Viele Firmen wollen wieder Weihnachtsfeiern machen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

Gastronomie noch nicht auf früherem Niveau

Nach zwei Pandemie-Wintern: Größere Unternehmen in BW zögern bei Weihnachtsfeiern oft noch

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Simone Polier
Simone Polier - Redakteurin bei SWR Aktuell BW (Foto: Verwendung nur in Absprache)

Zwei Jahre lang haben die meisten Unternehmen wegen Corona auf Weihnachtsfeiern verzichtet. Aber wie ist die Lage in dieser Saison?

Weihnachtsfeiern wie sie früher einmal waren: Man sieht die Kolleginnen und Kollegen wie man sie noch nie gesehen hat. Mal nicht im Kostüm oder Blaumann, sondern mit mehr oder weniger Alkohol im Blut. Das ging auch nicht immer gut aus. Aber Corona hat dieser jährlichen Tradition für zwei Winter einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Momentan scheint das Pandemie-Leben in den Hintergrund gerückt zu sein. Auch in Baden-Württemberg wurde die Isolationspflicht erst kürzlich aufgehoben, gerade wurde bekannt, dass die Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeheimen und Kliniken offenbar vor dem Aus steht. Aber wie halten es die Firmen in Baden-Württemberg? Feiern sie wieder im großen Stil?

Weihnachtsfeier ja, aber anders

Ein Beispiel: Bei der Mack & Schneider GmbH in Filderstadt (Kreis Esslingen) wird in diesem Jahr zwar im Kollegenkreis gefeiert, aber anders als vor Corona wird es trotzdem: Ein Foodtruck mit Maultaschen vor den Betriebsferien und anschließender Weihnachtsmarktbesuch stehen auf dem Plan, sagt Geschäftsführerin Vanessa Bachofer dem SWR. War die Weihnachtsfeiern einmal das Hauptfest im Jahr mit Buffet, findet "das Hauptevent im Frühjahr/Sommer statt", sagt Bachofer. In den letzten beiden Coronajahren wurde zu Weihnachten gar nicht gefeiert.

Beim Deutschen Roten Kreuz im DRK-Landesverband Baden-Württemberg hat man "in den vergangenen beiden Jahren weitgehend auf Weihnachtsfeiern verzichtet - zumindest in Präsenz," sagt Sprecher Udo Bangerter. Es habe aber oft in kleinem Rahmen virtuelle Veranstaltungen gegeben, "um mit den Kolleginnen und Kollegen das Jahr gemeinsam ausklingen zu lassen". Details für eine diesjährige Veranstaltung stehen laut Bangerter noch nicht, aber: "Für dieses Jahr ist wieder eine Weihnachtsveranstaltung geplant." In Präsenz.

Große Unternehmen: Feiern nicht zentral organisiert

"In diesem Jahr können Weihnachtsfeiern in den Unternehmen der Schwarz Gruppe stattfinden, sofern sie nicht schon als Sommerfest vorgezogen wurden", sagt Pressesprecherin Kerstin Peters vom Handelsriesen mit Sitz in Bad Wimpfen, zu dem Kaufland und Lidl gehören. Wie diese gestaltet werden entschieden die Fachbereiche und Abteilungen, sagt sie. Alle Mitarbeitenden erhielten aber ein Weihnachtspaket nach Hause geschickt. Für die Jahre 2020 und 2021 hätten alle "vor dem Hintergrund des coronabedingten Ausfalls der Weihnachtsfeiern" Warengutscheine bekommen.

Auch bei ZF in Friedrichshafen (Bodenseekreis) werden die Weihnachtsfeiern nicht zentral, sondern auf Team- oder Abteilungsebene organsiert, sagt ein Unternehmenssprecher. "Es gibt keine zentrale Dokumentation, wie viele Teams und Abteilungen eine solche Feier tatsächlich organisieren werden und in welcher Form dies geschieht." 2020 seien alle Weihnachtsfeiern ausgefallen, im vergangenen Jahr habe das Unternehmen empfohlen, auf Feiern zu verzichten.

Der Stuttgarter Zulieferer-Konzern MAHLE hat sich entschlossen auf Weihnachtsfeiern in diesem Jahr zu verzichten, so ein Sprecher. Das Unternehmen "hat die Tradition, unternehmensweit Weihnachten zu feiern, mit Beginn der Corona-Pandemie 2020 ausgesetzt."

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Weihnachtsfeiern: Bars und Restaurants noch nicht ausgebucht

Vor Corona waren Weihnachtsfeiern rund um die Feiertage ein sicheres Geschäft für Gastronominnen und Gastronomen. Für sie ist noch nicht alles wieder beim Alten: Mathias Simon, Geschäftsfüher des Restaurants "Amadeus" in Stuttgart sagt: "Die Buchungslage für Weihnachtsfeiern in 2022 ist noch nicht ganz auf Vor-Corona-Niveau". Der "Run" auf die beliebtesten Tage habe aber schon zeitig begonnen, da gehe auch nichts mehr, sagt der Gastronom. Die vergangene Jahre seien ohne das für seinen Betrieb so wichtige Vorweihnachtsgeschäft gelaufen. "Hoffen wir, dass es über Mitarbeitererkrankungen oder andere externen Einflüsse keine größeren Stornierungen gibt," so Simon.

Das Ballhaus in Freiburg hat mittlerweile wieder etwa gleich viele Anfragen für Weihnachtsfeiern, wie vor der Pandemie. "Bei den tatsächlichen Buchungen sind wir jetzt bei circa 75 Prozent im Vergleich zu vor der Pandemie", sagt Janina Artmayer. Die Lockdown-Phasen hätten sie als Eventlocation hart getroffen, sie mussten nahezu auf null runterfahren.

Beim Gasthof Ochsen in Münsingen (Kreis Reutlingen) hat man ähnlich viele Reservierungen wie vor Corona. "Wir sind zufrieden", betont Gastwirtin Sabine Franzke. Ähnlich gut sieht es beim Meet and Eat by Sandro in Tuttlingen aus - ab Mitte Dezember sei fast jeder Tag voll. Auch der Gasthof Germania in Horb und das Liquid in Tübingen sind vorsichtig optimistisch: Sie freuen sich, dass einige ihre Weihnachtsfeiern schon gebucht haben. Nun hoffen sie, dass alle Feiern wirklich stattfinden und noch ein paar Reservierungen dazukommen.

Vor allem kleinere Firmen feiern wieder

Viele Gastwirte in der Region Bodensee-Oberschwaben sind bisher zufrieden mit dem Vorweihnachtsgeschäft. Die Buchungslage für Weihnachtsfeiern sei gut, heißt es vom Verband für das Gastgewerbe, Dehoga, im Kreis Ravensburg und im Bodenseekreis. Viele Buchungen für Weihnachtsfeiern gebe es von kleineren Firmen, die in Gruppen von acht bis zehn Personen feiern möchten, so Horst Müller, Dehoga-Vorsitzender im Bodenseekreis. Dies habe eine Umfrage bei einigen Gastwirten ergeben. Auffällig sei, dass Feiern von großen Unternehmen ausblieben. Diese seien unter dem Eindruck der Pandemie weiterhin verunsichert. Auch im Kreis Ravensburg läuft das Vorweihnachtsgeschäft gut, so der örtliche Dehoga-Vorsitzende Max Haller. Allerdings hätten die Gastwirte mit den gestiegenen Preisen zu kämpfen. Preisangebote für Weihnachtsfeiern seien schon vor einigen Monaten rausgeschickt worden. Mittlerweile seien die Kosten aber viel höher.

Gaststätten im Großraum Ulm verzeichnen in diesem Jahr viele Buchungen für Weihnachtsfeiern und Jahrestagungen. Das bestätigt Karin Krings vom Hotel- und Gaststättenverband Alb-Donau. Die Einkaufspreise für Lebensmittel sind laut Krings im Vergleich zum Vorjahr allerdings um 20 Prozent gestiegen und könnten so nicht an die Kundschaft weitergegeben werden. Dennoch sei die Freude über volle Auftragsbücher groß.

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