Menschen laufen mit Koffern am Stuttgarter Hauptbahnhof zu einem ICE (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Tom Weller)

Einschränkungen bis Mittwoch

Bahnstreik sorgt für Zugausfälle in BW - Bahn setzt mehr Züge als im ersten Streik ein

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Seit dem frühen Morgen bestreikt die GDL erneut bundesweit den Personenverkehr. Auch in Baden-Württemberg müssen sich Reisende auf Ausfälle und Wartezeiten einstellen.

Der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat am Montagmorgen für zahlreiche Zugausfälle und -verspätungen in Baden-Württemberg gesorgt. "Der Streik läuft genauso professionell ab wie beim vergangenen Mal", sagte Jens-Peter Lück, Vizevorsitzender des GDL-Bezirks Süd-West. "Die Streikbereitschaft ist ungebrochen."

Bis Mittwochfrüh um zwei Uhr müssen sich bundesweit Millionen Reisende auf massive Einschränkungen vor allem im Fernverkehr einstellen. Neben den Lokführerinnen und Lokführern sind erneut auch Beschäftigte in der Infrastruktur - etwa in den Stellwerken - aufgerufen, die Arbeit ruhen zu lassen.

Lutz Dächert, Bezirksvorsitzender Süd-West der GDL, hat die Streiks im Bahnverkehr verteidigt. Im SWR unterstrich er, dass die GDL entschlossen sei, Druck aufzubauen und eine bessere Bezahlung für die Beschäftigten zu erkämpfen:

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Der Ersatzfahrplan der Bahn ist nach Angaben des Unternehmens stabil angelaufen. Am Dienstag werde man den gleichen Ersatzfahrplan anbieten wie am Montag, sagte eine Bahnsprecherin. "Trotz des verlässlichen Grundangebots kann die DB nicht garantieren, dass alle Reisenden wie gewünscht an ihr Ziel kommen", teilte die Bahn in ihrem Presse-Blog mit.

Wenn möglich, sollten die Menschen ihre Bahnfahrten auf die Zeit nach dem Streik verschieben und umbuchen, rät die Bahn selbst auf ihrer Internetseite. Die Bahn geht davon aus, dass sich der Verkehr im Laufe des Mittwochs wieder normalisiert. Zudem sei mit einer sehr hohen Auslastung der noch verkehrenden Fernverkehrszüge zu rechnen. Reisende rief der Konzern in Anbetracht der aktuellen Corona-Lage deshalb zu "größtmöglicher gegenseitiger Rücksichtnahme" auf.

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Im Regionalverkehr versuche man den Fahrgästen weiterhin ein verlässliches Grundangebot zu bieten. Bundesweit sollen rund 40 Prozent des planmäßigen Fahrplans angeboten werden. Eine solche Prozentangabe sei für Baden-Württemberg nicht möglich, sagte eine Sprecherin der Bahn. "Es ist regional wirklich unterschiedlich." Zudem gebe es einige Wettbewerber auf den Schienen, die vom Streik nicht betroffen seien. Das seien zum Beispiel von Stuttgart ausgehend die Strecken nach Ulm oder Tübingen.

Dennoch kommt es zu teils massiven Einschränkungen und Zugausfällen etwa im S-Bahn- und Regionalverkehr rund um Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Ulm, Heilbronn, in der Neckar-Alb-Region und im Nordschwarzwald, am Bodensee und im Rhein-Neckar-Raum rund um Mannheim. Die S-Bahnen sollen auf allen Linien im Stundentakt fahren. Alle Fahrgäste sollten vorab Online auf bahn.de oder in der DB-App ihre Verbindungen überprüfen, betonte die Bahn-Sprecherin. "Das Angebot kann sich im Lauf des Tages verändern."

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Fernverkehr ist stark betroffen

Noch massiver sind die Streikauswirkungen im Fernverkehr der Bahn - zum Beispiel zwischen Stuttgart und München oder Mannheim und Köln. Wie die Bahn am Montagmittag mitteilte, kommen im Fernverkehr aber mehr Züge als noch im ersten GDL-Streik zum Einsatz. Anstatt der zuvor angekündigten 25 Prozent will das Unternehmen an diesem Tag demnach rund 30 Prozent der sonst üblichen Zugfahrten auf die Schiene bringen.

Bahnfahrten nach Leipzig oder Dresden könnten zusätzlich erschwert sein, da in den östlichen Bundesländern mehr Lokführerinnen und Lokführer in der GDL organisiert sind und die Streikbeteiligung entsprechend höher sein könnte.

Gültigkeit gekaufter Tickets

Für den Zeitraum des GDL-Streiks hat die Bahn die Gültigkeit bereits gekaufter Fernverkehrstickets geändert: Alle Fahrgäste, die im Zeitraum vom Montag, 23.8.2021, bis Mittwoch, 25.8.2021, ihre Reise aufgrund des Streiks der GDL verschieben wollen, können ihr bereits gebuchtes Ticket bis einschließlich Samstag, 4.9.2021, entweder flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren. Auch Sitzplatzreservierungen können kostenfrei umgetauscht werden.

GDL schlägt Verhandlungen über Corona-Prämie aus

Die Bahn war am Sonntag mit dem Versuch gescheitert, den Streik im Personenverkehr noch abzuwenden. Sie erklärte sich bereit, über eine Corona-Prämie für die Beschäftigten, eine der GDL-Forderungen, zu verhandeln. Die GDL sah darin jedoch ein "Scheinangebot" und hielt an den Streikplänen fest. Gewerkschaftschef Claus Weselsky sagte im ZDF-"Morgenmagazin", es sei nicht klar, ob die Prämie "100 oder 600 Euro" betrage. "Man muss doch wenigstens eine Zahl nennen", forderte er.

GDL-Vizechef Norbert Quitter sagte am Rande einer Kundgebung in Stuttgart: "Unser Ziel ist ein Tarifabschluss, der den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Wert entgegenbringt, den sie sich in den letzten Monaten verdient haben". Das Ziel sei ein echtes Angebot und keine Blendung der Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit. "Das lassen wir uns nicht bieten, deshalb geht der Streik weiter", kündigte Quitter vor Dutzenden Anhängern auf dem Stuttgarter Schlossplatz an.

Bereits vor knapp zwei Wochen hatte die GDL bundesweit gestreikt. Die GDL kämpft unter anderem für eine bessere Bezahlung und fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr.

Bahnsprecher kritisiert verantwortungsloses Verhalten der GDL-Spitze

"Der GDL geht es um einen politischen Kampf und nicht um eine Lösung am Verhandlungstisch", sagte der Sprecher der Deutschen Bahn, Achim Stauß. Die GDL-Spitze richte Schaden an, "ohne Rücksicht auf die Fahrgäste, ohne Rücksicht auf den Großteil unserer Beschäftigten und ohne Rücksicht auf das Unternehmen DB. Das ist verantwortungslos."

Pro Bahn fordert neues Tarifeinheitsgesetz

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat der Politik vorgeworfen, Schuld am jüngsten Streik von Lokführerinnen Lokführern zu sein. Hintergrund ist: Das Tarifeinheitsgesetz soll eigentlich erreichen, dass bei mehreren konkurrierenden Gewerkschaften in einer Branche die Regeln der größeren Organisation gelten. Dennoch fühlt sich im Moment die kleinere Lokführer-Gewerkschaft GDL daran offenbar nicht gebunden und streikt.

Pro Bahn fordert wegen des erneuten Ausstands von der nächsten Bundesregierung eine Änderung des Tarifeinheitsgesetzes. "Das bisherige Gesetz kann man in die Tonne treten. Es löst das Problem der konkurrierenden Gewerkschaften nicht", sagte Pro-Bahn-Sprecher Peter Naumann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Er schlug vor, durch Wahlen von Gremien, die dann Tarife verhandeln, die verschiedenen Gewerkschaften jeweils einzubinden. Im Fall der Bahn sei eine Lösung besonders notwendig, da von Streiks nicht nur die Arbeitgeber, sondern immer auch die Fahrgäste betroffen seien.

"Es wäre gut, wenn jetzt beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Mit Streik und Pressekonferenzen löst man keinen Konflikt", sagte Naumann mit Blick auf die GDL und die Bahn.

Viele Reisende weichen auf andere Verkehrsträger aus

Bei Flixbus und Flixtrain stieg die Nachfrage, wie das Unternehmen Flixmobility mitteilte. Ähnlich äußerte sich die Mitfahrplattform Blablacar, die neben Mitfahrgelegenheiten auch Fernbusreisen vermittelt. "Wir beobachten weiterhin eine sehr hohe Anzahl von Neuanmeldungen", teilte eine Sprecherin am Montag mit. "Seit Freitag zählen wir - im Vergleich zu einem regulären Zeitraum - zwischen zwei und drei Mal mehr neue Mitglieder, die der Plattform beitreten." Auch die Mietwagenverleiher Sixt und das Vergleichsportal Check24 verzeichneten bei Mietwagen eine deutlich gestiegene Nachfrage für die beiden Streiktage.

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