ICE fährt ab am Karlsruher Hauptbahnhof (Foto: SWR)

"Eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen"

Ab Donnerstag: Neuer Bahnstreik der Lokführergewerkschaft GDL

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Der Tarifkonflikt zwischen GDL und Deutscher Bahn ist noch immer nicht gelöst. Nun hat die Gewerkschaft den bisher längsten Streik angekündigt.

Bahnreisende müssen erneut wegen Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. GDL-Chef Claus Weselsky kündigte im laufenden Tarifstreit mit der Bahn den dritten und längsten Streik an.

GDL kritisiert "Blockadehaltung" der Deutschen Bahn

Ab Donnerstag, dem 2. September, um 2 Uhr sollen die Lokführerinnen und Lokführer im Personenverkehr ihre Arbeit niederlegen. Der Streik werde bis zum 7. September dauern, erklärte Weselsky am Montag in Frankfurt. Im Güterverkehr werde bereits ab Mittwoch um 17 Uhr gestreikt. "Das ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich", sagte Weselsky. "Wir sehen uns angesichts der Blockadehaltung der DB-Manager nicht bereit und nicht gewillt, hier kürzere Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen." Unbefristete Streiks stünden derzeit aber nicht zur Debatte, betonte er.

Kritik von "Pro Bahn" an erneutem Streik

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" kritisiert die neuerliche Streikankündigung der GDL. "Mit den Streiks lernen die Fahrgäste wieder, dass der Bahnverkehr in Deutschland nicht verlässlich genug ist, um tatsächlich eine Alternative zum Auto zu sein", erklärte der baden-württembergische Landesvorsitzende von "Pro Bahn", Stefan Buhl. Eine Verkehrswende könne es so nicht geben. Außerdem weist Buhl darauf hin, dass gerade der Regionalverkehr der Daseinsvorsorge diene. "Es kann aber nicht sein, dass im Bereich der Daseinsvorsorge nach Belieben gestreikt wird, ohne jegliche Rücksichtnahme auf Millionen Fahrgäste", so der Landesvorsitzende. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund, dass es hier um den Machtkampf zweier Gewerkschaften gehe.

Bereits im August massive Einschränkungen durch Streiks

Der Arbeitskampf des Zugpersonals hatte schon im August zweimal für einige Tage große Teile des Fern- und Nahverkehrs lahmgelegt und die Reisepläne von Millionen Fahrgästen durchkreuzt. Der jüngste Streik war in der Nacht zu Mittwoch vergangener Woche zu Ende gegangen. Die Bahn reagierte mit Notfahrplänen. Im Fernverkehr konnten bis zu 30 Prozent des Angebots aufrechterhalten werden, im Regionalverkehr einschließlich der S-Bahnen waren es im Schnitt 40 Prozent.

Ausfälle in Baden-Württemberg im Regional- und Fernverkehr erwartet

In Baden-Württemberg war es während des vergangenen Streiks zu teils massiven Einschränkungen im S-Bahn- und Regionalverkehr rund um Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Ulm, Heilbronn, in der Neckar-Alb-Region und im Nordschwarzwald, am Bodensee und im Rhein-Neckar-Raum rund um Mannheim gekommen. Noch massiver waren die Streikauswirkungen im Fernverkehr der Bahn - zum Beispiel zwischen Stuttgart und München oder Mannheim und Köln. Auch der Güterverkehr war betroffen. Am Tag nach den bisherigen Streiks lief der Zugverkehr wieder weitgehend normal.

Am 23. August standen wegen des Tarifkonflikts in Baden-Württemberg ebenfalls die Züge still. So berichtete SWR Aktuell im Fernsehen über den Streik:

Bahn wirft GDL Spaltung der Belegschaft vor

Im Tarifkonflikt gab es seither keine Annäherung mit dem Management. In Interviews der vergangenen Tage hatte Bahnchef Richard Lutz die Gewerkschaft aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dem GDL-Vorsitzenden Weselsky warf er zugleich vor, mit Falschbehauptungen die Belegschaft zu spalten.

Das fordert die GDL von der Bahn

Die GDL fordert eine Tariferhöhung um 3,2 Prozent und eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn ist zu einer Lohnerhöhung in diesem Volumen bereit, aber erst später als von der Gewerkschaft gefordert. Gesprächsbereit ist der Arbeitgeber auch zu einer Corona-Prämie, wenn auch bislang ohne beziffertes Angebot. Streit gibt es außerdem über die anstehende Reform des Betriebsrentensystems. Die GDL will auch im Konkurrenzkampf mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) punkten.

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