Intensivmedizin (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild |  Bernd Wüstneck)

95 Prozent der Corona-Intensivpatienten sind nicht geimpft

Kretschmann: Einschränkungen für Ungeimpfte unausweichlich

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Deutlich häufiger gebe es schwere Verläufe bei Ungeimpften in Baden-Württemberg, verkündete das Landessozialministerium. Ministerpräsident Kretschmann fordert mehr Einschränkungen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält bei einem starken Anstieg der Covid-19-Patientinnen und -Patienten in den Kliniken Einschränkungen für Ungeimpfte für unausweichlich. "Die Nicht-Geimpften sind jetzt natürlich die Träger der Pandemie", sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wenn es bei den Ungeimpften zu hohe Inzidenzen gebe, wirke sich das auf die Krankenhausbelegung aus. Und dann müsse die Politik handeln.

"Das hat nichts mit Strafe oder irgendwas durch die Hintertür zu tun, sondern es ist die Erfordernis, die Pandemie im Griff zu behalten. Andere Motive stehen überhaupt nicht dahinter."

"Wir müssen jetzt alles daransetzen, dass wir das Gesundheitssystem nicht überlasten", so die Einschätzung des Landesgesundheitsamtes am Donnerstag. Hintergrund ist der sprunghafte Anstieg der Corona-Neuinfektionen in der vergangenen Woche. Vor einer Woche wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) landesweit 5.385 Infektionen neu gemeldet, aktuell sind es mit 9.048 fast doppelt so viele.

Außerdem betont das baden-württembergische Ministerium für Soziales und Gesundheit, dass die meisten Neuinfektionen immer noch bei Ungeimpften auftreten würden. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes entfielen in den letzten sieben Tagen von den insgesamt 9.048 Covid-19-Fällen in Baden-Württemberg 7.874 auf Nicht-Geimpfte oder Personen mit unklarem Impfstatus. Bei den restlichen 1.174 handele es sich um geimpfte Personen. So lag im Land der Anteil der Personen, die sich trotz einer vollständigen Schutzimpfung mit dem Coronavirus infiziert haben, in der vergangenen Woche bei knapp 15 Prozent.

Deutliche Zunahme der schweren Verläufe - vorwiegend bei Ungeimpften

Insgesamt sind den Angaben zufolge aktuell 537 Corona-Patienten in den Krankenhäusern. Vergangene Woche waren es noch 321. Davon liegen laut Ministerium 131 Menschen derzeit auf den Intensivstationen. 58 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden.

Wie das Landessozialministerium ergänzt, sind von aktuell 131 Menschen, die in Baden-Württemberg wegen einer Corona-Infektion auf einer Intensivstation behandelt werden, 95 Prozent nicht geimpft. Bei 200 bis 250 Covid-Patienten will das Land eigentlich erste Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Experten im Landesgesundheitsamt gehen davon aus, dass Mitte kommender Woche die Zahl 200 überschritten wird.

Inzidenzen steigen weiter

Die Behörden haben am Donnerstag 12 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus gemeldet (gesamt: 10.493). Auch die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter und beträgt laut Landesgesundheitsamt aktuell 83,7 (Vortag: 81,8). Der Sieben-Tage-Inzidenzwert für die Personengruppe ohne oder mit unbekanntem Impfschutz wird mit 185,9 (Vortag: 180,8) angegeben. Bei Personen mit einer abgeschlossenen Impfserie beträgt der Wert laut Behörde 15,1 (Vortag: 15,0). Der Anteil der Infizierten unter 20 Jahren steigt dabei weiter an.

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Laut dpa soll die neue Corona-Verordnung mit neuen Grenzwerten, ab denen Beschränkungen für Ungeimpfte gelten sollen, nächste Woche verkündet werden. Kretschmann wies den Vorwurf zurück, man übe zu viel Druck auf Ungeimpfte aus. "Der Druck kommt vom Virus, nicht von uns." Die Politik müsse Vorsorge treffen, weil man nicht genau wisse, wie sich die Zahlen entwickelten. "Das Virus ist der Übeltäter, nicht wir", argumentierte er. "Es werden die angesteckt, die nicht geimpft sind." Die Gefahr, dass Geimpfte erneut erkrankten, sei gering. "Die wenigen Impfdurchbrüche sind pandemisch nicht von großem Belang - statistisch gesehen."

Kretschmann für Impfung von Kindern und Jugendlichen

Kretschmann warb dafür, auch Kinder und Jugendliche über zwölf Jahren impfen zu lassen. Er verwies auf die Ständige Impfkommission (Stiko). "Nachdem die Stiko das auch bestätigt hat, kann man das auch guten Gewissens empfehlen." Davon hänge ab, wie das neue Schuljahr ablaufe. Es sei auch dort extrem wichtig, sich impfen zu lassen. "Sonst haben wir viele Leute in Quarantäne, und das wirkt sich wieder nachteilig für Öffnungen aus, weil das Personal fehlt."

Nach Prognosen des Landesgesundheitsamts ist absehbar, dass die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 bald deutlich steigen wird. Der Grenzwert 300 dürfte nach Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg Mitte September erreicht werden - wenn viele Urlauber aus dem Ausland wieder da sind. Dann könnte das Land die 2G-Regel einführen. Das würde bedeuten, dass nur noch Geimpfte oder Genesene etwa Restaurants besuchen dürften.

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