Hohe Baulandpreise machen den Wohnungsbau teuer. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt)

Grundstücksfonds wird ausgebaut

Bauland fehlt, Preise steigen: Baden-Württemberg will stärker gegensteuern

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Die Preise für Bauland steigen und steigen - auch in Baden-Württemberg. Das Land will nun seinen bundesweit einmaligen Grundstücksfonds breiter aufstellen und so Kommunen helfen.

Bauland war in Deutschland im Jahr 2020 so teuer wie noch nie. Ein Quadratmeter baureifes Land kostete durchschnittlich 199 Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekanntgab. 2010 hatte der Preis in Deutschland noch bei 130 Euro je Quadratmeter gelegen. In Baden-Württemberg kostet ein Quadratmeter Bauland aktuell 245 Euro, so die Statistiker.

Grundstücksfonds soll mehr abdecken

Seit gut einem Jahr gibt es in Baden-Württemberg einen Fonds, der Grundstücke kauft und sie dann Kommunen zur Bebauung zur Verfügung stellt. Dieser Fonds hat ein Volumen von 100 Millionen Euro.

Laut Wohnungsbauministerin Nicole Razavi (CDU) soll der Grundstücksfonds des Landes nun breiter aufgestellt werden. Er solle künftig nicht nur unbebaute, sondern auch bebaute Flächen kaufen können. Ziel sei es, den Fonds noch besser auf die Nutzbarmachung von bereits bebauten Grundstücken auszurichten, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag in Stuttgart. Vor allem kleine und mittlere Kommunen hätten dabei Unterstützungsbedarf.

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Das Land erwirbt mit seinem Fonds ein Grundstück für eine finanzschwache Kommune, hält es eine Zeit lang vor und verkauft es dann an die betreffende Gemeinde. Diese muss zuvor ein entsprechendes Konzept zur Bebauung des Grundstücks vorlegen und mindestens 30 Prozent davon als bezahlbaren Wohnraum anbieten.

BW-Fonds soll auch bebaute Grundstücke kaufen können

Vorgesehen sei nun, auch den Aufkauf von bereits bebauten Grundstücken mit bestehenden Mietverträgen zu ermöglichen und künftig auch Abriss- und Erschließungskosten durch den Grundstücksfonds vorzufinanzieren, so Razavi. Damit soll eine raschere Bebaubarkeit möglich werden. Baden-Württembergs Wohnungsbauministerin Razavi erwartet, dass der Fonds dadurch attraktiver wird und stärker genutzt wird.

Seit seinem Bestehen kaufte der Fonds den Angaben zufolge ein Grundstück. Außerdem seien sieben Bevorratungsverträge abgeschlossen worden und über drei weitere werde verhandelt. Dadurch könnten 1.350 neue Wohnungen entstehen. Razavi sagte, gerade die Bodenfrage sei ein zentrales Thema rund um die Bezahlbarkeit des Wohnens.

Opposition sieht Nachholbedarf

Die Opposition übte heftige Kritik an dem Fonds. "Wenn die Ministerin nun ankündigt, den Fonds breiter aufzustellen, ist das ein Eingeständnis, dass die Landesregierung viel zu kurz gesprungen ist", sagte der SPD-Politiker Daniel Born. Es werde aber nicht ausreichen, sich hier nun weiter in Trippelschritten zu bewegen. Der FDP-Politiker Friedrich Haag monierte, statt mehr Regulierung und immer neuen Auflagen, brauche man endlich mehr Investitionen und eine Verbilligung des Bauens.

Zustimmung von Städtetag und Wohnungsunternehmen

Zustimmung für das Vorhaben kam vom Städtetag. Eine Sprecherin sagte, dies steigere die Attraktivität des Fonds. "Bei der Weiterentwicklung wird auch zu berücksichtigen sein, wie der besondere Wohnraumdruck im städtischen Raum stärker berücksichtigt werden kann."

Der Verband der baden-württembergischen Wohnungs- und Immobilienunternehmen begrüßte den Vorstoß von Wohnungsbauministerin Razavi ebenfalls. "Der Mangel an bezahlbaren Flächen ist schon seit Jahren der Flaschenhals im Wohnungsbau und muss erweitert werden", sagte Geschäftsführerin Iris Beuerle. Durch das aktuelle Modell dürften aber nicht private Bauherren und Investoren vom Markt verdrängt werden, warnte der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft, Thomas Möller.

Bauland in Bayern und Baden-Württemberg besonders teuer

Die Baulandpreise in Deutschland schwanken abhängig von der Region stark. "Je nach Bundesland und Gemeindegröße zeigt sich dabei ein erhebliches Preisgefälle", so die Statistiker. Demnach zahlten Grundstückskäuferinnen und -käufer in den Flächenländern Bayern und in Baden-Württemberg mit 349 beziehungsweise 245 Euro besonders viel für einen Quadratmeter Bauland. Noch deutlich teurer waren Grundstücke jedoch in den Stadtstaaten Hamburg mit 1.128 Euro pro Quadratmeter und Berlin mit 931 Euro pro Quadratmeter Bauland.

"Grundsätzlich steigen die durchschnittlichen Kaufwerte mit der Gemeindegröße", hieß es weiter. In Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern kostete ein Quadratmeter im Schnitt 71 Euro. In den 14 größten Städten mit mindestens 500.000 Einwohnern musste dagegen mit durchschnittlich 1.213 Euro das 17-Fache bezahlt werden.

IG Bau: "Gegen Spekulationen vorgehen"

Die Gewerkschaft IG Bau fordert die künftige Bundesregierung auf, gegen Spekulationen mit Bauland vorzugehen. "Die Preise für Bauland jagen von einem Rekordhoch zum anderen", sagte Robert Feiger, Vorsitzender der IG-Bau. Bauland sei ein enormer Kostentreiber beim Wohnungsbau: "Die Grundstückspreise treiben die Mieten hoch."

Kurswechsel bei Besteuerung gefordert

Die Politik müsse sich dringend um das Thema kümmern. "Sie muss die Spekulation aus dem Bauland herauskriegen", forderte Feiger. "Immobilien und damit auch Baugrundstücke nach zehn Jahren steuerfrei verkaufen - da muss der Staat endlich einen Riegel vorschieben." Wer heute ein Reihenhaus kaufe, so erläutert Feiger, zahle die volle Grunderwerbsteuer. Wer dagegen Riesen-Wohnungspakete per Share-Deal kaufe, zahle keinen Cent Grunderwerbsteuer. Das müsse ein Ende haben.

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