Den Abschluss fand die Demonstration von Fridays for Future in Stuttgart mit einer Kundgebung auf dem Schloßplatz. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Globaler Klimastreik

Fridays for Future: Tausende demonstrieren in Baden-Württemberg für den Klimaschutz

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Die Initiative Fridays for Future ist wieder auf die Straße gegangen. Allein in Freiburg demonstrierten mehr als 5.000 Menschen. Dabei ging es auch um die Ukraine.

Zeitlich versetzt und doch geeint für die selbe Sache: Am Freitag sind in Baden-Württemberg in 50 Städten wieder tausende Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Allein in Freiburg, bei der größten Demo im Land, kamen rund 5.000 Menschen zusammen, wie die Polizei mitteilte. Die dortige Ortsgruppe sprach von 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Unter dem Motto "PeopleNotProfit" forderten die Aktivistinnen und Aktivisten Frieden und Klimagerechtigkeit. Dabei ging es auch um den Ukraine-Krieg und die Energielieferungen aus Russland.

Forderung: Ende von Energielieferungen

Fridays for Future (FFF) fordert unter anderem ein Ende der Lieferungen von Öl, Gas und Kohle aus Russland. Profite dürften nicht länger über die Bedürfnisse von Menschen gestellt werden, so die Organisation. Das wurde auch in Stuttgart deutlich, wo allerdings weit weniger als die erwarteten 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammenkamen. Letztlich waren es in der Landeshauptstadt wohl rund 1.500 Demonstrantinnen und Demonstranten. Die Organisatoren sprachen von 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Polizei machte bislang keine Angaben.

In Konstanz demonstrierten laut Polizei zwischen 1.000 und 1.200 Menschen. Auch in Ulm, Heidenheim und Aalen gab es Kundgebungen.

Tobias Schied, Sprecher von Fridays for Future Baden-Württemberg, forderte "jetzt tiefgreifende Maßnahmen, für globale Klimagerechtigkeit und deren konsequente Umsetzung."

"Gerade jetzt im Angesicht des Krieges, erkennen wir, wie stark Krisen miteinander zusammenhängen."

Von der deutschen Regierung erwarte die Initiative "entschlossenes Handeln und das Wahrnehmen historischer Verantwortung". Dazu zählten beispielsweise angemessene Reparationszahlungen, aber auch das Einbeziehen der Perspektiven und Forderungen von Menschen, die auch schon heute stark von der Klimakrise betroffen seien.

Wenn man die Klimakrise bewältigen wolle, dann nur auf sämtlichen Ebenen - von Kommunen über Länder bis zum Bund. "Wir stellen uns die Frage: Wo wollen wir hin?", so die Organisation. Man wolle "saubere Luft statt Feinstaubalarm, fruchtbare Böden statt toter Äcker, grüne Städte statt grauen Betons, Spielplätze statt Parkplätze, ÖPNV für alle statt Autos für wenige, neue Chancen statt alter Industrien, Wald statt Asphalt."

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FFF: Ressourcen-Knappheit gefährdet den Frieden

Doch es gehe um noch viel mehr als Umweltschutz. Ressourcen-Knappheiten und Katastrophen destabilisierten immer mehr und gefährdeten den Frieden dabei massiv, so Jule Pehnt, Sprecherin von Fridays for Future. "Wir sehen gerade mehr denn je, dass wir fossile, profit-orientierte Systeme, die mit Kohle, Öl und Gas autokratische Regime finanzieren, abschaffen müssen", sagte sie in Bezug auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

Auch BW-Landwirtschaftsminister fordert Boykott

Noch immer ist Deutschland energiepolitisch stark abhängig von Russland. Allein im Januar 2022 hat Deutschland rund 84 Millionen Euro für Erdöl und Erdgas ausgegeben - und das pro Tag. Das geht aus den in der vergangenen Woche veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Ebenso wie Fridays for Future fordert auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) den Verzicht auf russisches Gas und Öl. "15 Grad im Winter hält man mit Pullover aus. Daran stirbt niemand", sagte er am Mittwoch im Landtag. Wer sterbe, seien die Menschen in der Ukraine, so Hauk.

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NABU und andere Initiativen schließen sich FFF-Protesten an

Unter anderem der Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg schließt sich dem Klimastreik der Fridays for Future-Bewegung an. "Wir appellieren an alle NABU-Aktiven sowie Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg, an diesem Freitag mit ihrer Teilnahme beim Klimastreik ein deutliches Zeichen für Frieden, Freiheit und das Ende fossiler Energien zu setzen", sagte der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Bund und Länder müssten ihre Anstrengungen für die Energie- und Wärmewende beschleunigen. Mit dem Klimaschutzgesetz hat sich das Land das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Enssle hält dies für ambitioniert: "Das ist nur zu schaffen, wenn alle mit anpacken - Land, Kommunen, Unternehmen und Privatleute."

Gewerkschaften zeigen sich solidarisch

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Baden-Württemberg zeigt sich solidarisch mit dem heutigen "globalen Klimastreik" von Fridays for Future. Dazu sagte der Vorsitzende Kai Burmeister: "Klimaschutz geht uns alle an! Wir teilen das Ziel von Fridays for Future und anderen Klima- und Umweltorganisationen, die drohende Klimakatastrophe abzuwenden."

Mit Blick auf die grün-schwarze Landesregierung sagte Burmeister, dass es richtig sei, dass Baden-Württemberg Klimaschutzland Nummer eins werden wolle. Dafür brauche es aber mehr Tempo und Tatkraft: beim Ausbau von Photovoltaik und Windkraft, bei der - sozial gerechten - Einführung eines Mobilitätspasses in den Kommunen, bei der Förderung von sozial verträglichen Gebäudesanierungen, bei dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und bei der Unterstützung für Betriebe, die ihre klimaschädlichen Emissionen senken wollen.

Leonie Knoll, die Bezirksjugendsekretärin des DGB Baden-Württemberg, ergänzte: "Unsere Auszubildenden und Studierenden wollen eine lebenswerte Zukunft. Sie haben das gleiche Recht auf ein intaktes Klima wie die älteren Generationen. Deshalb unterstützt die DGB-Jugend die Klimaschutzbewegung."

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