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In der Debatte über eine mögliche Wiederaufnahme des Schulbetriebs liegt nun ein Schreiben des Staatsministeriums vor. Darin spricht sich die baden-württembergische Landesregierung dafür aus, die Schulen frühestens am 27. April wieder zu öffnen.

Das Schreiben des Staatsministeriums, das der deutschen Presse-Agentur vorliegt, dient als Grundlage für die Telefonschaltkonferenz zum weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch. Die baden-württembergische Landesregierung spricht sich darin dafür aus, die Schulen im Land frühestens am 27. April wieder zu öffnen.

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Höhere Klassenstufen sollen zuerst wieder in die Schule

"In der 18. oder 19. Kalenderwoche soll zuerst der Unterricht für die Jahrgänge, die vor Abschlussprüfungen stehen, beginnen", heißt es in dem Schreiben. Dann sollen die nächsten Jahrgänge folgen. Bei den Schülern älterer Jahrgänge könne man mehr Verständnis für die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln voraussetzen. In Kindergärten und in den unteren Grundschulklassen werde es nicht gelingen, die Corona-Regeln in der Praxis zu garantieren.

Bis zu 25 Prozent der Lehrer könnten ausfallen

Eine Kürzung oder Verschiebung der Sommer- oder Pfingstferien zieht man den Überlegungen zufolge nicht in Betracht. Die Notbetreuung für Kinder unter 14 Jahren soll aber weiterhin aufrechterhalten und bei Bedarf ausgeweitet werden. Lehrer, die wegen ihres Alters oder Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko tragen, müssten bis auf Weiteres keinen Unterricht halten. Das betrifft, dem Schreiben nach, bis zu 25 Prozent der Lehrer in Baden-Württemberg. Es ist auch die Rede von vorsichtigen Öffnungen in verschiedenen Dienstleistungsbereichen.

Wissenschaftler empfehlen Grundschüler als Erstes wieder zu betreuen

Seit dem 17. März sind in Baden-Württemberg alle Schulen geschlossen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte vorgeschlagen, die Schulen in Deutschland bald wieder zu öffnen. Zuerst sollten die Grundschulen und die Sekundarstufe I, also Schüler bis Klasse 10, schrittweise wieder zur Schule gehen. Dahinter steht die Überlegung, dass jüngere Schüler mehr persönliche Betreuung bräuchten und ältere Schüler besser Fern-Unterricht nutzen könnten.

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Das baden-württembergische Kultusministerium hat am Dienstag auf die Vorschläge der Leopoldina weitgehend mit Zustimmung reagiert. "Es war für uns immer klar, dass ein Wiedereinstieg in den Schulbetrieb nur schrittweise, sukzessive und eingeschränkt möglich sein wird. Die Vorschläge der Leopoldina bestätigen noch einmal unsere Einschätzungen", sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Sie betonte, dass über allem dabei immer der Infektionsschutz stehe. Außerdem bekämen die Schulen mindestens eine Woche Vorlauf, um den Wiedereinstieg gut vorbereiten zu können.

Eisenmann sieht Priorität bei Abschlussklassen

Zu der Frage, welche Klassen als erste wieder Unterricht bekommen sollen, sagte Eisenmann: "Es macht Sinn, dass wir beim Wiedereinstieg mit den Schülerinnen und Schülern beginnen, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfungen schreiben, weil es natürlich wichtig ist, dass diese vorher noch ausreichend Präsenzunterricht zur Vorbereitung haben."

Bei den Grundschulen mache es ebenfalls Sinn, mit dem letzten Jahrgang, also Klassenstufe 4 zu beginnen, um den Übergang auf die weiterführenden Schulen gut vorbereiten zu können. Die weiteren Entscheidungen dieser Woche auf den Konferenzen der Ministerpräsidenten und der Kultusminister seien aber noch abzuwarten.

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Lehrergewerkschaft GEW kritisiert Schulöffnungs-Vorschlag der Leopoldina

Zuvor hatte es an den Vorschlägen der Wissenschaftsakademie Leopoldina, Grundschulen möglichst bald schrittweise zu öffnen, scharfe Kritik von Seiten der Lehrergewerkschaft GEW gegeben. "Da werden Pädagogen zu Polizisten gemacht, die nur damit beschäftigt sein werden, die Abstands- und Hygieneregeln für den Schutz vor Corona durchzusetzen", sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz am Dienstag in Stuttgart. Gerade in den Pausen sei das für die Lehrer eine Mammutaufgabe.

"Für mich steht der Infektionsschutz für die Kinder und die Beschäftigten im Vordergrund", betonte Moritz. Es sei nicht zu verstehen, dass die Leopoldina zuerst die Grundschüler zurück in die Klassen schicken wolle, also diejenigen, die den stärksten Bewegungsdrang hätten und diesen am wenigsten kontrollieren könnten.

Schüler sollen im Wechsel zum Unterricht kommen

Der Grundschulverband Baden-Württemberg hält eine Öffnung der Grundschulen für möglich - mit einer Vorlaufzeit von mindestens einer Woche und unter Auflagen. Verbandsvorsitzender Edgar Bohn sagte am Dienstag im Radioprogramm SWR Aktuell, es sei sicher sinnvoll, dass die Klassen nicht gefüllt seien, sondern nur ein Teil der Kinder anwesend sei. Er schlug einen täglichen Wechsel von Schülern vor.

Auch Hygiene-Fragen müssten geklärt werden, etwa, ob die Möglichkeit zur Händedesinfektion bestehe oder Mundschutz getragen werden solle. Bohn geht davon aus, dass das Abstandhalten in niedrigeren Klassen nicht so gut gewährt werden kann. Er wies auch darauf hin, dass etliche Lehrkräfte aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehörten und deshalb den Unterricht derzeit gar nicht leiten könnten.

Eisenmann stellt Schutz von Risikogruppen in Aussicht

Auf diese Herausforderung ging auch Eisenmann am Dienstag ein. Risikogruppen bei Lehrkräften und Schülern würden besonderen Schutz genießen, betonte sie. Hier brauche es "behutsame Sonderregelungen und Ausnahmen vom Schulbetrieb". Wichtig sei auch die Frage , wie mit Schülern und Lehrern umgegangen werde, die zu Hause bei sich Angehörige haben, die zur Risikogruppe gehören.

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