STAND
AUTOR/IN

Über soziale Medien wird beleidigt, verunglimpft, denunziert und sogar zu Gewalt aufgerufen. Und die Täter werden immer jünger. Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie strafbare Handlungen begehen.

Das eigene Smartphone, der eigene Computer - für viele Kinder und Jugendliche ist das heute ganz normal. Die Möglichkeit, über Messenger-Dienste wie Whatsapp oder Social-Media-Plattformen wie Instagram zu verfügen, birgt aber auch Gefahren: Immer wieder kommt es zu Cybermobbing zwischen Jugendlichen. Das kann strafrechtliche Konsequenzen haben.

Whatsapp erst ab 16 Jahren

Laut den Geschäftsbedingungen von Whatsapp dürfen in Europa eigentlich erst Jugendliche ab 16 Jahren diesen Dienst nutzen. Die Praxis sieht anders aus: Auch Jüngere kommunizieren häufig über den Messengerdienst, etwa in Klassenchats. Wer älter als 14 ist (also strafmündig), aber jünger als 16, kann sich natürlich nicht damit herausreden, dass er oder sie eigentlich gar kein Whatsapp haben sollte. Für die Strafbarkeit spielen die Geschäftsbedingungen also keine Rolle.

Cybermobbing findet man nicht im deutschen Strafgesetzbuch

Den Begriff "Cybermobbing" findet man nicht im deutschen Strafgesetzbuch. Allerdings kann die Handlung des Mobbens Straftatbestände erfüllen, die es bereits gibt. In Frage kommen je nach Fallgestaltung unterschiedliche Delikte. Einige Beispiele:

Symbolbild Bedrohung einer Schülerin im Chat "Ich stech dich ab, ich vergewaltige dich" (Foto: SWR)
  • Wer eine solche Nachricht schickt, könnte sich nach § 241 StGB strafbar machen. Danach ist es verboten, "einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens" zu bedrohen.
Symbolbild: Bedrohung einer Schule im Chat (Foto: SWR)
  • Beim Versenden dieser Nachricht könnte es sich um eine Straftat nach § 126 StGB handeln: Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.
Symbolbild: Rassistische Beleidigung einer Schülerin "Hey, du kleine Afronutte!" (Foto: SWR)
  • Wer solche Nachrichten an andere verschickt, könnte sich der Beleidigung nach § 185 StGB strafbar machen.

Dies sind natürlich nur einige willkürliche Beispiele. Es kommt, wie schon gesagt, immer auf den konkreten Einzelfall an. Auch andere Handlungen sind mit Strafe bedroht, etwa Nötigung nach § 240 StGB oder die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen nach § 201 a StGB. Diese Vorschrift erfasst es auch, unbefugt Bildaufnahmen, die "geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person zu schaden" anderen zugänglich zu machen. Das wäre etwa beim unbefugten Versenden von Nacktaufnahmen der Ex-Freundin denkbar.

Auch Weiterleiten von Nachrichten ist strafbar

"Eltern haften für ihre Kinder" - diesen Satz liest man zwar oft auf Schildern, rechtlich ist an dieser Aussage aber nicht viel dran. In Deutschland gibt es keine strafrechtliche "Haftung" für die Taten anderer (oft auch als "Sippenhaft" bezeichnet).  Bestraft wird immer nur die eigene, persönliche Schuld. Im Falle von Cyber-Mobbing müssen sich also die verantworten, die Beleidigungen oder Drohungen versenden. Übrigens: Auch das Weiterleiten von Nachrichten oder Memes (Bildcollagen mit Sprüchen) zählt dazu. Die Ausrede "das stammt eigentlich von jemand anderem" zählt nicht, wenn man es selbst weitergesendet hat.

Recht auf Privatsphäre kann eingeschränkt sein

Eltern sind natürlich dennoch als Erziehungsberechtigte gefordert, auf ihre Kinder einzuwirken, wenn sie sehen, dass diese andere mobben, bedrohen oder beleidigen. Das offene Gespräch oder auch das Überprüfen von Chatverläufen kann dabei helfen. Zwar haben auch Kinder und Jugendliche ein Recht auf Privatsphäre, das kann aber eingeschränkt sein, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Konkrete Hinweise auf Straftaten sind ein solcher Grund. Sozialarbeiter empfehlen, schon beim Kauf eines Smartphones konkrete Absprachen mit den Kindern zu treffen. Damit gleich von Beginn an klare Spielregeln gelten.

Mehr zum Thema:

Hass in Whatsapp-Chats, Fake-Profile auf Instagram Mehr Mobbing und Gewalt über soziale Medien an Schulen in BW

Beleidigungen, Bedrohungen, Verabredungen zu Mobbing - Gewalt durch soziale Medien wird zunehmend zum Problem. Schulleiter und Schulsozialarbeiter im Land schlagen Alarm.  mehr...

Whatsapp, Instagram, Snapchat und Co. Gewalt in sozialen Medien: Wo Eltern, Lehrer und Schüler Hilfe finden

Was kann ich tun, wenn ich mit Cybermobbing, strafbaren Inhalten und Gewalt in sozialen Netzwerken konfrontiert werde? Tipps, wo Eltern, Lehrer und Schüler Hilfe finden können.  mehr...

STAND
AUTOR/IN