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Tamara Land, SWR Wirtschaftsredaktion (Foto: SWR, SWR)

Wegen des Lockdowns steht vielen Händlerinnen und Händlern in Baden-Württemberg das Wasser bis zum Hals. Der Handelsverband fordert eindringlich, alle Läden ab Montag zu öffnen.

"Wir würden gern gestern öffnen." Wenn Sabine Hagmann, die Chefin des Handelsverbands Baden-Württemberg über die derzeitige Lage der Händlerinnen und Händler im Land spricht, changiert sie bei der Tonlage zwischen Sarkasmus und dringlicher Ernsthaftigkeit.

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Einzelhandel sieht keinen Grund für ungleiche Behandlung

Am Montag soll es für einige Branchen wieder losgehen mit der Öffnung der Läden. Friseurbetriebe und Gartencenter sollen in Baden-Württemberg ihre Türen aufschließen, Kundinnen und Kunden beraten - und natürlich Geld verdienen. Doch Geschäfte für Mode, Elektroartikel und vieles andere mehr werden nach jetzigem Stand geschlossen bleiben. Für Sabine Hagmann ist das nicht nachvollziehbar:

"Der Handel ist kein Infektionstreiber!"

Sabine Hagmann, Handelsverband Baden-Württemberg

Erwiesen sei, dass die Ansteckungsgefahr in den Läden nicht größer sei als andernorts. Im Gegenteil: Ein Gutachten des Instituts für Arbeitsmedizin sei sogar zum Schluss gekommen, dass Beschäftigte im Handel sich seltener mit Corona infizierten als andere Berufsgruppen. Für den Handelsverband lässt das nur eine Schlussfolgerung zu: Die Läden müssen ab Montag wieder öffnen dürfen - unter Einhaltung von Hygienevorschriften, aber ohne weitere Bedingungen.

Vielen Händlern steht das Wasser bis zum Hals

Fast 260.000 Menschen arbeiten nach Angaben des Handelsverbands in Baden-Württemberg für den Einzelhandel. Mehr als in der Automobilindustrie. Und viele Inhaberinnen und Inhaber der Geschäfte seien mittlerweile in einer dramatischen Situation. Finanziell und psychisch seien viele nach zwölf Wochen Lockdown am Ende.

Um auf die Situation aufmerksam zu machen, hat der Handelsverband zusammen mit der Initiative „Handel steht zusammen“ zur digitalen Pressekonferenz geladen. Gleich vier Vertreterinnen und Vertreter von Familienunternehmen haben sich zugeschaltet, und berichten von ihrer Situation. Von Frühjahrskollektionen, die sich in Lagern stapeln, und von denen niemand weiß, wie sie bezahlt werden sollen. Von "Click and Collect", dem Abholen der Ware nach vorheriger Bestellung im Netz, das einigen Händlern Umsätze beschert, bei anderen Geschäften aber überhaupt nicht funktioniert.

Lederwarengeschäfte doppelt von Corona geprellt

Zugeschaltet hat sich auch Petra Lorenz, die in Karlsruhe und Durlach zwei Lederwarengeschäfte betreibt. Ihre Branche hat die Corona-Krise gleich doppelt erwischt: In den Lockdown-Monaten ist der Umsatz der Geschäfte zusammengeschmolzen. Doch auch als die Geschäfte offen waren, ging der Verkauf nur schleppend. Viele Kundinnen und Kunden kaufen bei ihr Taschen und Koffer, um zu vereisen. Die Nachfrage während der Corona-Pandemie mit Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen ist naturgemäß im Keller.

"Viele Einzelkämpfer, die eine Boutique haben, können ihre Miete nicht mehr zahlen und haben kein Geld mehr, um sich bei Rewe eine Pizza zu kaufen."

Petra Lorenz, Händlerin aus Karlsruhe

Click and Meet: Keine Lösung für Einzelhandel

Wenig Hoffnung setzen die Händlerinnen und Händler auf das Konzept "Click and Meet" - also das Einkaufen nach vorheriger Terminvergabe im Internet. Die baden-württembergische Landesregierung hatte "Click and Meet" als eine Möglichkeit ins Spiel gebracht, dem Handel schnell Entlastung zu bringen. Die Kundinnen und Kunden wollten sich nicht im Vorfeld festlegen, wann sie einkaufen gehen wollen, so der Handelsverband. Spontanes Shopping sei unersetzbar.

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