbare Klassenzimmer in Schulen und für Räume in Kitas gekauft. Nach einer einstimmigen Entscheidung des Gemeinderats sollen dafür 2,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Das Geld ist nicht im Haushalt vorgesehen und belastet den Etat zusätzlich.

Der Gemeinderat in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) hat 150.000 Euro an außerplanmäßigen Ausgaben für Raumluftfilter genehmigt. Neben einigen Filteranlagen sollen von dem Geld auch für alle Klassenräume der Städtischen Schulen sowie für die Gruppenräume von Kitas CO2-Messgeräte angeschafft werden. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Kreis Calw bereits beschlossen, 300.000 Euro für Luftfilterlanlagen in den kreiseigenen Schulen zur Verfügung zu stellen. Zunächst sollen 30 Räume mit den Geräten ausgestattet werden.

Die Stadt Ettlingen (Kreis Karlsruhe) will rund 230 Luftfilter beschaffen, um das Risiko von Corona-Ansteckungen in Schulen zu vermindern. Für insgesamt 700.000 Euro soll jedes Klassenzimmer der städtischen Grund- und weiterführenden Schulen mit Luftfiltern ausgestattet werden.

So berichtete der SWR am 22. Juli über mobile Luftfiltergeräte in Ettlingen.

Umsetzung von Luftfilter-Förderprogramm läuft insgesamtschleppend

Allgemein scheint die Umsetzung der Förderrichtlinie für das Luftfilterprogramm des Landes Baden-Württemberg aber schleppend zu laufen. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) bestätigte am Dienstag, dass die entsprechende Vorschrift erst am Vortag beschlossen worden sei. Wann genau sie nun an die Schulen und Kommunen verschickt wird, ist noch offen. Nach Einschätzung des Kultusministeriums wird das noch ein paar Tage dauern. Insgesamt stehen laut Sozialministerium 120 Millionen Euro für Luftfilter an Schulen zur Verfügung. 26 Millionen Euro kommen demnach vom Bund, 70 Millionen Euro vom Land und 34 Millionen Euro von den Kommunen. Außerdem werden CO2-Ampeln für alle Klassenstufen gefördert, damit ein regelmäßiges Lüften der Klassenzimmer sichergestellt sei, hieß es.

Land setzt auf PCR-Tests an Schulen

Weitere 73 Millionen Euro sind nach Angaben des Landes eingeplant, um nach den Sommerferien an den Schulen verstärkt PCR-Tests durchzuführen. Doch offenbar sind die Schulen derzeit noch zurückhaltend. Laut Gesundheitsminister Lucha zögern vor allem kleinere Gemeinden bei der Anschaffung solcher PCR-Tests, weil ihnen der organisatorische Aufwand bei der Zusammenarbeit mit Laboren und bei der Übermittlung der Testergebnisse zu groß sei.

Virenfänger für Klassenzimmer Studien empfehlen Luftreiniger für Schulen

Lehrerverbände und Eltern drängen darauf, dass die Schulen für den Herbst Corona-sicher ausgestattet werden – unter anderem mit Luftfiltergeräten. Wie wirksam sind die?  mehr...

Kultusministerin wirbt weiter für's Impfen

Das Kultusministerium Baden-Württemberg unterstrich auf SWR-Anfrage, dass es im September so viel Präsenzunterricht wie möglich geben solle. Deshalb werde in den ersten beiden Wochen nach den Ferien eine Maskenpflicht gelten. Auch an regelmäßigen Coronatests an den Schulen halte das Land fest. Außerdem wirbt Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) für Corona-Impfungen. "Mittlerweile können sich alle Erwachsenen, also auch alle Eltern und Betreuungspersonen impfen lassen. Ich kann sie nur ermuntern, dies zeitnah zu tun, denn wir Erwachsenen schützen nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Kinder, und tragen damit auch zu offenen Schulen und Kindertageseinrichtungen bei", sagt sie.

Schulleiter: Kinder und Jugendliche in den Fokus nehmen

Christoph Mühlthaler, Schulleiter des Ernst-Sigle-Gymnasiums in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg), hat bereits kurz vor Ferienbeginn den Schulstart im September fest im Blick. Man überlege unter anderem, Corona-Lolli-Tests einzusetzen, so Mühlthaler. Luftfilter werde das Ernst-Sigle-Gymnasium derzeit nicht anschaffen und setze statt dessen weiter vor allem auf das Lüften der Klassenräume. Außerdem plädiert auch er für Impfungen. In der Corona-Pandemie sei zunächst der Schutz der älteren Menschen in den Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen im Fokus gewesen, sagte Mühlthaler dem SWR. "Jetzt muss die Gesellschaft alles tun, was sie zum Schutz der Kinder und Jugendlichen tun kann." Höchstes Ziel müsse sein, die Kitas, Schulen und Universitäten offen zu halten.

Baden-Württemberg

Fernunterricht und Delta-Virusvariante sorgen für Verzweiflung Eltern von Schulkindern fordern: "Jetzt muss etwas geschehen"

Die Delta-Variante des Coronavirus ist auf dem Vormarsch. Eltern blicken besorgt auf ihre Kinder - und fürchten sich vor dem Herbst. Was, wenn die Schulen wieder geschlossen werden?  mehr...

Stuttgart

Diskussion um Schutz der Kinder in Klassenräumen Wo bleiben die Corona-Luftreiniger an den Schulen?

Viele Eltern fordern angesichts der Delta-Variante, die Schulen während der Sommerferien flächendeckend mit Luftreinigern auszustatten. Doch so einfach ist es nicht.  mehr...

Östringen

Corona und die Folgen Östringer Schulleiterin: Psychische Probleme bei Schülern nehmen deutlich zu

Das zweite Schuljahr unter Coronabedingungen geht langsam zu Ende. Viele Schülerinnen und Schüler stehen kurz vor ihrem Abschluss. Die Schulleiterin eines Östringer Gymnasiums schaut mit Sorge auf das kommende Schuljahr.  mehr...

Schulleiter aus Blaubeuren: "Wir werden versuchen, das Beste aus der Corona-Situation zu machen"

Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg dürfen sich freuen: Heute ist der letzte Schultag, ab morgen sind auch hier Sommerferien. Doch was ist mit der Zeit danach, wenn möglicherweise eine vierte Corona-Welle droht? Thomas Hilsenbeck, Rektor der Blautopf-Schule in Blaubeuren, will im kommenden Schuljahr situativ entscheiden - so habe das auch in vergangenen eineinhalb Jahren während der Pandemie funktioniert. "Was wir in der Schule machen können, sind die Hygienekonzepte, die wir bisher auch hatten: Masken und Testungen drei Mal in der Woche." Um das Virus darüberhinaus in Schach zu halten, appellierte er an die Eltern, die Impfangebote wahrzunehmen.
Was der Rektor der Blautopf-Schule von Luftfilteranlagen im Kampf gegen die Coronapandemie hält, erzählt er im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Astrid Meisoll.  mehr...

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Hospitalisierungsinzidenz steigt leicht

Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN