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Nachts Angeln - das war bisher in Baden-Württemberg veboten. Nach einem Urteil des Stuttgarter Verwaltungsgerichts will das Land dieses Verbot jetzt aufheben.

Sechs Kläger waren gegen das Nachtangelverbot vorgegangen - und für diese sechs hat das Gericht das Verbot aufgehoben. Allerdings nur für diese Kläger - nicht für alle. Dennoch: Nach dem Erfolg der Angler vor Gericht zieht das Land seine Konsequenzen und hat angekündigt, die entsprechende Verordnung aufzuheben. "Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts nehmen wir an und werden sie umsetzen, indem wir die Norm zeitnah anpassen", teilte das Ministerium für Ländlichen Raum am Mittwoch in Stuttgart mit. Damit wäre Deutschlands einziges Nachtangelverbot gekippt.

Das Gericht hatte entschieden, dass das Verbot für die Kläger nicht gelte, weil es gegen höherrangiges Recht verstoße. Die Kläger hatten Eingriffe in Eigentums- und Grundrechte geltend gemacht.

NABU: Nachtangelverbot ist wichtig

Das Ministerium für Ländlichen Raum hatte dagegen betont, das Verbot schütze die Nachtruhe der Fische und anderer Tiere - wie etwa der am Ufer lebenden Vögel. So sieht es auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Der baden-württembergische NABU-Vorsitzende Johannes Enssle erklärte nach der Gerichtsentscheidung: "Die Nachtruhe ist wichtig und das Nachtangelverbot daher auch richtig, denn gerade an den Ufern von Flüssen und Seen ist die Natur besonders sensibel." Nachtaktive Insekten und damit auch Fledermäuse würden durch die künstlichen Lichtquellen gerade am Wasser erheblich gestört. Um den Bedürfnissen der Anglerinnen und Angler entgegen zu kommen, schlägt der NABU eine Ausnahmeregelung an wenigen Tagen im Jahr außerhalb der Brutzeit vor.

Angler fühlten sich gegängelt

Der Verband hatte fünf hochrangige Vertreter als Privatleute klagen lassen. Für den Württembergischen Anglerverein hatte dessen Vorsitzender Hans-Hermann Schock geklagt. Die Organisationen hatten kritisiert, dass sie als ruhige Naturgenießer gegängelt würden, während andere nachts uneingeschränkt an Ufern Hunde badeten, Party machten oder grillten. Angler könnten nachts sogar eine positive Aufsichtsfunktion am Gewässer erfüllen und hätten im Gegensatz zu anderen nächtlichen Naturnutzern eine spezielle Ausbildung in Form der amtlichen Fischerprüfung.

Sonderweg in Baden-Württemberg

Angeln rund um die Uhr ist in Deutschland in 15 Bundesländern erlaubt. Nur in Baden-Württemberg ist die Angelzeit bislang begrenzt. Nach der Landesfischereiverordnung darf man bis eine Stunde nach Sonnenuntergang und ab einer Stunde vor Sonnenaufgang fischen. Nur das Fischen auf Wels, Flusskrebs und Aal ist bis Mitternacht beziehungsweise bis 1 Uhr nachts während der Sommermonate möglich. Welse und Aale sind nachtaktive Tiere. Diese Verordnung wird nun laut Ankündigung des Ministeriums überarbeitet.

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