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Seine vehemente Kritik an der Kirche und dem Papst hat Hans Küng berühmt gemacht. Vor allem an seinem früheren Weggefährten Benedikt XVI. hat er sich immer wieder gerieben. In der vergangenen Woche war Hans Küng im Alter von 93 Jahren gestorben.

Er war einer der größten Querdenker in der katholischen Kirche: Am 6. April starb der Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng im Alter von 93 Jahren in Tübingen.

Sehen Sie hier die 45-minütige Dokumentation: "Zum Tod von Hans Küng - Provokateur und Friedensstifter":

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) würdigte Küng als vehementen Streiter für den Dialog der Religionen und Kulturen. Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe Hans Küng über Jahrzehnte hinweg weltweit den Ruf Deutschlands als Ort von Theologie und Universitätsgelehrsamkeit gestärkt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nannte den Theologen einen "anerkannten und streitbaren Forscher".

Wer war Hans Küng - und was zeichnete den Tübinger Theologen aus? Ein Streifzug durch sein Leben und Handeln. Klicken Sie durch die Bildergalerie für weitere Informationen und Hintergründe.

Hans Küng als Kind (Foto: SWR)
1928 wird Hans Küng in Sursee im Schweizer Kanton Luzern geboren. 1948 erwarb er die Matura und ging anschließend zum Studium der Philosophie und Theologie an die Päpstliche Universität nach Rom. Bild in Detailansicht öffnen
Von 1948 bis 1955 verbrachte er während seines Studiums Zeit in Rom. Bereits 1954 wurde er zum Diözesanpriester für das Bistum Basel geweiht. Bild in Detailansicht öffnen
Mit erst 32 Jahren wird Küng 1960 Professor für Fundamentaltheologie an die Katholisch-Theologische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen. Ab 1962 ist er drei Jahre offizieller Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils, ernannt von Papst Johannes XXIII. Bild in Detailansicht öffnen
Küng war von 1963 bis 1980 Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie und Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung der Universität Tübingen. Früh setzt er sich kritisch mit der katholischen Kirche auseinander. Bild in Detailansicht öffnen
Als er Anfang der 1970er Jahre in einem Buch die Unfehlbarkeit des Papstes öffentlich infrage stellte, verliert Küng die kirchliche Lehrerlaubnis. Bild in Detailansicht öffnen
Zwischen 1980 und 1996 ist er fakultätsunabhängiger ordentlicher Professor für ökumenische Theologie und Direktor des Instituts für ökumenische Forschung der Universität Tübingen. 1995 wird er Präsident der Stiftung Weltethos. Imago IMAGO / Rainer Unkel Bild in Detailansicht öffnen
Mit der Stiftung erregt Küng immer wieder Aufmerksamkeit und so kommt er mit vielen, einflussreichen Politikern zusammen, wie hier 2003 beim Besuch des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan (rechts) in Tübingen. Bild in Detailansicht öffnen
2003 erhält Küng vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (rechts) das Große Verdienstkreuz mit Stern. Küng wurde von Rau für seine Verdienste um die Bundesrepublik ausgezeichnet. picture-alliance / dpa/dpaweb | Tim_Brakemeier Bild in Detailansicht öffnen
Bereits in den 1960er-Jahren trafen Küng und Joseph Ratzinger (rechts) aufeinander und lehrten gemeinsam in Tübingen, bis es aufgrund unterschiedlicher Ansichten zum Bruch kam. Als Papst Benedikt XVI empfing Ratzinger Küng 2005 zu einer Privataudienz. Eine Geste der Versöhnung, doch rehabilitiert wird Küng nicht. picture-alliance/ dpa/dpaweb | Mettelsiefen A3390 Nietfeld Bild in Detailansicht öffnen
2012 eröffnete die Stiftung Weltethos ein Institut an der Universität Tübingen. An der weltweit einzigartigen Einrichtung sollen sich Wissenschaftler mit der Frage beschäftigen, wie sich ethische Grundsätze in der Gesellschaft und vor allem in der Wirtschaft verankern lassen. Anlässlich der Eröffnung des Instituts war unter anderem auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne, links) gekommen. picture alliance / dpa | Marc Herwig Bild in Detailansicht öffnen
Am 6. April 2021 stirbt Küng (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2015) mit 93 Jahren. "Mit Hans Küng verlieren wir den charismatischen und menschlich beeindruckenden Gründer der Stiftung und einen visionären Vordenker für eine gerechtere und friedlichere Welt", so Eberhard Stilz, Präsident der Stiftung Weltethos. In den vergangenen Jahren hatte sich Küng wegen seines Gesundheitszustands zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er litt unter anderem an Parkinson. picture alliance / dpa | Daniel Naupold Bild in Detailansicht öffnen
Tübingen

Begründer der Stiftung Weltethos Kirchenkritiker Hans Küng verstorben

Der Theologe Hans Küng ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren am Dienstag in Tübingen, wie eine Sprecherin der Stiftung Weltethos mitteilte. Kirche und Politik würdigten den Kirchenkritiker.  mehr...

SWR2 Glauben | Zum Tod von Hans Küng Lebenslänglich Reformator

Der Theologe Hans Küng - Ein Nachruf
Von Jörg Vins
(Aktualisierte Fassung / SWR 2018)  mehr...

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