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Gastronomie und Hotels gehören zu den großen Verlierern der andauernden Corona-Krise. Das Land hat den betroffenen Betrieben jetzt einen dreistufigen Plan zur Öffnung in Aussicht gestellt.

Das baden-württembergische Gesundheitsministerium bereitet konkrete Öffnungsschritte für Hotels und die Gastronomie vor. Bei einem Spitzentreffen ist nach SWR-Informationen über das weitere Vorgehen beraten worden. Dabei hatten Vertreter der Hotel- und Gaststättenbranche um rechtzeitige Informationen gebeten, um die Öffnungen vorbereiten zu können. Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hat nun ein dreistufiges Verfahren in Aussicht gestellt.

Klarheit noch vor Pfingsten

Noch vor den Pfingstferien soll klar sein, wann welche Betriebe und zu welchen Bedingungen öffnen können. In der ersten Stufe sollen beispielsweise Biergärten und Caféterassen sowie Hotels und auch der Einzelhandel wieder geöffnet werden. Weitere Öffnungen können folgen, wenn sich die erste Öffnungsstufe bei stabilen Inzidenzen 14 Tage bewährt hat.

Schrittweise Öffnung

Vorgesehen ist laut Sozialministerium, dass Stadt- und Landkreise mit einer stabil fallenden Inzidenz unter 100 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen die Öffnungsschritte angehen können. Die Öffnungsstufen sollen durch gezielte Modellprojekte in ausgewählten Bereichen flankiert werden. "Ziel unserer Öffnung mit Augenmaß ist es, bei sinkenden Inzidenzen für weitgehend alle Branchen Perspektiven zu eröffnen, dabei das Pandemiegeschehen im Griff zu behalten und den Erfolg der Impfungen nicht zu gefährden. Daher sieht unser Stufenplan eine kontrollierte und schrittweise Öffnung vor", so Lucha.

Bereits in der kommenden Woche will das Gesundheitsministerium die Öffnungs-Strategie auch rechtlich ausgearbeitet und "in eine Verordnung gegossen" haben. Ein gewisser Vorlauf sei nötig, um die Regelungen vorzubereiten, hieß es am Donnerstag aus dem Ministerium.

Keine Touristen im Schwarzwald.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliancedpa  Patrick Seeger)
Im Schwarzwald fehlen die Touristen - die Parkbänke bleiben leer. picture alliancedpa Patrick Seeger

Hotels und Gastwirte machen Druck

Die Betriebe stünden vor großen Herausforderungen, warnte derweil der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt. Es gebe noch kein konkretes Datum für mögliche Öffnungen in weniger belasteten Regionen. Es müssten aber zuvor noch Waren beschafft, Zimmer gereinigt und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgerufen werden. "Es ist deshalb extrem wichtig, dass die Landesregierung uns jetzt einen konkreten Termin nennt, ab wann die Lockerungen greifen", so der Dehoga-Chef.

Grundsätzlich müssten alle Gäste getestet, genesen oder geimpft sein, sagte Engelhardt im SWR. Der Dehoga fordert zudem, Betriebe komplett zu öffnen, um Probleme zu vermeiden, die in der Praxis auftauchen könnten. "Die Hygienekonzepte der Gastronomie funktionieren außen und innen", so Engelhardt. "Wenn ohnehin nur Geimpfte, Genesene und negativ Getestete Zutritt bekommen, sind aus unserer Sicht beherztere Öffnungsschritte verantwortbar."

"Wir brauchen Fakten, Fakten, Fakten"

"Unsere Gäste würden schon gerne kommen, und wir würden das Haus auch zu Pfingsten noch kurzfristig vollkriegen", da ist sich Alfred Boch, Küchenchef des Hotels "Engel" in Todtnauberg (Kreis Lörrach) sicher. Aber dazu müsste der 51-Jährige wissen, ab wann er wieder Buchungen für seine 150 Betten annehmen kann und ob er alle Bereiche des Hauses öffnen darf. "Müssen wir auf den Wellnessbereich und die Kinderbetreuung verzichten, brauchen wir gar nicht erst die Betten machen", sagt er. "Was wir brauchen, sind Fakten, Fakten, Fakten."

Bodensee-Tourismus will keine Zeit verlieren

Zur Eile mahnen auch Vertreter der beliebten Ferienregionen in Baden-Württemberg. "Existenzen von Unternehmen und deren Beschäftigten stehen auf dem Spiel, wenn sich der Re-Start in einigen Destinationen weiter verzögert", sagte Markus Böhm, Sprecher der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH. Freies Reisen sei für den internationalen Bodensee-Tourismus essenziell.

So agieren andere Bundesländer:

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Hotelbesitzerin: Die Zeit drängt

Besitzer von Hotels und Ferienwohnungen im Schwarzwald fürchten dagegen bereits, beim Wiederanlaufen des Inlandstourismus schlechter abzuschneiden als andere beliebte Ziele in Deutschland. Die Landesregierung habe für die Reisebranche noch keine klaren Perspektiven aufgezeigt, sagte der Sprecher der Schwarzwald Tourismus GmbH, Wolfgang Weiler. "Es ist leider ein sehr chaotisches Bild." Es gebe zwar einen "Riesenandrang" von Reisewilligen in der Region, "aber wir können derzeit keine Zusage machen, dass Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätze bereits zu Pfingsten geöffnet sind." Pfingstsonntag ist der 23. Mai.

Die Zeit dränge, da viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund des Lockdowns noch in ihren Heimatländern seien, sagte Hotelbesitzerin Christine Reppert aus Hinterzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) im SWR. Derzeit bestehe noch Unsicherheit über die Corona-Richtlinien, die dann gelten sollen.

Optimismus im Hochschwarzwald

Die niedrigste Inzidenz in Baden-Württemberg wies am Mittwoch der Hochschwarzwald auf. Daher zeigte man sich hier optimistisch. "Seit gestern werden unsere Touristinformationen mit Anfragen geflutet", sagte der Sprecher der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, Herbert Kreuz. Auch Buchungen würden mehr und mehr verzeichnet. "Für Pfingsten sind wir zuversichtlich, dass es Buchungsmöglichkeiten geben wird." Für den Sommer rechne man mit einer starken Auslastung. "Wir mussten jetzt lange warten, vielleicht ist jetzt die Zeit auch für den Tourismus wieder reif."

Landesregierung ist vorsichtig optimistisch

Die Infektionszahlen sinken in vielen Regionen. Deshalb zeigt sich die Landesregierung vorsichtig optimistisch und hält Lockerungen in den Pfingstferien für möglich. Außerdem, so Sozialminister Lucha schon am Dienstag, sollten weitere Modelle wie in Tübingen untersucht werden. "Wenn sich das dann 14 Tage bewährt und die Inzidenz sinkt, dann werden wir weitere Bereiche versuchen mit einzubauen und dann weiter zu öffnen", sagte Lucha. Die Voraussetzung dafür sei aber, dass auch bei gelockerten Auflagen die Ansteckungszahlen zurückgingen.

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Gemeindetag für weitere Öffnungsschritte

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