Michail Gorbatschow 1986 (Foto: IMAGO, IMAGO / ITAR-TASS)

Ehemaliger Staatschef der Sowjetunion

Michail Gorbatschow ist tot - BW erinnert sich an russischen Staatsmann

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Marc-Julien Heinsch
SWR-Redakteur Marc-Julien Heinsch Autor Bild (Foto: David-Pierce Brill)

Michail Gorbatschow ist im Alter von 91 Jahren gestorben. In der Heimat öffnete er die Sowjetgesellschaft, in Europa den Eisernen Vorhang. Auch in Baden-Württemberg hat er Spuren hinterlassen.

Der ehemalige Staatschef der Sowjetunion Michail Sergejewitsch Gorbatschow ist nach schwerer und langer Krankheit am Dienstag im Alter von 91 Jahren gestorben. Am 11. März 1985 wurde Gorbatschow, Sohn eines Bauern, mit 54 Jahren Generalsekretär der kommunistischen Partei der Sowjetunion KPdSU. 1988 wurde er zum Staatsoberhaupt der Sowjetunion und setzte einen Demokratisierungsprozess in Gang.

Gorbatschow gilt heute in Deutschland als wichtig für die Beendigung des Kalten Krieges Ende der 1980er-Jahre und als eine der Schlüsselfiguren für die deutsche Wiedervereinigung. In Russland dagegen ist die Wahrnehmung Gorbatschows weniger positiv - viele machen ihn für den Fall der Sowjetunion verantwortlich.

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Baden-Württemberg erinnert an Staatsmann Gorbatschow

Auch in Baden-Württemberg hat der Politiker Gorbatschow seine Spuren hinterlassen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte dem SWR:

"Michail Gorbatschow hat Weltgeschichte geschrieben. Die friedlichen Revolutionen im Osten Europas werden für immer mit seinem Namen verbunden sein. Wir Deutsche verdanken ihm die Wiedervereinigung unseres Landes."

Gorbatschows wichtigste Währung sei das Vertrauen gewesen, so Kretschmann. Wie kaum ein anderer habe Gorbatschow die politische Weltbühne genutzt, um Brücken zu bauen und Aussöhnung voranzutreiben. "In diesen Tagen wird uns schmerzhaft bewusst, wie fragil und zerbrechlich dieser Frieden war, und wie sehr er an der politischen Grundhaltung und den konkreten Entscheidungen Einzelner hängt."

Verschiedene andere Politikerinnen und Politiker aus dem Land teilten auf Twitter ihre Erinnerungen und Gedanken.

Michail #Gorbatschow hatte sich in bewegten Zeiten für Frieden statt Waffengewalt entschieden. Ohne ihn wäre die Deutsche Einheit nicht denkbar gewesen. Wir verneigen uns vor einem großen Staatsmann, dem Deutschland vertrauen konnte.

Viele Menschen haben Michail #Gorbatschow Gutes zu verdanken, gerade wir in Deutschland. Sein Tod bedrückt. In dieser Zeit noch mehr. Danke & #RIP

Mit Michail #Gorbatschow verlässt uns ein Staatsmann, dem Deutschland viel zu verdanken hat. Er suchte Verständigung, wo einst der Eiserne Vorhang für Trennung sorgte. Das war mutig und es bleibt beispielhaft. Die deutsche Wiedervereinigung wäre ohne ihn nicht möglich gewesen.

Staatsbesuch in Stuttgart: Bevölkerung skandiert "Gorbi"

1989 besuchte Michail Gorbatschow die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart. Er besuchte die Universität und fuhr in der offenen Limousine zum Neuen Schloss. Begeisterte Menschen säumten die Straßen und riefen immer wieder "Gorbi, Gorbi".

Thilo Kössler, damals Reporter für den Süddeutschen Rundfunk (SDR), berichtete live aus Stuttgart am 14. Juni 1989.

Auch im Fernsehen war der Besuch von Michail Gorbatschow und seiner Frau Raissa Thema: Die 50.000 Schaulustigen an den Straßen in Stuttgart, Gorbatschow, der die Limousine verlässt und die Menge zu Fuß begrüßt, der Besuch der sowjetischen First Lady Raissa Gorbatschowina bei einer "typisch schwäbischen Arbeiterfamilie" im Stuttgarter Osten. Nach fünfeinhalb Stunden endete der Besuch der Gorbatschows dort, wo er begonnen hatte - am Stuttgarter Flughafen. Nächstes Ziel der beiden: Bonn. Dort wurden sie von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in Empfang genommen.

Der Fernsehbeitrag aus der Landesschau des Süddeutschen Rundfunks (SDR) zum Stuttgartbesuch der Gorbatschows am 14. Juni 1989:

Gorbatschow und der Heilbronner Friedensrat

Auch in Heilbronn erinnert man sich an Gorbatschow : 1985 schrieb der Heilbronner Friedensrat einen Protestbrief an Sowjet-Staatschef Michail Gorbatschow gegen die Raketenstationierung auf der Heilbronner Waldheide. Das Bündnis macht sich damals wie heute für Atomwaffen-Abrüstung stark. Gorbatschow antwortete seinerseits per Brief, in dem er sich für ein friedliches Miteinander aussprach.

Die Heilbronner nahmen Gorbatschows Brief in Bonn entgegen. Am 28. März 1985 erzählten sie im damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) davon:

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