Immer mehr Covid-19-Neuinfektionen

Überlastete Arztpraxen wegen Corona-Patienten in Baden-Württemberg

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AUTOR/IN
Gerald Pinkenburg

Wegen stark steigender Zahlen an Corona-Neuinfektionen warnt der Hausärzteverband Baden-Württemberg vor einer Überlastung der Praxen.

"Es ist die Hölle", sagte Dr. Frank-Dieter Braun, der 2. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg in SWR Aktuell und meint damit die stark steigende Zahl an Patientinnen und Patienten, die an Corona erkrankt sind. "Es ist sehr viel los, aber es wird dadurch etwas erträglicher, weil die Impf-Nachfrage deutlich nachgelassen hat." Die tendiere sogar fast "gegen null", so der Arzt.

Derzeit kämen auch sehr viele Menschen in die Praxen, die einen PCR-Test möchten, obwohl sie gar keine Symptome hätten. Wer einen positiven Schnelltest gemacht habe, sei auch relativ sicher an Covid-19 erkrankt. Stark belastet seien seit Beginn der Corona-Pandemie auch die Arzthelferinnen und Pflegekräfte in den Arztpraxen. "Die hätten auch mal gerne wieder geregelte Mittagspausen", sagte Braun. Das sei im Moment gar nicht möglich.

Weitere Lockungen trotz steigender Infektionszahlen - Ärzte und Risikopatienten sehen das kritisch

Die von Bundestag und Bundesrat beschlossene Änderung des Infektionsschutzgesetzes, das weitere Lockungen der bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen vorsieht, wird von den Hausärzten zum Teil kritisch gesehen. "Die ganzen Maßnahmen nützen im Moment sowieso nichts", sagte Dr. Braun. Denn die Zahlen "explodieren ja sowieso, das ist Wahnsinn". Der Arzt plädiert deshalb dafür, die Maskenpflicht auf jeden Fall beizubehalten und lobt die von der baden-württembergischen Landesregierung beschlossene Verlängerung der Maßnahmen bis zum 2. April.

Genoveva Jäckle ist aufgrund einer Krebserkrankung Corona-Risikopatientin. Sie sagte in SWR Aktuell, dass zum Beispiel mit dem Wegfall der Maskenpflicht, Einkaufen für sie sorglos kaum noch möglich sei. "Es ist ja nicht klar, wer da sonst noch so im Laden ist." Möglicherweise seien ja Menschen dabei, die entweder "symptomfrei oder nur ganz mild infiziert" sind, sagte Jäckle.

Kontaktbeschränkungen weiter nötig

"Man muss einfach die Kontakte weiter beschränkten, Masken tragen und nach Möglichkeit sämtliche 'Festivitäten' meiden", forderte der 2. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg. Eine Alternative sei, eine Covid-19-Erkrankung zu riskieren, denn "im Moment haben wir keine schweren Verläufe", so der Arzt. Ähnlich sieht das auch die Risikopatientin Jäckle. Auch sie fordert, die Maskenpflicht in öffentlichen Bereichen beizubehalten.

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