Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Unterrichtsraum und heben ihre Finger, an der Tafel steht "G9".  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Franziska Kraufmann)

Frist endet Anfang November

Mögliche Rückkehr zu G9 in BW: Elterninitiative fehlen noch Tausende Unterschriften

Stand

Mit einem Volksantrag wollen Eltern erreichen, dass Baden-Württemberg flächendeckend zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurückkehrt. Die Zeit zum Sammeln ist fast um - doch es fehlen noch Unterstützerunterschriften.

Bis Mitte November hat eine Elterninitiative für die Rückkehr zu einem flächendeckenden neunjährigen Gymnasium noch Zeit, um für ihren Volksantrag ausreichend Unterschriften zu sammeln. Aber die Zeit läuft und es fehlen noch etwas mehr als 40 Prozent der notwendigen Unterschriften.

Der Rücklauf an Formblättern habe nach Bekanntwerden des Halbzeitstandes erheblich nachgelassen, sagte Anja Plesch-Krubner, eine der beiden Initiatorinnen, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir müssen zugeben, uns verschätzt zu haben. Wir dachten, das würde leichter werden und sind nun schon erschrocken."

Noch 16.000 Unterschriften fehlen

Derzeit fehlten noch 16.000 der erforderlichen 39.000 Unterschriften, die bis Anfang November gesammelt, bestätigt und eingereicht werden müssen, sagte Plesch-Krubner. "Es ist klar, dass wir damit unserem Soll nach drei Viertel der Sammelzeit hinterherhinken", ergänzte sie. "Das ist beunruhigend."

Die Elterninitiative sammelt Unterschriften für einen Volksantrag für die Rückkehr zum Abitur erst nach 13 Jahren. Sie will, dass das Abitur wieder generell nach neun Jahren abgelegt wird. Um junge Menschen früher für den Arbeitsmarkt verfügbar zu machen, wurde die Zeit bis zum Abitur einst auf zwölf Jahre verkürzt (G8).

FDP sagt Unterstützung zu

Für den Fall, dass nicht genügend Unterschriften zusammen kommen und der Volksantrag scheitern sollte, hat die FDP im Landtag von Baden-Württemberg angekündigt, den Gesetzesentwurf der Elterninitiative für das neunjährige Gymnasium einzureichen.

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Eltern wollen nach den Ferien nachlegen

Damit über den Gesetzentwurf im Plenum beraten wird, braucht die Elterninitiative innerhalb eines Jahres die Unterschriften von 0,5 Prozent aller Wahlberechtigten. In Baden-Württemberg wären das rund 39.000 Unterschriften. Ist das noch zu schaffen? "Natürlich können wir das Quorum weiterhin erreichen, aber dafür braucht es einen echten Ruck. Wir haben zumindest die Hoffnung", sagte Plesch-Krubner. "Und wir sind nach wie vor überzeugt, dass ein großer Teil der 7,8 Millionen Wahlberechtigten unterschreiben würde, wenn man ihnen die Möglichkeit böte." Nun sei es wichtig, "Unterschriften abzuklauben", nach den Ferien auf Elternabenden zu werben und weitere Kontakte zu nutzen.

Aus Sicht der Initiatorinnen kann aber gerade dies schwierig werden. "Die Unterstützer haben ihr Umfeld abgegrast, nun müssen wir neue Anhängerinnen und Anhänger gewinnen." Plesch-Krubner schätzt zudem, dass viele wegen des Bürgerforums den Eindruck haben, "das Ding sei durch und in trockenen Tüchern". Dies sei aber nicht der Fall, betonte sie. "Das Bürgerforum ist kein Ersatz." Zudem habe sich gezeigt, dass der Weg zum Volksantrag für Einzelne "ein sehr holpriger, unsäglich komplizierter" sei.

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Derzeit ist in Baden-Württemberg das achtjährige Gymnasium Standard. G9 gibt es in Baden-Württemberg nur noch als Modellprojekt an 44 staatlichen Schulen und an einigen Privatschulen.

Für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wären nach Angaben des Kultusministeriums rund 1.400 Stellen für Lehrkräfte zusätzlich nötig. Die Schulträger, also die Städte und Gemeinden, warnen zudem vor den Investitionen, die eine Rückkehr zu G9 auslösen würde. Die Landesregierung hatte sich aber Mitte Juni erstmals offen für eine Rückkehr zu G9 gezeigt und ein Bürgerforum angekündigt. Dabei sollen zufällig ausgewählte Bürger ab Herbst über die Zukunft des Gymnasiums debattieren und der Politik am Ende Empfehlungen geben. Dutzende Verbände und Interessengruppen waren im Vorfeld bislang beteiligt, darunter Schüler, Eltern, Lehrer und Rektoren - aber auch Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmerverbände und Landtagsfraktionen.

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