Streik in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Streit zwischen GDL und SWEG

Verspätungen und Zugausfälle in BW durch Streik: Raum Stuttgart war besonders betroffen

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Viele Bahnreisende sind am Donnerstagmorgen von Zugausfällen betroffen gewesen. Die GDL hatte Mitarbeitende der SWEG zu Streiks aufgerufen. Allerdings folgten nicht alle dem Aufruf.

Leere Gleise, verspätete Züge: Viele Bahnreisende in Baden-Württemberg waren am Donnerstagmorgen mit Ausfällen und Verspätungen konfrontiert. Im Streit mit der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Vortag kurzfristig einen "Arbeitskampf" angekündigt. Lokomotivführende, Mitarbeitende des Kundencenters, Werkstattmitarbeitende und Disponierende wurden aufgefordert, ihre Arbeit bis zum Mittag niederzulegen.

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Streiks in mehreren Landesteilen

Von Streiks der GDL bei der SWEG waren Fahrgäste in mehreren Landesteilen betroffen - allerdings in unterschiedlicher Intensität. Das Unternehmen betreibt Regionalzüge unter anderem in der Ortenau und im Breisgau sowie über die SWEG Bahn Stuttgart die ehemaligen Abellio-Regionallinien, unter anderem zwischen Stuttgart, Bruchsal (Kreis Karlsruhe) und Heidelberg und zwischen Tübingen und Heilbronn.

Aktuelle Lage in Baden-Württemberg

Auf der Strecke zwischen Tübingen und Heilbronn über Stuttgart fielen am Donnerstagmorgen mehrere Züge ersatzlos aus. Insbesondere im Stuttgarter Netz sei es zu Zugausfällen gekommen, sagte Joachim Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn. Laut dem Bahnbetreiber SWEG konnten auf der Strecke zumindest einige Züge fahren, weil die Belegschaft nur zum Teil am Streik beteiligt gewesen sei. Insgesamt hätten im Stuttgarter Netz 16 Prozent der Tageskilometer nicht angeboten werden können.

SWEG-Zug im Bahnhof Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)
Zwei Regionalzüge stehen am Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Region war besonders vom Streik der Gewerkschaft GDL betroffen. picture alliance/dpa | Christoph Schmidt

Auch auf dem Ringzug, der die Kreise Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar verbindet, fielen nach SWEG-Angaben vereinzelt Züge aus. Auf der Hohenzollerischen Landesbahn zwischen Tübingen und Sigmaringen hingegen fuhren die Züge laut SWEG weitgehend normal.

Betroffen waren auch die Regionalverbindungen zwischen Bruchsal und Heidelberg, Bruchsal und Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) sowie Pforzheim und Mühlacker (Enzkreis).

Die Region Bodensee-Oberschwaben war vom Streik der Regionalbahn SWEG am Donnerstag nicht betroffen. Alle Regionalzüge auf der Südbahn und der Bodenseegürtelbahn fuhren planmäßig.

SWEG verärgert über kurzfristige Ankündigung

Der Streik hatte um 3 Uhr in der Nacht begonnen und dauerte bis 11 Uhr. Die SWEG zeigte sich sehr verärgert über die extrem kurzfristige Ankündigung des Streiks. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Tobias Harms, sagte: "Uns per Streik unter Druck setzen zu wollen - dieser Schuss ging nach hinten los". Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden von der GDL unter Druck gesetzt, sich ad hoc am Streik zu beteiligen, so der Sprecher.

Eine Sprecherin der GDL wies diesen Vorwurf zurück. Die Gewerkschaft sprach von einer hohen Beteiligung. Laut GDL-Chef Claus Weselsky war die Streikmaßnahme eine passende Antwort auf die "schäbigen Machtspiele" der SWEG.

Gewerkschaft: SWEG zementiert bei sich eine "Zweiklassengesellschaft"

Schon mehrfach hatte die Gewerkschaft in den vergangenen Tagen mit einem Streik gedroht. Hintergrund für den Streit sind Tarifverhandlungen für die Tochter SBS. Das ehemalige Bahnunternehmen Abellio Rail Baden-Württemberg wurde nach finanziellen Schwierigkeiten Anfang des Jahres von der SWEG für zunächst zwei Jahre übernommen. Nun forderte die GDL aber einen einheitlichen Tarifvertrag für alle rund 1.800 Mitarbeitenden des Konzerns. Es dürfe keine "Zweiklassengesellschaft" innerhalb des Konzerns geben, sagte ein GDL-Sprecher.

GDL für bundesweit einheitliche Arbeits- und Einkommensbedingungen

Mit Anwendung des GDL-Tarifvertrages würden laut GDL die monatlichen Entgelte und die Zulagen, beispielsweise für die besonders belastende Nachtarbeit, deutlich steigen. Das würde auch den SWEG-Mitarbeitenden zugutekommen.

Die SWEG hat jedoch einen bestehenden Tarifvertrag mit ver.di. Laut ver.di-Landesleiterin Hanna Binder bieten die Konditionen, für die sich die GDL stark mache, aber keine Vorteile gegenüber dem bereits bestehenden ver.di-Tarifvertrag. Der Sprecher der SWEG gab außerdem zu bedenken, dass noch offen sei, ob die SWEG und die SBS über das Jahr 2023 hinaus in einem Konzern miteinander verbunden sein werden.

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