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Der Ruf nach einer Maskenpflicht für Grundschulkinder wird immer lauter. Wegen steigenden Corona-Infektionszahlen in Baden-Württemberg sei ein besserer Schutz notwendig.

Die Schulleitervereinigung forderte, dass auch für Grundschülerinnen und -schüler "die blauen OP-Masken" verpflichtend werden. Es sei ein "Armutszeugnis" für das Kultusministerium, dass es sich diesem Thema total verweigere, sagte Verbandschef Werner Weber. Das entspreche nicht mehr der medizinischen Entwicklung, so Weber. Studien hätten gezeigt, dass auch Kinder insbesondere von mutierten Viren angesteckt werden. Weber ist Rektor einer Gemeinschaftsschule in Heidenheim. Dort würden die Grundschulkinder bereits "zu 100 Prozent" Masken tragen, erklärte der Schulleiter.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist bislang nicht für eine Maskenpflicht für Grundschulkinder. Sie begründet das mit medizinischen Studien, die auf eine geringere Ansteckungsgefahr hinwiesen. Virologen seien der Einschätzung, dass Kinder im Alter bis zehn oder zwölf Jahren keine Treiber der Pandemie seien, so Eisenmann.

Zuvor hatte Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz schärfere Auflagen gefordert. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, eine Maskenpflicht an Grundschulen sei für den Gesundheitsschutz von Lehrkräften und Kindern unerlässlich. Es müsse nachgesteuert werden, so Schwarz.

Auch Städtetag kritisiert Coronamaßnahmen an Grundschulen

Auch der Städtetag sieht den Verzicht auf eine Maskenpflicht an den Grundschulen kritisch. Dessen Bildungsdezernent Norbert Brugger sagte, dieser Verzicht "steht im Verband immer stärker in Rede und Kritik, weil an den Grundschulen grundsätzlich alle Schüler wieder präsent sein können und zwischen den Schülern kein Abstandsgebot gilt". Er kündigte an, bei einem Treffen mit der Amtsleitung des Kultusministeriums werde der Städtetag das Thema erörtern. Auch müsse geklärt werden, welche Masken künftig zu tragen seien und ob sich die Maskenpflicht auch auf den Unterricht erstrecke.

Umsteuern auch bei fünften und sechsten Klassen

Erst seit Montag sind die Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen wieder zurück im Präsenzunterricht. Auch hier fordert Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz ein stärkeres Umsteuern. "Wir halten es für erforderlich, dass es an den weiterführenden Schulen Hybridunterricht, Wechselunterricht und geteilte Klassen gibt." Das Kultusministerium müsse das jetzt konkret prüfen und darlegen, wie man das umsetzen könne, so Schwarz weiter.

Schwarz: "Die Lage ist ernst"

Zu den steigenden Corona-Zahlen und der Verbreitung der Mutanten sagte Schwarz: "Die Lage ist ernst." Von der der Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Montag erwarte er Vorschläge, "wie das exponentielle Wachstum gebrochen werden kann".

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte am Dienstagabend im ZDF geplante weitere Öffnungen infrage gestellt.

Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt gestiegen

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Baden-Württemberg auf 79,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner gestiegen (Stand: Dienstag, 16 Uhr). Vor einer Woche lag der Wert noch bei 60,7, vor einem Monat bei 43,7.

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